Urkunden und Dokumente eines Reichsbahnsekretärs

Verleihungsurkunde für den Reichsbahnsekretär aus Langenhagen, für 25 jährige treue Dienste das Treudienst - Ehrenzeichen ausgestellt am 25. Februar 1942.
Ernennungsurkunde vom Reichsbahnbetriebsassistenten zum Reichsbahnassistenten, ausgestellt am 21. Januar 1938, in DinA4.
Ernennungsurkunde vom Reichsbahnassistenten zum Reichsbahnsekretär, ausgestellt am 30. April 1941, Din A4.
Anbei die Sterbeurkunde von seinem Sohn, der Matrose der Reserve, verstorben im Marinelazarett in Stralsund.
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Urkunden und Dokumente eines Reichsbahnsekretärs

Die vorliegende Sammlung von Dokumenten eines Reichsbahnsekretärs aus Langenhagen bietet einen authentischen Einblick in die berufliche Laufbahn und persönliche Tragödie eines deutschen Eisenbahnbeamten während der Zeit des Nationalsozialismus. Diese Urkunden dokumentieren sowohl den bürokratischen Alltag der Deutschen Reichsbahn als auch das menschliche Leid des Zweiten Weltkrieges.

Die Deutsche Reichsbahn war das staatliche Eisenbahnunternehmen des Deutschen Reiches von 1920 bis 1945 und beschäftigte in ihrer Blütezeit über eine Million Mitarbeiter. Sie war nicht nur das größte Verkehrsunternehmen Europas, sondern auch einer der wichtigsten Arbeitgeber im nationalsozialistischen Deutschland. Die Karriere innerhalb der Reichsbahn folgte einem streng hierarchischen System mit klar definierten Laufbahnen und Beförderungsstufen.

Die erste Ernennungsurkunde vom 21. Januar 1938 dokumentiert den Aufstieg vom Reichsbahnbetriebsassistenten zum Reichsbahnassistenten. Diese Beförderung markierte einen wichtigen Schritt in der mittleren Beamtenlaufbahn der Reichsbahn. Der Reichsbahnassistent gehörte zur Laufbahngruppe des mittleren Dienstes und war typischerweise mit verwaltungstechnischen oder betrieblichen Aufgaben betraut. Das Jahr 1938 war für das Deutsche Reich von großer Bedeutung, geprägt vom Anschluss Österreichs im März und der Sudetenkrise, die im Münchner Abkommen ihren vorläufigen Abschluss fand.

Die zweite Ernennungsurkunde vom 30. April 1941 belegt die weitere Beförderung zum Reichsbahnsekretär. Diese Position stellte einen gehobenen Rang innerhalb des mittleren Dienstes dar und war mit erhöhter Verantwortung und besserer Besoldung verbunden. Im April 1941 befand sich Deutschland bereits im zweiten Jahr des Zweiten Weltkrieges. Die Reichsbahn spielte eine zentrale Rolle in der Kriegslogistik, beim Transport von Truppen, Material und später auch bei den Deportationen.

Besonders bemerkenswert ist die Verleihungsurkunde des Treudienst-Ehrenzeichens vom 25. Februar 1942 für 25-jährige treue Dienste. Das Treudienst-Ehrenzeichen wurde durch Gesetz vom 30. Januar 1938 gestiftet und in drei Stufen vergeben: für 25, 40 und 50 Dienstjahre. Die Auszeichnung sollte die Verbundenheit langjähriger Beamter mit dem Staat würdigen und die Bedeutung der Beamtenschaft im nationalsozialistischen Staat unterstreichen. Die 25-jährige Dienstzeit bedeutet, dass dieser Beamte seine Karriere bereits in der Weimarer Republik um 1917 begonnen hatte, möglicherweise noch während oder kurz nach dem Ersten Weltkrieg.

Die hierarchische Struktur der Reichsbahn war komplex und spiegelte das preußisch-deutsche Beamtensystem wider. Beamte wurden nach Besoldungsgruppen eingeteilt, und jede Beförderung erforderte entsprechende Dienstjahre, Qualifikationen und die Zustimmung höherer Behörden. Die Ernennungsurkunden wurden in standardisierter Form ausgestellt und trugen die Unterschriften der zuständigen Vorgesetzten sowie die offiziellen Dienstsiegel.

Die tragische Dimension dieser Dokumentensammlung offenbart sich in der beigefügten Sterbeurkunde des Sohnes, der als Matrose der Reserve im Marinelazarett Stralsund verstarb. Stralsund war ein wichtiger Marinestandort der Kriegsmarine an der Ostseeküste. Das Marinelazarett behandelte verwundete und erkrankte Marineangehörige. Die Reserve-Matrosen waren Wehrpflichtige oder Reservisten, die im Kriegsfall eingezogen wurden und nicht zur Stammbesatzung der Marine gehörten.

Diese Dokumente illustrieren die doppelte Realität des nationalsozialistischen Deutschland: Einerseits den scheinbar normalen Verwaltungsalltag mit Beförderungen und Ehrungen, andererseits die persönlichen Tragödien, die der Krieg über unzählige Familien brachte. Für den Reichsbahnsekretär bedeutete die Auszeichnung für langjährige Treue gleichzeitig den Verlust seines Sohnes an der Front.

Die Deutsche Reichsbahn behielt ihre organisatorische Struktur auch nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 weitgehend bei, wurde aber zunehmend in die Strukturen des NS-Staates eingebunden. Beamte mussten ihre politische Zuverlässigkeit unter Beweis stellen, und ab 1933 galten die Nürnberger Gesetze auch für die Reichsbahn, was zur Entlassung jüdischer und politisch unerwünschter Mitarbeiter führte.

Heute dienen solche Dokumentensammlungen als wichtige historische Quellen, die das Leben gewöhnlicher Menschen in außergewöhnlichen Zeiten dokumentieren. Sie erinnern daran, dass hinter den großen historischen Ereignissen individuelle Schicksale stehen und dass die Geschichte nicht nur von Führern und Generälen, sondern auch von Beamten, Arbeitern und ihren Familien geprägt wurde.