Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Erinnerungsbrosche in Gold

Aluminium vergoldet, rückseitig mit Hersteller "AN.G", Zustand 2.
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280,00

Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Erinnerungsbrosche in Gold

Die Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RAD/wJ) Erinnerungsbrosche in Gold stellt ein bedeutendes Zeugnis der NS-Organisationsstruktur und der Mobilisierung weiblicher Jugendlicher im nationalsozialistischen Deutschland dar. Diese spezielle Auszeichnung wurde an weibliche Mitglieder des Reichsarbeitsdienstes verliehen, die ihre Dienstzeit erfolgreich absolviert hatten.

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) wurde am 26. Juni 1935 durch das “Gesetz für den Reichsarbeitsdienst” als staatliche Organisation etabliert. Während der RAD zunächst hauptsächlich für junge Männer konzipiert war, wurde am 4. September 1939, kurz nach Kriegsbeginn, die Dienstpflicht auch auf junge Frauen ausgedehnt. Der RAD/wJ entstand als eigenständiger Zweig und unterstand der Reichsarbeitsführerin Dr. phil. Gertrud Scholtz-Klink, die gleichzeitig Reichsfrauenführerin war.

Die weiblichen Arbeitsmaidinnen, wie die jungen Frauen genannt wurden, leisteten ihren sechsmonatigen Pflichtdienst in verschiedenen Bereichen. Hauptsächlich wurden sie in der Landwirtschaft, in ländlichen Haushalten, bei Ernteeinsätzen und in sozialen Einrichtungen eingesetzt. Mit fortschreitendem Kriegsverlauf verschoben sich die Einsatzbereiche zunehmend in Richtung kriegswichtiger Tätigkeiten, einschließlich der Unterstützung in Lazaretten und bei Luftschutzmaßnahmen.

Die vorliegende Erinnerungsbrosche wurde aus Aluminium gefertigt und anschließend vergoldet. Diese Fertigungstechnik war typisch für Auszeichnungen der späteren Kriegsjahre, als Edelmetalle zunehmend knapp wurden. Die Brosche trägt auf der Rückseite die Herstellermarkierung “AN.G”, die auf einen spezifischen, zugelassenen Hersteller hinweist. Im Dritten Reich mussten alle Hersteller von Orden, Ehrenzeichen und Auszeichnungen offiziell lizenziert sein und ihre Produkte mit entsprechenden Herstellercodes kennzeichnen.

Die goldene Ausführung der Erinnerungsbrosche stellte eine besondere Ehrung dar und unterschied sich von den einfacheren Ausführungen. Diese Broschen wurden in verschiedenen Qualitätsstufen vergeben, wobei Gold die höchste Stufe darstellte. Die Verleihungskriterien umfassten neben der erfolgreichen Dienstableistung oft auch besondere Leistungen oder längere Dienstzeiten.

Das Design solcher Erinnerungsbroschen folgte typischerweise der NS-Symbolsprache und inkorporierte häufig das Hakenkreuz, das RAD-Symbol (Spaten), Ähren als Symbol für die landwirtschaftliche Arbeit oder andere ideologisch aufgeladene Motive. Diese Abzeichen dienten nicht nur als persönliche Erinnerung, sondern auch als öffentlich sichtbares Zeichen der Teilnahme am nationalsozialistischen Gemeinschaftsprojekt.

Der RAD/wJ war fest in die NS-Ideologie eingebunden. Die Dienstzeit sollte die jungen Frauen im Sinne der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft erziehen und sie auf ihre zukünftige Rolle als Mütter und Ehefrauen vorbereiten. Gleichzeitig diente der Dienst der praktischen Arbeitskräftegewinnung in kriegswichtigen Bereichen. Bis zum Kriegsende durchliefen schätzungsweise mehrere hunderttausend junge Frauen den RAD/wJ.

Die organisatorische Struktur des RAD/wJ war straff hierarchisch gegliedert und umfasste verschiedene Dienstränge. Die Arbeitsmaidinnen waren in Lagern untergebracht, wo ein streng reglementierter Tagesablauf mit Appellen, Arbeitseinsätzen, weltanschaulicher Schulung und körperlicher Ertüchtigung herrschte. Die Uniformierung und das Gemeinschaftsleben sollten ein Zugehörigkeitsgefühl schaffen und die nationalsozialistische Ideologie vermitteln.

Nach 1945 wurden alle Auszeichnungen und Ehrenzeichen des Dritten Reiches durch die Alliierten verboten. Der Reichsarbeitsdienst wurde aufgelöst, und seine Symbole und Abzeichen verloren ihre offizielle Bedeutung. Heute sind solche Objekte ausschließlich von historischer und sammlertechnischer Bedeutung und dienen als materielle Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte.

Für die militärhistorische Forschung und Museen sind solche Erinnerungsbroschen wichtige Quellen zum Verständnis der Alltagsgeschichte im Nationalsozialismus, insbesondere bezüglich der Rolle und Mobilisierung von Frauen und Jugendlichen. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die NS-Organisation und die Instrumentalisierung der Jugend für die Ziele des Regimes.