Königreich Bayern gerahmte Knötel-Tafel «Die Bayern bei Wörth 6. August 1870»

Maße ca. 33.7 x 26.7 cm. Zustand 2.
500730
25,00

Königreich Bayern gerahmte Knötel-Tafel «Die Bayern bei Wörth 6. August 1870»

Die gerahmte Knötel-Tafel "Die Bayern bei Wörth 6. August 1870" stellt ein bemerkenswertes Zeugnis deutscher Militärgeschichte und -kunst des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts dar. Diese Darstellung gehört zu den berühmten militärhistorischen Illustrationen von Richard Knötel (1857-1914), einem der bedeutendsten deutschen Uniformkundlers und Militärmalers seiner Zeit.

Richard Knötel stammte aus einer Künstlerfamilie und widmete sein Leben der präzisen Darstellung militärischer Uniformen und historischer Schlachtenszenen. Seine Arbeiten zeichnen sich durch akribische Detailgenauigkeit und historische Authentizität aus. Zusammen mit seinem Vater Richard Knötel senior und später seinem Sohn schufen die Knötels ein umfassendes Werk zur Uniformkunde, das bis heute als Referenz gilt. Die Knötel-Tafeln wurden in verschiedenen Formaten veröffentlicht und waren sowohl bei Militärhistorikern als auch bei Sammlern außerordentlich beliebt.

Die Schlacht bei Wörth (auch Schlacht bei Reichshoffen oder Frœschwiller-Wörth genannt) fand am 6. August 1870 während des Deutsch-Französischen Krieges (1870-1871) statt. Diese Schlacht war eine der ersten großen Auseinandersetzungen des Krieges und endete mit einem entscheidenden deutschen Sieg. Die bayerischen Truppen spielten dabei eine bedeutende Rolle und kämpften als Teil der deutschen Streitkräfte unter dem Kommando des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm.

Das Königreich Bayern beteiligte sich mit erheblichen Truppenkontingenten am Krieg gegen Frankreich. Die bayerischen Einheiten, darunter Infanterie-, Kavallerie- und Artillerieverbände, waren in der III. Armee unter Kronprinz Friedrich Wilhelm organisiert. Bei Wörth trafen etwa 125.000 deutsche Soldaten auf rund 50.000 französische Truppen unter General Mac-Mahon. Die Schlacht war von intensiven Kämpfen geprägt, bei denen die deutschen Truppen trotz anfänglicher französischer Verteidigungserfolge letztendlich durchbrachen.

Die bayerischen Einheiten zeichneten sich durch ihre charakteristischen Uniformen aus. Im Jahr 1870 trugen bayerische Infanteristen noch die traditionellen Raupenhelme, bevor diese später durch Pickelhauben ersetzt wurden. Die Uniformen waren in einem hellblauen Ton gehalten, der sich von den dunkleren preußischen Uniformen unterschied. Diese Besonderheiten machten die bayerischen Truppen auf dem Schlachtfeld erkennbar und sind auf den Knötel-Tafeln minutiös wiedergegeben.

Die Knötel-Tafeln wurden in verschiedenen Serien produziert und veröffentlicht. Sie erschienen einzeln oder in Sammelmappen und wurden oft gerahmt als Wandschmuck in Offizierskasinos, Vereinsräumen oder privaten Sammlungen aufgehängt. Die Tafeln hatten typischerweise Maße zwischen 25 und 35 Zentimetern und wurden auf hochwertigem Papier gedruckt. Die hier beschriebene Tafel mit den Maßen von etwa 33,7 x 26,7 cm entspricht den üblichen Formaten dieser Serie.

Der historische und sammlerwürdige Wert solcher Knötel-Tafeln liegt in mehreren Aspekten begründet. Erstens dokumentieren sie militärische Uniformen und Ausrüstung mit wissenschaftlicher Genauigkeit, was sie zu wichtigen Quellen für die Uniformkunde macht. Zweitens spiegeln sie die militärische Erinnerungskultur des Deutschen Kaiserreichs wider, in der die Siege von 1870/71 eine zentrale Rolle spielten. Die Reichsgründung 1871 wurde direkt mit diesen militärischen Erfolgen verbunden, und die Erinnerung an Schlachten wie Wörth wurde sorgfältig gepflegt.

Die Rahmung solcher Tafeln war üblich und trug zu ihrer Präsentation und Erhaltung bei. Gerahmte Exemplare wurden oft als Geschenke überreicht oder als dekorative Elemente in militärischen oder patriotischen Kontexten verwendet. Der angegebene Zustand 2 (nach dem üblichen Bewertungssystem von 1-6, wobei 1 der beste Zustand ist) deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit möglicherweise geringen Gebrauchsspuren hin.

Die Bedeutung der Schlacht bei Wörth für Bayern und das spätere Deutsche Reich kann kaum überschätzt werden. Sie war Teil jener Ereignisse, die zur deutschen Einigung unter preußischer Führung führten. Für Bayern bedeutete die Teilnahme am Krieg und die Integration in das Deutsche Reich 1871 das Ende seiner vollständigen Souveränität, wenngleich das Königreich gewisse Sonderrechte behielt.

Heute sind Knötel-Tafeln begehrte Sammlerobjekte, die sowohl von Militaria-Sammlern als auch von Kunstinteressierten geschätzt werden. Sie bieten einen faszinierenden Einblick in die Militärgeschichte des 19. Jahrhunderts und die Art und Weise, wie diese Geschichte visualisiert und tradiert wurde. Als historische Dokumente und Kunstwerke zugleich verbinden sie ästhetischen Anspruch mit wissenschaftlicher Präzision und bleiben wichtige Zeugnisse einer bedeutenden Epoche deutscher und europäischer Geschichte.