Rußland St. Georg Orden, Kreuz 3. Klasse, ab 1917
Typisches Exemplar aus der letzten Phase des 1. Weltkrieg, unter der Kerenski Regierung nur 2 Jahre verliehen, spätestens nach der russischen Revolution wurden die Orden nicht mehr verliehen.
Der russische Orden des Heiligen Georg verkörpert eine der bedeutendsten militärischen Auszeichnungen der europäischen Geschichte. Am 26. November (7. Dezember nach gregorianischem Kalender) 1769 von Kaiserin Katharina der Großen gestiftet, war er die erste und einzige Auszeichnung des Russischen Reiches, die ausschließlich für militärische Verdienste verliehen wurde. Der Orden wurde an Offiziere der Armee und Marine für Leistungen im militärischen Bereich und außerordentliche Tapferkeit im Kampf verliehen.
Die vorliegende Ausführung des Kreuzes 3. Klasse stammt aus einer besonders turbulenten Phase der russischen Geschichte – der kurzen Periode der Provisorischen Regierung unter Alexander Kerenski im Jahr 1917. Alexander Fjodorowitsch Kerenski, geboren am 22. April (4. Mai nach neuem Stil) 1881, war ein russischer Politiker, Jurist und Revolutionär, der die Russische Provisorische Regierung und die kurzlebige Russische Republik von Ende Juli bis Anfang November 1917 führte. Nach der Februarrevolution von 1917 trat er der neu gebildeten Provisorischen Regierung bei, zunächst als Justizminister, dann als Kriegsminister und nach Juli als zweiter Ministerpräsident der Regierung.
Der Orden des Heiligen Georg war in vier Klassen unterteilt, von der Ersten bis zur Vierten Klasse, wobei der Orden Erster Klasse die höchste Stufe darstellte. Im Gegensatz zu den anderen Klassen konnte der Orden des Heiligen Georg Vierter Klasse an Subalternoffiziere verliehen werden, während die übrigen Klassen höheren Offizieren und Flaggoffizieren vorbehalten waren. Die Erste Klasse wurde lediglich 25 Mal verliehen. Der erste Empfänger war Generalleutnant Plemyannikov für die Schlacht bei Kagul, der letzte von insgesamt 124 oder 125 Empfängern (je nach Quelle) war entweder Nikolai Judenitsch oder Marschall Ferdinand Foch von Frankreich (für die Zweite Klasse).
Bis 1833 konnte die 4. Klasse auch für langjährigen Dienst verliehen werden, danach jedoch ausschließlich für außerordentliche Tapferkeit auf dem Schlachtfeld. Während des Ersten Weltkriegs erhielten zahlreiche russische Generäle und Offiziere diese Auszeichnung. Ein bemerkenswertes Beispiel ist General Lawr Kornilow: Für ihre Tapferkeit wurden alle Soldaten der 48. Division mit dem St.-Georgs-Kreuz ausgezeichnet, während Kornilow der Orden des Heiligen Georg 3. Klasse verliehen wurde.
Die Produktion dieses Kreuzes während der Kerenski-Zeit von März bis November 1917 macht es zu einem historisch bedeutsamen Zeugnis der letzten Phase kaiserlich-russischer Auszeichnungen vor der bolschewistischen Revolution. Nach der Oktoberrevolution im November 1917 schaffte die bolschewistische Regierung das Georgskreuz zusammen mit allen anderen kaiserlich-russischen Militärauszeichnungen formell durch den Erlass über die Abschaffung militärischer Ränge, Titel, Disziplinargerichte und Militärauszeichnungen vom 29. Dezember 1917 (alter Stil; 11. Januar 1918, neuer Stil) ab. Dieser vom Rat der Volkskommissare erlassene Dekret beseitigte Ränge vom Korporal bis zum General und stellte ausdrücklich fest, dass “alle Orden und andere Ehrenzeichen abgeschafft sind”.
Nach der Oktoberrevolution wurde der Orden jedoch von der Weißen Bewegung unter Admiral Alexander Koltschak bis zu deren Zusammenbruch im Jahr 1921 weiterverliehen. Die historische Bedeutung dieses Ordens blieb im russischen Gedächtnis lebendig: Am 20. März 1992 wurde er in der Russischen Föderation durch Dekret Nr. 1463 des Präsidenten Russlands wiederbelebt. Die aktuellen Verleihungskriterien wurden am 7. September 2010 durch Präsidialerlass 1099 geändert.
Das vorliegende Exemplar repräsentiert somit nicht nur eine bedeutende militärische Auszeichnung, sondern auch ein wichtiges Zeugnis der dramatischen politischen Umbrüche in Russland während des Jahres 1917, als die jahrhundertealte zaristische Ordnung zusammenbrach und einer kurzen demokratischen Episode Platz machte, bevor die bolschewistische Revolution die gesamte gesellschaftliche Ordnung radikal umgestaltete.