Kriegsmarine dunkelblaues Schiffchen für Offiziere

Eigentumstück um 1942. Schiffchen aus dunkelblauem Tuch, komplett mit Cellonfaden handgesticktem Hoheitsadler und Bevo-Metallfaden gewebter Kokarde, umlaufend mit goldener Cellonkordel. Innen schwarzes Futter, Größe ca. 58. Leicht Stück in gutem Zustand.
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1.350,00

Kriegsmarine dunkelblaues Schiffchen für Offiziere

Das Schiffchen der Kriegsmarine für Offiziere in dunkelblauem Tuch repräsentiert ein bedeutendes Element der deutschen Marineuniformen während des Zweiten Weltkriegs. Diese Kopfbedeckung, auch als Bordmütze oder Schiffchenmütze bezeichnet, war ein wesentlicher Bestandteil der Dienstkleidung von Marineoffizieren und unterlag strengen Uniformvorschriften.

Die Kriegsmarine, offiziell am 1. Juni 1935 gegründet, löste die Reichsmarine der Weimarer Republik ab und entwickelte ein umfassendes System von Uniformvorschriften. Die Bekleidungsvorschriften für Offiziere wurden in der Anzugordnung für die Kriegsmarine detailliert festgelegt, die regelmäßig aktualisiert wurde. Das Schiffchen war Teil der Arbeitsuniform und wurde an Bord sowie bei bestimmten Landdienstverrichtungen getragen.

Das vorliegende Exemplar aus der Zeit um 1942 zeigt die typischen Merkmale dieser Periode. Der dunkelblaue Tuchmaterial entsprach den offiziellen Farbvorschriften der Kriegsmarine, wobei der spezifische Blauton als “Marineblau” bezeichnet wurde. Die Qualität des Tuches und die Verarbeitung unterschieden sich bei Offiziersausführungen deutlich von denen der Mannschaftsdienstgrade.

Ein besonderes Merkmal ist der mit Cellonfaden handgestickte Hoheitsadler. Der Hoheitsadler, auch Parteiadler genannt, wurde nach 1935 auf allen Wehrmachtsuniformen eingeführt und zeigte einen stilisierten Adler mit ausgebreiteten Schwingen, der ein Hakenkreuz in seinen Fängen hielt. Bei Offiziersmützen wurde dieser Adler traditionell in höherer Qualität ausgeführt als bei Mannschaftsrängen. Die Handstickerei mit Cellonfaden, einem glänzenden Kunstseidenfaden, war charakteristisch für Offiziersuniformen und zeugte von der höheren Wertigkeit dieser Ausstattungsstücke.

Die Bevo-Metallfaden gewebte Kokarde stellte das zweite wichtige Abzeichen dar. Die Firma BeVo (Bandfabrik Ewald Vorsteher) aus Wuppertal war einer der Hauptlieferanten für gewebte Uniformabzeichen der Wehrmacht. Die Kokarde in den Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot wurde mittig auf der Vorderseite des Schiffchens angebracht und war ein traditionelles Symbol, das bis in die Kaiserliche Marine zurückreichte.

Die umlaufende goldene Cellonkordel diente als Rangabzeichen und kennzeichnete das Schiffchen als Offiziersmütze. Diese goldfarbene Kordel, die am unteren Rand der Mütze verlief, unterschied Offiziere deutlich von Unteroffizieren und Mannschaften, die silberfarbene oder gar keine Kordeln trugen. Die Verwendung von Cellon, einem Zelluloid-basierten Material, war während des Krieges üblich, da echtes Goldgespinst zunehmend knapp wurde.

Die Größe 58 entspricht einem Kopfumfang von etwa 58 Zentimetern und war eine gängige Größe. Das schwarze Innenfutter war Standard bei Kriegsmarine-Kopfbedeckungen und diente sowohl praktischen als auch ästhetischen Zwecken. Die Konstruktion des Schiffchens folgte einem bewährten Schnittmuster, das eine flache, längliche Form aufwies und bequem zu tragen sowie einfach zu verstauen war.

Im historischen Kontext von 1942 befand sich die Kriegsmarine in einer Phase intensiver Operationen. Der Atlantikkrieg erreichte einen Höhepunkt, und U-Boote, Überwassereinheiten sowie Hilfskreuzer waren weltweit im Einsatz. Marineoffiziere trugen das Schiffchen typischerweise an Bord von Schiffen während der täglichen Dienstverrichtungen, während für offizielle Anlässe und Landgänge die Schirmmütze vorgeschrieben war.

Die Uniformvorschriften der Kriegsmarine unterschieden zwischen verschiedenen Anzugsarten: Großer Dienstanzug, Kleiner Dienstanzug, Arbeitsanzug und weitere Varianten. Das Schiffchen war primär dem Arbeitsanzug und bestimmten Formen des kleinen Dienstanzugs zugeordnet. Die genaue Trageweise wurde in den Dienstvorschriften präzise geregelt.

Technisch gesehen war die Herstellung solcher Uniformteile in Deutschland während des Krieges einer zunehmenden Standardisierung und Materialeinsparung unterworfen. Dennoch behielten Offiziersausstattungen länger ihre qualitative Hochwertigkeit als Mannschaftsuniformen. Viele Offiziere beschafften ihre Uniformen bei privaten Schneidereien, die nach offiziellen Vorschriften, aber oft mit besseren Materialien arbeiteten.

Der Erhaltungszustand solcher historischen Uniformteile variiert stark. Das beschriebene Exemplar in gutem Zustand mit leichten Gebrauchsspuren entspricht typischen Erwartungen an ein über 80 Jahre altes Textilstück. Die Tatsache, dass Hoheitsadler, Kokarde und Kordel vollständig erhalten sind, ist bemerkenswert, da diese Elemente oft entfernt oder beschädigt wurden.

Aus militärhistorischer Perspektive sind solche Objekte wichtige Zeugnisse der Uniformgeschichte und der materiellen Kultur des Zweiten Weltkriegs. Sie dokumentieren nicht nur militärische Hierarchien und Vorschriften, sondern auch handwerkliche Traditionen, industrielle Fertigungsmethoden und die Alltagsrealität von Marineoffizieren während dieser Periode.