NS-Marinebund "Marinetag Saarlouis 1935"

Blechabzeichen, an Nadel, Zustand 2
479830
85,00

NS-Marinebund "Marinetag Saarlouis 1935"

Das NS-Marinebund Abzeichen "Marinetag Saarlouis 1935" ist ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Marinepropaganda in der Zwischenkriegszeit und steht im direkten Zusammenhang mit der Rückgliederung des Saargebiets an das Deutsche Reich.

Der Marinebund war eine Organisation zur Förderung der deutschen Seemacht, die bereits im Kaiserreich gegründet wurde und nach 1933 in die nationalsozialistische Organisationsstruktur eingegliedert wurde. Nach der Machtergreifung der NSDAP wurde der Marinebund 1934 als NS-Marinebund neu organisiert und diente als Propagandainstrument zur Förderung der maritimen Interessen des Dritten Reichs und zur Vorbereitung der späteren Aufrüstung der Kriegsmarine.

Der historische Kontext dieses Abzeichens ist von besonderer Bedeutung: Das Saargebiet stand seit 1920 gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags unter Verwaltung des Völkerbunds. Am 13. Januar 1935 fand die von den Siegermächten des Ersten Weltkriegs vorgeschriebene Volksabstimmung statt, bei der sich über 90 Prozent der Bevölkerung für die Rückkehr zum Deutschen Reich aussprachen. Die offizielle Rückgliederung erfolgte am 1. März 1935.

Die Zeit nach der Saarabstimmung war geprägt von intensiven Propagandaaktivitäten aller nationalsozialistischen Organisationen. Marinetage waren öffentliche Veranstaltungen, die der Werbung für die Marine, der Rekrutierung und der ideologischen Indoktrination dienten. Solche Veranstaltungen fanden in vielen deutschen Städten statt, auch in Orten ohne direkten Küstenbezug, um die nationale Verbundenheit mit der Seemacht zu demonstrieren.

Das Jahr 1935 markierte einen Wendepunkt in der deutschen Marinepolitik. Am 16. März 1935 verkündete Hitler die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht und damit den offenen Bruch mit den Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrags. Nur wenige Monate später, am 18. Juni 1935, wurde das Deutsch-Britische Flottenabkommen unterzeichnet, das Deutschland den Aufbau einer Flotte von bis zu 35 Prozent der Tonnage der Royal Navy gestattete.

Das vorliegende Blechabzeichen gehört zur Kategorie der Veranstaltungsabzeichen, die bei solchen Marinetagen ausgegeben oder verkauft wurden. Diese Abzeichen dienten mehreren Zwecken: Sie waren Eintrittsnachweise, Sammelobjekte, Propagandamittel und demonstrierten die Teilnahme an nationalsozialistischen Veranstaltungen. Die Herstellung erfolgte typischerweise aus kostengünstigem Material wie Blech oder Zink, oft mit Email- oder Lacküberzug.

Die Produktion solcher Abzeichen unterlag bestimmten Richtlinien. Hersteller mussten häufig eine Genehmigung einholen, und die Gestaltung folgte den Vorgaben der nationalsozialistischen Symbolik. Typische Elemente solcher Marinetag-Abzeichen waren Anker, Schiffsdarstellungen, Hoheitsadler und maritimes Dekor sowie Orts- und Datumsangaben.

Die Veranstaltung in Saarlouis im Jahr 1935 hatte zweifellos eine besondere symbolische Bedeutung. Die Stadt, die durch ihre Festungsanlagen und ihre strategische Lage im deutsch-französischen Grenzgebiet bekannt war, sollte nun demonstrativ in die nationalsozialistische “Volksgemeinschaft” integriert werden. Marinetage in Binnenstädten wie Saarlouis zielten darauf ab, die gesamte Bevölkerung für die maritime Aufrüstung zu mobilisieren und ein nationales Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen.

Der Zustand 2 des Abzeichens deutet auf eine gute Erhaltung hin, bei der möglicherweise leichte Gebrauchsspuren vorhanden sind, aber die wesentlichen Details und die Lesbarkeit erhalten geblieben sind. Dies ist bei Blechabzeichen aus den 1930er Jahren bemerkenswert, da das Material anfällig für Korrosion, mechanische Beschädigung und Farbverlust ist.

Aus historischer Perspektive sind solche Abzeichen wichtige Quellen für die Erforschung der NS-Propaganda und der Alltagsgeschichte im Dritten Reich. Sie dokumentieren die Durchdringung der Gesellschaft mit militärischen Symbolen und die Mobilisierung der Bevölkerung für die Aufrüstungspolitik. Die systematische Erfassung und wissenschaftliche Auswertung solcher Objekte trägt zum Verständnis der Mechanismen totalitärer Herrschaft bei.

Heute haben solche Abzeichen vor allem einen militärhistorischen und sammlungsgeschichtlichen Wert. Sie dienen als materielle Zeugnisse einer Zeit, die für die deutsche und europäische Geschichte von tragischer Bedeutung war und mahnen zur kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

r