III. Reich - Kartuschkasten für Mannschaften der Schutzpolizei

mit aufgelegtem Polizeiadler aus Aluminium, das Ersatzmaterial ist ausgehärtet, Zustand 2
415030
450,00

III. Reich - Kartuschkasten für Mannschaften der Schutzpolizei

Kartuschkasten der Schutzpolizei im Dritten Reich

Der Kartuschkasten für Mannschaften der Schutzpolizei stellt ein charakteristisches Ausrüstungsstück der deutschen Ordnungspolizei während der Zeit des Nationalsozialismus dar. Diese praktische Lederausrüstung diente zur Aufbewahrung von Munition und war integraler Bestandteil der Uniformierung und Bewaffnung der uniformierten Polizeikräfte zwischen 1933 und 1945.

Die Schutzpolizei im NS-Staat

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde die deutsche Polizei grundlegend reorganisiert und zentralisiert. Die Schutzpolizei bildete neben der Kriminalpolizei und der Gendarmerie einen Hauptpfeiler der Ordnungspolizei (Orpo). Im Juni 1936 wurden alle Polizeikräfte des Deutschen Reiches unter der Führung von Heinrich Himmler als Chef der Deutschen Polizei zusammengefasst. Die Ordnungspolizei unterstand dabei Kurt Daluege, der als Chef der Ordnungspolizei fungierte.

Die Schutzpolizei war primär für den uniformierten Streifendienst, die Verkehrsregelung und allgemeine Ordnungsaufgaben in den Städten zuständig. Im Verlauf des Krieges wurden Einheiten der Schutzpolizei jedoch zunehmend auch für Besatzungsaufgaben und Kriegsverbrechen in den besetzten Gebieten eingesetzt, insbesondere in Form von Polizeibataillonen.

Technische Beschreibung und Materialien

Der Kartuschkasten wurde traditionell aus braunem oder schwarzem Leder gefertigt und am Koppel getragen. Das vorliegende Exemplar weist einen aufgelegten Polizeiadler aus Aluminium auf, was ein typisches Erkennungsmerkmal der NS-Zeit darstellt. Der Reichsadler mit Hakenkreuz symbolisierte die staatliche Autorität und wurde auf nahezu allen Ausrüstungsgegenständen der Polizei angebracht.

Besonders bemerkenswert ist die Verwendung von Ersatzmaterial, das ausgehärtet wurde. Diese Materialwahl ist charakteristisch für die späteren Kriegsjahre, als aufgrund der zunehmenden Rohstoffknappheit traditionelle Materialien durch Ersatzstoffe substituiert werden mussten. Ab etwa 1942/43 wurden verstärkt Kunststoffe, Pressmassen und andere synthetische Materialien eingesetzt. Diese Kriegsersatzmaterialien zeigen die wirtschaftliche Belastung des NS-Regimes und die Priorität der Rüstungsindustrie.

Ausrüstungsvorschriften

Die Ausrüstung der Schutzpolizei war durch detaillierte Vorschriften geregelt. Die Ausrüstungs- und Bekleidungsvorschriften legten genau fest, welche Gegenstände zur Grundausstattung gehörten. Der Kartuschkasten war Teil der sogenannten “geschlossenen Ausrüstung”, die bei besonderen Einsätzen oder im Kriegsdienst getragen wurde. Er fasste typischerweise 30 Patronen für das Standardgewehr oder 12 Patronen für die Pistole.

Die Mannschaften der Schutzpolizei wurden in der Regel mit dem Karabiner 98k oder der Pistole 08 (Luger) bewaffnet. Der Kartuschkasten ermöglichte den schnellen Zugriff auf Reserve-Munition und war so konstruiert, dass er die Patronen vor Witterungseinflüssen schützte.

Historische Einordnung

Ausrüstungsgegenstände wie dieser Kartuschkasten dokumentieren nicht nur die materielle Kultur der NS-Polizei, sondern stehen auch symbolisch für die Militarisierung der Polizei im Dritten Reich. Die Ordnungspolizei entwickelte sich von einer zivilen Ordnungsmacht zu einer paramilitärischen Organisation, die aktiv an Kriegshandlungen und Verbrechen beteiligt war.

Die Verwendung von Ersatzmaterialien gegen Kriegsende unterstreicht die zunehmende Verzweiflung des Regimes und die Auswirkungen der alliierten Blockade und Bombardierungen auf die deutsche Kriegswirtschaft. Dennoch wurde die Produktion von Ausrüstungsgegenständen bis in die letzten Kriegsmonate aufrechterhalten.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute sind solche Ausrüstungsstücke wichtige historische Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte. Sie dienen in Museen und Sammlungen der Dokumentation und Aufklärung über die Strukturen des NS-Staates. Der Erhaltungszustand wird in der Regel nach einer Skala von 1 (neuwertig) bis 6 (stark beschädigt) bewertet, wobei der angegebene Zustand 2 auf ein gut erhaltenes Exemplar mit minimalen Gebrauchsspuren hinweist.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit solchen Objekten ist wichtig für das Verständnis der Organisation, Ausrüstung und Funktion der NS-Polizei und trägt zur historischen Aufarbeitung bei.