Elsass-Lothringen - Deutsche Volksgemeinschaft Westmark ( Lothringen ) ( DVG )

Mitgliedsabzeichen, an Nadel, Emaille etwas beschädigt. Hersteller : W. Redo Saarlautern, Zustand 2.
496431
€ 180,00

Elsass-Lothringen - Deutsche Volksgemeinschaft Westmark ( Lothringen ) ( DVG )

Das Mitgliedsabzeichen der Deutschen Volksgemeinschaft Westmark (DVG) stellt ein bedeutendes zeithistorisches Dokument aus der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft über Elsass-Lothringen (1940-1945) dar. Dieses emaillierte Abzeichen, hergestellt von W. Redo in Saarlauten, repräsentiert die systematischen Bemühungen des NS-Regimes, die nach der Niederlage Frankreichs 1940 annektierten Gebiete zu germanisieren.

Die Deutsche Volksgemeinschaft Westmark wurde im Zuge der deutschen Besatzung und faktischen Annexion von Lothringen gegründet. Nach dem erfolgreichen Westfeldzug 1940 wurden Elsass und Lothringen de facto dem Deutschen Reich angegliedert, obwohl dies völkerrechtlich nie formell vollzogen wurde. Die Region wurde administrativ in zwei Reichsgaue aufgeteilt: das Elsass wurde dem Gau Baden-Elsass zugeschlagen, während Lothringen zusammen mit der Saarpfalz den Gau Westmark bildete, unter der Leitung von Gauleiter Josef Bürckel und später Willy Stöhr.

Die Deutsche Volksgemeinschaft Westmark fungierte als eine der zahlreichen NS-Organisationen, die darauf abzielten, die Bevölkerung ideologisch zu erfassen und zu kontrollieren. Solche Organisationen dienten mehreren Zwecken: Sie sollten die lokale Bevölkerung in die nationalsozialistische Volksgemeinschaft integrieren, französische kulturelle Einflüsse beseitigen und eine vollständige Germanisierung der Region herbeiführen. Mitgliedsabzeichen wie das vorliegende waren äußere Zeichen der Zugehörigkeit und sollten Loyalität zum Regime demonstrieren.

Die Germanisierungspolitik in Lothringen war äußerst rigoros. Die französische Sprache wurde verboten, französische Straßennamen wurden germanisiert, und die Bevölkerung wurde gezwungen, deutsche Namen anzunehmen. Personen, die als "undeutsch" oder politisch unzuverlässig galten, wurden systematisch ausgewiesen. Zwischen 1940 und 1945 wurden etwa 100.000 Menschen aus Lothringen deportiert, darunter Juden, französische Beamte und als "staatsfeindlich" eingestufte Personen.

Der Hersteller W. Redo aus Saarlauten (heute Saarlouis) war einer von mehreren regionalen Produzenten von Abzeichen und Auszeichnungen in der Westmark-Region. Die Herstellung solcher Mitgliedsabzeichen war ein bedeutender Wirtschaftszweig während der NS-Zeit, da zahllose Organisationen, Gliederungen und Verbände eigene Kennzeichen benötigten. Die Verwendung von Emaille war typisch für qualitativ hochwertigere Abzeichen und sollte Langlebigkeit und repräsentativen Charakter gewährleisten.

Technisch gesehen handelt es sich bei diesem Objekt um ein Nadelanstecker mit Emaille-Verzierung. Die Emaille-Technik, bei der Glasfluss auf Metall aufgeschmolzen wird, war Standard für offizielle und halboffizielle Abzeichen der NS-Zeit. Die Beschädigung der Emaille am vorliegenden Exemplar ist typisch für Abzeichen dieser Art, die getragen und über Jahrzehnte aufbewahrt wurden.

Die historische Bedeutung solcher Abzeichen liegt heute vor allem in ihrem Zeugniswert für die NS-Herrschaft in den annektierten Gebieten. Sie dokumentieren die flächendeckende Durchdringung der Gesellschaft mit nationalsozialistischen Organisationen und die Versuche, lokale Identitäten auszulöschen und durch eine reichsdeutsche zu ersetzen. Die Existenz spezifischer Organisationen wie der DVG für Lothringen zeigt, wie das Regime unterschiedliche Strategien für verschiedene annektierte Gebiete entwickelte.

Nach der Befreiung durch alliierte Truppen 1944/45 wurde Elsass-Lothringen wieder französisch. Die Deutsche Volksgemeinschaft Westmark und alle anderen NS-Organisationen wurden aufgelöst. Die Bevölkerung, die während der deutschen Herrschaft vielfach zur Kollaboration gezwungen worden war, stand vor der schwierigen Aufgabe der Reintegration in den französischen Staat. Viele junge Männer aus der Region waren zwangsweise in die Wehrmacht eingezogen worden ("Malgré-nous" - gegen unseren Willen), was zu langanhaltenden Traumata und rechtlichen Problemen führte.

Heute sind Objekte wie dieses Mitgliedsabzeichen wichtige Studienobjekte für Historiker, die die NS-Herrschaft in den annektierten Gebieten erforschen. Sie befinden sich in Museen, Archiven und Privatsammlungen und dienen als materielle Zeugnisse einer dunklen Periode der europäischen Geschichte. Ihr Sammlerwert liegt nicht in einer Glorifizierung der NS-Zeit, sondern in ihrer Funktion als historische Dokumente, die an Unterdrückung, Zwangsgermanisierung und die Leiden der betroffenen Bevölkerung erinnern.