WHW - Reichsstrassensammlung Nr. 001b, Oktober 1933

" Wir helfen gegen Hunger und Kälte ", Weißblechabzeichen mit farbigem Papierbild mit Zelluloid überzogen, Hersteller : Paulmann & Crone Lüdenscheid, an langer Nadel, Zustand 2.
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40,00

WHW - Reichsstrassensammlung Nr. 001b, Oktober 1933

Das vorliegende Abzeichen gehört zur ersten Reichsstraßensammlung des Winterhilfswerks (WHW) vom Oktober 1933 und trägt die Aufschrift “Wir helfen gegen Hunger und Kälte”. Es handelt sich um ein Weißblechabzeichen mit farbigem Papierbild, das mit Zelluloid überzogen ist – eine typische Herstellungstechnik der frühen WHW-Abzeichen. Der Hersteller Paulmann & Crone aus Lüdenscheid war eines der führenden Unternehmen in der Produktion solcher Sammelabzeichen.

Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes wurde im September 1933 als nationalsozialistische Wohlfahrtsorganisation gegründet. Es entstand aus der Zusammenlegung verschiedener Winterhilfsaktionen der Weimarer Republik und sollte die soziale Fürsorge während der Wintermonate koordinieren. Offiziell diente das WHW dazu, bedürftigen Volksgenossen durch die kalte Jahreszeit zu helfen, indem Lebensmittel, Kohle, Kleidung und andere lebensnotwendige Güter verteilt wurden.

Die Reichsstraßensammlungen waren ein zentrales Element der WHW-Aktivitäten. Jeden Monat von Oktober bis März fanden diese öffentlichen Sammlungen statt, bei denen Sammler mit Büchsen durch die Straßen zogen und Spenden einwarben. Als Gegenleistung für eine Spende erhielten die Bürger kleine Abzeichen, die sie sichtbar an der Kleidung tragen sollten. Diese Abzeichen erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten als Quittung für die geleistete Spende, als Nachweis der “Volksgemeinschaft” und als soziale Kontrolle – wer kein Abzeichen trug, machte sich verdächtig, nicht gespendet zu haben.

Die erste Reichsstraßensammlung im Oktober 1933 markierte den Beginn einer massiven Propagandakampagne. Das Motto “Wir helfen gegen Hunger und Kälte” war bewusst schlicht und emotional gewählt, um die Spendenbereitschaft zu maximieren. Die Nationalsozialisten nutzten das WHW geschickt zur Mobilisierung der Bevölkerung und zur Demonstration ihrer angeblichen Fürsorge für das deutsche Volk.

Die technische Ausführung des Abzeichens ist typisch für die frühe Phase des WHW. Weißblech war ein kostengünstiges Material, das sich gut für die Massenproduktion eignete. Das farbige Papierbild wurde auf das Metall aufgebracht und mit einer dünnen Zelluloidschicht versiegelt, um es vor Feuchtigkeit und Abnutzung zu schützen. Die lange Nadel auf der Rückseite ermöglichte das einfache Befestigen an der Kleidung. Diese Fertigungsmethode war charakteristisch für die ersten WHW-Jahre, bevor später aufwendigere Materialien wie Porzellan, Holz oder Metall verwendet wurden.

Die Firma Paulmann & Crone in Lüdenscheid war ein etablierter Hersteller von Metallwaren und gehörte zu den Unternehmen, die von den staatlichen Aufträgen für WHW-Abzeichen profitierten. Lüdenscheid hatte eine lange Tradition in der Metallverarbeitung und beherbergte zahlreiche Betriebe, die während der NS-Zeit Orden, Ehrenzeichen und Sammelabzeichen produzierten.

Das Winterhilfswerk entwickelte sich zwischen 1933 und 1945 zu einer der größten Sammelorganisationen im Deutschen Reich. Schätzungen zufolge wurden jährlich zwischen 350 und 500 Millionen Reichsmark eingesammelt. Die Teilnahme war offiziell freiwillig, doch der soziale Druck war erheblich. Arbeitgeber führten Listen über die Spenden ihrer Angestellten, und öffentliche Bekanntmachungen lobten großzügige Spender, während “Verweigerer” angeprangert wurden.

Die Sammlung von WHW-Abzeichen wurde während der NS-Zeit populär, und viele Menschen bewahrten die kleinen Anstecker auf. Nach 1945 geriet das WHW in Vergessenheit, doch seit den 1970er Jahren entwickelte sich ein Sammlermarkt für diese historischen Objekte. Heute werden WHW-Abzeichen als zeitgeschichtliche Dokumente betrachtet, die Einblick in die Propagandamethoden und die Alltagskultur des NS-Regimes geben.

Das vorliegende Abzeichen aus der allerersten Reichsstraßensammlung besitzt besonderen historischen Wert, da es den Beginn einer sechsjährigen Kampagne markiert. Die Nummerierung “001b” weist auf die erste Sammlung und eine Variante hin. Der Erhaltungszustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit minimalen Gebrauchsspuren hin. Solche frühen Abzeichen sind heute seltener als spätere Ausgaben, da viele im Laufe der Zeit verloren gingen oder entsorgt wurden.

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