III. Reich - Der Deutsche Automobil Club ( DDAC ) - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Ortsgruppe Berlin Norden-Nordwest 10. Querfeldeinfahrt Schönerlinde 1936 "
Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette des Deutschen Automobil Clubs (DDAC) dokumentiert ein motorsportliches Ereignis aus der Zeit des Dritten Reiches: die 10. Querfeldeinfahrt der Ortsgruppe Berlin Norden-Nordwest in Schönerlinde im Jahr 1936.
Der DDAC wurde 1933 durch die Gleichschaltung des traditionsreichen Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) geschaffen und entwickelte sich zu einer der bedeutendsten nationalsozialistischen Massenorganisationen im Bereich des Kraftfahrwesens. Mit über 1,7 Millionen Mitgliedern im Jahr 1939 diente der DDAC nicht nur der Förderung des Automobilismus, sondern auch der ideologischen Durchdringung der deutschen Kraftfahrerschaft. Der Club stand unter der Schirmherrschaft des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) und war eng mit den verkehrs- und rüstungspolitischen Zielen des Regimes verwoben, insbesondere im Hinblick auf den Bau der Reichsautobahnen und die Motorisierung Deutschlands.
Die Ortsgruppen des DDAC organisierten zahlreiche motorsportliche Veranstaltungen, die sowohl der sportlichen Betätigung als auch der Propaganda dienten. Querfeldeinfahrten oder Geländefahrten waren besonders populäre Veranstaltungsformen in den 1930er Jahren. Diese Wettbewerbe testeten die Geländegängigkeit der Fahrzeuge und das fahrerische Können unter schwierigen Bedingungen. Sie hatten auch einen wehrsportlichen Charakter, da sie die Fähigkeiten schulten, die im militärischen Kontext von Bedeutung sein konnten.
Schönerlinde, heute ein Ortsteil des Berliner Bezirks Pankow, bot mit seiner damals noch ländlichen Umgebung ideale Voraussetzungen für solche Geländefahrten. Die Tatsache, dass es sich bereits um die 10. Querfeldeinfahrt handelte, zeigt die Kontinuität und Beliebtheit dieser Veranstaltungsreihe in der Region Berlin-Nord.
Das Jahr 1936 war für das nationalsozialistische Deutschland von besonderer Bedeutung. Es war das Jahr der Olympischen Spiele in Berlin, die das Regime als Propagandaplattform nutzte, um Deutschland als moderne, fortschrittliche Nation zu präsentieren. Motorsport und Automobilität spielten eine zentrale Rolle in der nationalsozialistischen Selbstdarstellung. Deutsche Rennwagen und Fahrer dominierten internationale Wettbewerbe, und die technologische Überlegenheit der deutschen Automobilindustrie wurde propagandistisch ausgeschlachtet.
Die vorliegende Plakette wurde vom Hersteller Rob. Neff Berlin W.57 gefertigt, einem bekannten Produzenten von Abzeichen, Plaketten und Medaillen in Berlin. Das Material Feinzink war in dieser Zeit typisch für solche Erinnerungsstücke, da es eine kostengünstige Produktion bei gleichzeitig ansprechender Optik ermöglichte. Die Maße von 57 x 84 mm und die vier Bohrungen weisen darauf hin, dass die Plakette zur Befestigung an einem Fahrzeug, möglicherweise am Kühler oder an einer Stoßstange, vorgesehen war.
Solche Teilnehmerplaketten wurden bei motorsportlichen Veranstaltungen der 1920er und 1930er Jahre regelmäßig ausgegeben. Sie dienten einerseits als Startberechtigung und Identifikationsnachweis während der Veranstaltung, andererseits als begehrtes Sammlerobjekt und Erinnerungsstück. Im Gegensatz zu tragbaren Abzeichen, die an der Kleidung befestigt wurden, waren diese nichttragbaren Plaketten speziell für Fahrzeuge konzipiert. Sie dokumentierten die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen und wurden von Automobilisten stolz an ihren Fahrzeugen präsentiert, ähnlich wie moderne Aufkleber oder Plaketten bei Oldtimer-Rallyes.
Die organisatorische Struktur des DDAC in Ortsgruppen spiegelte das hierarchische Prinzip nationalsozialistischer Organisationen wider. Die Ortsgruppe Berlin Norden-Nordwest war für einen bestimmten geografischen Bereich der Reichshauptstadt zuständig und organisierte lokale Aktivitäten, Fahrten und Veranstaltungen. Diese dezentrale Struktur ermöglichte es dem DDAC, eine flächendeckende Präsenz aufzubauen und die Mitglieder eng an die Organisation zu binden.
Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige zeithistorische Dokumente. Sie illustrieren die Durchdringung des Alltagslebens durch nationalsozialistische Organisationen und zeigen, wie Freizeitaktivitäten wie der Motorsport in das ideologische und organisatorische Gefüge des Regimes eingebunden wurden. Gleichzeitig dokumentieren sie die Geschichte des deutschen Motorsports und der Automobilkultur in einer Zeit des raschen technologischen Wandels und der zunehmenden Motorisierung.
Die Erhaltung solcher Artefakte in Sammlungen und Museen dient der historischen Forschung und Bildung. Sie ermöglichen es nachfolgenden Generationen, die materielle Kultur der NS-Zeit zu verstehen und kritisch zu reflektieren, ohne die historischen Zusammenhänge aus dem Blick zu verlieren.