U-Bootkriegsabzeichen 1918 - Meybauer
Das U-Bootkriegsabzeichen 1918 stellt eine bedeutende Auszeichnung der Kaiserlichen Deutschen Marine am Ende des Ersten Weltkrieges dar. Diese Auszeichnung wurde durch Allerhöchste Kabinettsordre (AKO) vom 1. Februar 1918 von Kaiser Wilhelm II. gestiftet und war die erste offizielle Anerkennung für die Besatzungen der deutschen U-Boote, die eine zentrale Rolle im maritimen Seekrieg gespielt hatten.
Die Einführung dieses Abzeichens erfolgte zu einem kritischen Zeitpunkt des Krieges, als der uneingeschränkte U-Boot-Krieg, der am 1. Februar 1917 wieder aufgenommen worden war, bereits seit einem Jahr andauerte. Die deutschen U-Boote hatten erhebliche Verluste unter den alliierten Handelsschiffen verursacht, wobei allein im April 1917 über 860.000 Bruttoregistertonnen versenkt wurden. Diese Leistungen sollten durch das neue Abzeichen gewürdigt werden.
Das Abzeichen konnte an Offiziere und Mannschaften verliehen werden, die mindestens zwei erfolgreiche Feindfahrten auf einem U-Boot absolviert hatten. Alternativ konnten auch Besatzungsmitglieder ausgezeichnet werden, die durch besondere Tapferkeit oder herausragende Leistungen im U-Boot-Dienst aufgefallen waren. Die Verleihung erfolgte durch den kommandierenden Admiral oder Kommandeur der U-Boot-Verbände.
Der Hersteller Meybauer aus Berlin gehörte zu den renommierten Firmen, die mit der Fertigung militärischer Auszeichnungen betraut waren. Die Firma befand sich in der Chausseestraße in Berlin und produzierte während des Ersten Weltkrieges verschiedene Orden und Ehrenzeichen für die kaiserlichen Streitkräfte. Das vorliegende Exemplar wurde aus Tombak, einer Kupfer-Zink-Legierung, gefertigt und anschließend vergoldet, was der üblichen Ausführung für Offiziere entsprach. Mannschaftsdienstgrade erhielten in der Regel Exemplare aus versilbertem Tombak.
Das Design des Abzeichens zeigte ein ovales Eichenlaubkranz, in dessen Zentrum sich ein von vorn gesehenes U-Boot befand, das durch Wellen pflügte. Über dem U-Boot war die kaiserliche Krone angebracht, was die monarchistische Tradition der Auszeichnung unterstrich. Die handwerkliche Qualität der Meybauer-Fertigung war bekannt für ihre präzise Ausführung und feine Ziselierung der Details.
Die U-Boot-Waffe hatte sich während des Ersten Weltkrieges von einer experimentellen zu einer kriegsentscheidenden Komponente der Seekriegführung entwickelt. Zu Kriegsbeginn 1914 verfügte die Kaiserliche Marine über lediglich 28 einsatzbereite U-Boote. Bis Kriegsende waren es über 370 Boote verschiedener Typen, von denen 178 durch Feindeinwirkung oder Unfälle verloren gingen. Etwa 40.000 Seeleute dienten während des Krieges auf deutschen U-Booten, von denen circa 5.000 ihr Leben verloren – eine Verlustrate von etwa 12,5 Prozent.
Die Einführung des U-Bootkriegsabzeichens erfolgte relativ spät im Krieg, was teilweise der traditionellen Zurückhaltung der Marine gegenüber spezialisierten Auszeichnungen geschuldet war. Andere Waffengattungen, wie die Fliegertruppen, hatten bereits früher eigene Abzeichen erhalten. Die späte Stiftung bedeutete, dass das Abzeichen nur etwa neun Monate lang bis zum Waffenstillstand am 11. November 1918 verliehen werden konnte.
Trotz der kurzen Verleihungsperiode wurden schätzungsweise mehrere tausend Exemplare ausgegeben. Die genaue Anzahl ist nicht dokumentiert, da viele Unterlagen der Kaiserlichen Marine am Kriegsende verloren gingen oder vernichtet wurden. Das Abzeichen wurde an der linken Brustseite der Uniform getragen, unterhalb anderer Orden und Ehrenzeichen.
Nach dem Krieg und dem Ende der Monarchie verlor das Abzeichen seinen offiziellen Status, durfte aber von den Trägern weiterhin getragen werden. In der Weimarer Republik blieb es ein Symbol des U-Boot-Dienstes und der Kameradschaft unter den ehemaligen Besatzungen. Die Nationalsozialisten knüpften später an diese Tradition an und führten 1939 ein neues U-Bootkriegsabzeichen ein, dessen Design deutliche Anleihen beim Vorbild von 1918 nahm.
Heute sind originale U-Bootkriegsabzeichen von 1918, insbesondere solche vom Hersteller Meybauer, gesuchte Sammlerstücke militärhistorischer Auszeichnungen. Sie dokumentieren nicht nur die technologische Entwicklung der Seekriegführung, sondern auch die menschlichen Schicksale der U-Boot-Fahrer, die unter extremen Bedingungen ihren Dienst versahen. Die vergoldete Ausführung weist dabei auf einen Offizier als ursprünglichen Träger hin, was dem Stück zusätzliche historische Bedeutung verleiht.