Königreich Bayern 1. Weltkrieg Waffenrock für einen Leutnant im Infanterie-Regiment Wrede

Heimatstandort Würzburg. Um 1914/15. Der Rock aus blauen Tuch mit rotem Stehkragen und roten "brandenburgischen" Aufschlägen, die Knopfleiste mit rotem Vorstoß, messingfarbene Knöpfe, auf den Schultern eingenäht die Schulterstücke für den Leutnant, Form zu Beginn des Krieges mit weißer Tuchunterlage, auf der Brust mit 2 Schlaufen für eine Ordensspange. Innen mit schwarzem Seidenfutter. Ein paar kleine Mottenlöcher. Zustand 2.

Der "bunte Rock" wurde nach Einführung des feldgrauen Rocks (für den Felddienst) noch gelegentlich zu Paraden und für den Heimaturlaub getragen. Erst 1915/16 wurde er durch den Waffenrock (Friedensrock) Modell 1915 offiziell abgelöst. 


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750,00

Königreich Bayern 1. Weltkrieg Waffenrock für einen Leutnant im Infanterie-Regiment Wrede

Der vorliegende Waffenrock eines Leutnants des bayerischen Infanterie-Regiments "Wrede" aus der Zeit um 1914/15 repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der deutschen Militärgeschichte am Übergang vom 19. Jahrhundert zur modernen Kriegsführung des Ersten Weltkriegs. Dieses Uniformstück verkörpert die letzte Phase der traditionellen, farbenprächtigen Militäruniformen, bevor die Realitäten des industrialisierten Krieges eine grundlegende Änderung der Militärbekleidung erzwangen.

Das Infanterie-Regiment "Wrede" (6. Infanterie-Regiment) war eine traditionsreiche Einheit der bayerischen Armee mit Heimatstandort in Würzburg. Benannt nach dem bayerischen Generalfeldmarschall Carl Philipp von Wrede (1767-1838), der sich in den Napoleonischen Kriegen auszeichnete, gehörte das Regiment zur 5. Infanterie-Brigade der 3. königlich-bayerischen Division. Die bayerische Armee bewahrte auch nach der Reichsgründung 1871 ihre Eigenständigkeit innerhalb des deutschen Heeres und pflegte ihre besonderen Traditionen und Uniformierungsvorschriften.

Der hier beschriebene Rock aus blauem Tuch mit rotem Stehkragen und roten "brandenburgischen" Aufschlägen entspricht der traditionellen bayerischen Uniformierung, wie sie in der Adjustierungsvorschrift für die königlich-bayerische Infanterie festgelegt war. Die Farbkombination Blau-Rot war charakteristisch für die bayerische Infanterie und unterschied sie deutlich von den preußischen Regimentern, die in der Regel dunkelblaue Röcke mit verschiedenfarbigen Aufschlägen je nach Regiment trugen. Die "brandenburgischen" Aufschläge – benannt nach den historischen brandenburgisch-preußischen Uniformtraditionen – zeichneten sich durch ihre besondere Form mit nach hinten spitz zulaufenden Ärmelaufschlägen aus.

Die messingfarbenen Knöpfe und die rote Vorstoßlinie entlang der Knopfleiste vervollständigten das traditionelle Erscheinungsbild. Besonders aufschlussreich sind die Schulterstücke für einen Leutnant, die zu Kriegsbeginn noch mit weißer Tuchunterlage gefertigt wurden. Diese weiße Unterlegung der Schulterstücke war typisch für die Friedensuniform und wurde später aus praktischen Gründen durch feldgraue Unterlagen ersetzt. Die beiden Schlaufen auf der Brust zum Tragen einer Ordensspange deuten darauf hin, dass der Träger bereits Auszeichnungen erhalten hatte oder dass der Rock für einen solchen Zweck vorbereitet war.

Der Begriff "bunter Rock" bezog sich auf diese farbenprächtigen traditionellen Uniformen und unterschied sie vom feldgrauen Rock, der ab 1910 schrittweise eingeführt wurde. Die Erkenntnis, dass die bunten Uniformen auf dem modernen Schlachtfeld mit ihren weitreichenden Gewehren und Maschinengewehren eine gefährliche Zielscheibe darstellten, hatte bereits vor dem Ersten Weltkrieg zu Überlegungen geführt. Besonders die Erfahrungen im Burenkrieg (1899-1902) und im Russisch-Japanischen Krieg (1904-1905) hatten gezeigt, dass Tarnung im modernen Krieg überlebenswichtig war.

Die bayerische Armee führte 1910 offiziell den feldgrauen Rock für den Felddienst ein, während der blaue Waffenrock zunächst für Paraden, Wachdienste und den Ausgehanzug beibehalten wurde. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs im August 1914 wurde jedoch schnell deutlich, dass die alten bunten Röcke auf dem Schlachtfeld keinen Platz mehr hatten. Dennoch wurden sie noch bis 1915/16 bei Heimaturlaub, Paraden im Hinterland und zu besonderen Anlässen getragen, wie die historische Beschreibung bestätigt.

Die offizielle Ablösung durch den Waffenrock Modell 1915 markierte das endgültige Ende einer jahrhundertealten Uniformtradition. Der neue Waffenrock war bereits in Feldgrau gehalten und entsprach den Erfordernissen des modernen Krieges. Das schwarze Seidenfutter des vorliegenden Rocks weist auf die hohe Qualität hin, die bei Offiziersröcken üblich war. Offiziere mussten ihre Uniformen selbst beschaffen und beauftragten dafür spezialisierte Militärschneider, die für erstklassige Verarbeitung bekannt waren.

Das Infanterie-Regiment "Wrede" selbst durchlief während des Ersten Weltkriegs zahlreiche Einsätze an verschiedenen Fronten. Die Einheit kämpfte sowohl an der Westfront als auch zeitweise an der Ostfront und erlitt wie alle Infanterieregimenter dieser Zeit schwere Verluste. Die jungen Leutnants, die Röcke wie diesen trugen, gehörten zur Führungsschicht einer Armee, die sich in einem beispiellosen Abnutzungskrieg befand.

Heute sind solche originalen Waffenröcke wichtige militärhistorische Objekte, die nicht nur die Uniformgeschichte dokumentieren, sondern auch ein Fenster in eine Epoche bieten, in der militärische Tradition und moderne Kriegsführung aufeinanderprallten. Die erwähnten kleinen Mottenlöcher zeugen vom Alter des Stücks und sind bei Textilien aus dieser Zeit durchaus üblich. Der angegebene Zustand 2 nach der üblichen Bewertungsskala für militärische Antiquitäten deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, das die mehr als hundert Jahre seit seiner Herstellung bemerkenswert gut überstanden hat.