Königreich Bayern 1. Weltkrieg feldgrauer Waffenrock Modell 1910 für einen Rittmeister im 3. Chevaulegers-Regiment Herzog Karl Theodor

Heimatstandort Dieuze. Eigentumsstück um 1915/16. Der Waffenrock aus feinem feldgrauem Kord komplett mit allen Komponenten. Der Umfallkragen, die Ärmelaufschläge und die Brustklappe für das Regiment mit roséfarbenen Vorstößen, die Seitentaschen wie bei Mannschaften mit einem Knopf verschlossen, zusätzlich mit zwei großen Brusttaschen, auf den Schultern eingenäht die feldgrauen Schulterstücke mit der Regimentsnummer «3» und roséfarbenen Tuchunterlagen, auf der linken Brust mit fünf Schlaufen für Orden und Ehrenzeichen. Innen mit braunem Seidenfutter. Zustand 2.

Laut Auskunft stammt der Waffenrock aus dem Nachlass Herzog Ludwigs Wilhelm in Bayern.
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5.500,00

Feldgrauer Waffenrock Modell 1910 eines Rittmeisters im 3. Chevaulegers-Regiment “Herzog Karl Theodor”

Dieses feldgraue Waffenrock Modell 1910 gehört zu den seltensten und historisch bedeutsamsten Uniformstücken der Königlich Bayerischen Armee im Ersten Weltkrieg. Als Eigentumsstück eines Rittmeisters – eines Kavallerieoffiziers im Range eines Hauptmanns – im 3. Chevaulegers-Regiment “Herzog Karl Theodor” verbindet es die militärische Tradition einer einzigartigen bayerischen Waffengattung mit einer bemerkenswerten dynastischen Provenienz.

Die Einführung des feldgrauen Waffenrocks

Mit einer Allerhöchsten Kabinetts-Order (A.K.O.) vom 28. Februar 1910 wurde die neue feldgraue Uniform der deutschen Armee eingeführt, die als M1907/10 Waffenrock bekannt wurde. Dieser Waffenrock war aus Tuch, einem schweren Wollstoff in der charakteristischen graugrünen Farbe Feldgrau, gefertigt. Die neue Uniform war ausschließlich für den Feldgebrauch vorgesehen; die alten dunkelblauen Uniformen wurden für andere Anlässe beibehalten. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 war das Modell 1910 der Standard-Dienstrock der deutschen Armee. Gegen Ende 1915 wurde das M1910 durch die praktischere M1915 Feld- und Friedens-Uniform ersetzt, was die zeitliche Einordnung dieses Stückes um 1915/16 in eine Übergangsphase einordnet.

Das M1910 behielt verschiedene beschnittene Aufschlagformen der Vorgängermodelle bei, darunter die brandenburgischen, schwedischen und polnischen Varianten des M1895. Der Kragen war als Umfallkragen mit abgerundeten Ecken gestaltet und wurde mit Haken verschlossen. Farbige Vorstöße wurden um die untere Kante des Kragens, an der vorderen Knopfleiste, an den Aufschlägen und Klappen sowie an der hinteren Schoßformation angebracht.

Die Chevaulegers – eine typisch bayerische Waffengattung

Die Chevaulegers waren eine einzigartige bayerische Kavallerieformation mit Wurzeln, die bis ins Jahr 1682 zurückreichen. Der Name stammt vom französischen Begriff für “leichte Reiter”. In ihrer Taktik waren sie etwa mit Dragonern vergleichbar, wurden jedoch wie Ulanen uniformiert. 1790 stellte Bayern Chevaulegers-Regimenter auf, und 1811 wurde die gesamte bayerische Kavallerie zu Chevaulegers umgewandelt, bevor nach 1813 eine Reorganisation erfolgte. Bis zum Ersten Weltkrieg bestand die Mehrheit der bayerischen Kavallerie aus Chevaulegers-Regimentern, die als typisch bayerische Truppengattung galten.

Das 3. Chevaulegers-Regiment wurde am 23. und 31. Januar 1724 aufgestellt. Sein Friedensstandort war Dieuze in Lothringen (Lorraine). Seit 1895 trug das Regiment den Ehrennamen seines Patrons Herzog Carl Theodor in Bayern. Nach dessen Tod im Jahr 1909 wurde der Name bis zur Auflösung des Regiments 1919 beibehalten.

Besondere Merkmale des Waffenrocks

Bayerische Kavallerie-Waffenröcke wurden fast immer aus einem dicken, gerippten Wollstoff ähnlich einem Köper gefertigt. Dieses Stück aus feinem feldgrauem Kord entspricht dieser Tradition. Die pfirsichroten (Pfirsichrot) Vorstöße am Umfallkragen, den Ärmelaufschlägen und der Brustklappe waren ein Erkennungsmerkmal, das ausschließlich den Chevaulegers-Regimentern 3 und 6 vorbehalten war und sich deutlich von der preußischen Farbe Rosa unterschied. Die feldgrauen Schulterstücke mit der aufgelegten Regimentsnummer “3” und pfirsichfarbenen Tuchunterlagen identifizieren den Träger eindeutig als Angehörigen dieses Regiments. Die fünf Schlaufen auf der linken Brust für Orden und Ehrenzeichen deuten auf einen erfahrenen und dekorierten Offizier hin. Das braune Seidenfutter im Inneren war typisch für Offiziersuniformstücke, die als Eigentumsstücke bei privaten Schneidern in Auftrag gegeben wurden.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs verfügte die Bayerische Armee über 87.214 Mann. Mit der Einführung der feldgrauen Uniformen waren es nur noch die Kokarde und der blau-weiße Rauteneinfassungsstreifen, die bayerische Einheiten von den übrigen deutschen Kontingenten unterschieden.

Provenienz und dynastische Verbindung

Von besonderem Interesse ist die überlieferte Herkunft dieses Waffenrocks aus dem Nachlass von Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern (17. Januar 1884 – 5. November 1968). Ludwig Wilhelm war ein bayerischer Adliger aus dem Hause der Herzöge in Bayern, der erstgeborene Sohn von Herzog Carl Theodor in Bayern und dessen zweiter Gemahlin Marie José von Portugal. Im Jahr 1917 heiratete Ludwig Wilhelm Prinzessin Eleonore zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Die Verbindung zwischen Ludwig Wilhelm und dem 3. Chevaulegers-Regiment ist somit eine familiäre: Sein Vater war der Namensgeber und Patron des Regiments.

Erhaltung und Seltenheit

Kaiserliche deutsche Feldgrau-Uniformen sind heute außerordentlich selten. Ein Großteil der Feldgrau-Bekleidung wurde aufgrund der Spanischen Grippe und des Lausbefalls verbrannt. Überlebende Stücke wurden für die Reichswehr wiederverwendet oder von Veteranen abgetragen. Offiziersuniformstücke sind dabei deutlich häufiger erhalten geblieben als solche für Mannschaften. Dass dieses Stück die Jahrzehnte überdauert hat, ist sehr wahrscheinlich der dynastischen Verbindung und der sorgfältigen Aufbewahrung im Nachlass der Familie Herzog Ludwig Wilhelms in Bayern zu verdanken.

Nach dem Waffenstillstand von Compiègne und der Rückkehr in die Heimat wurde das 3. Chevaulegers-Regiment demobilisiert und aufgelöst. Dieser Waffenrock ist damit ein stilles Zeugnis einer untergegangenen militärischen Welt – der Königlich Bayerischen Kavallerie, deren Traditionen in der Auflösung der alten Ordnung nach 1918 ihr Ende fanden.