Kriegsmarine feldgrauer Mantel für einen Matrosengefreiten der Küstenartillerie 

Kammerstück, feldgrauer Mantel der Kriegsmarine mit feldgrauem Kragen, komplett mit allen Effekten. Schulterklappen mit Schlaufen, am linken Ärmel das Dienstgradabzeichen, Marineknöpfe getönt. Innen im Nacken die Größenangabe und seitlich mit Reichsbetriebsnummer sowie ein Stempel. Maße: Schulterbreite ca. 49 cm, Armlänge-Außen ca. 69 cm, Gesamtlänge ca. 123 cm. Ein Knopf an der Knopfleiste fehlt, Mantel rückseitig in Gesäßhöhe mit Mottenschäden, Zustand 2.
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800,00

Kriegsmarine feldgrauer Mantel für einen Matrosengefreiten der Küstenartillerie 

Der feldgraue Mantel der Kriegsmarine stellt ein charakteristisches Kleidungsstück der deutschen Marinestreitkräfte während des Zweiten Weltkriegs dar. Dieses spezifische Exemplar gehörte einem Matrosengefreiten der Küstenartillerie und repräsentiert die einzigartige Uniformierung dieser Waffengattung, die zwischen den traditionellen marineblauen Uniformen der Seestreitkräfte und den feldgrauen Uniformen der Wehrmacht vermittelte.

Die Küstenartillerie der Kriegsmarine wurde nach der Wiederbewaffnung Deutschlands in den 1930er Jahren aufgebaut und hatte die Aufgabe, strategisch wichtige Küstenabschnitte, Häfen und Marinestützpunkte gegen feindliche Landungsversuche und Seeangriffe zu verteidigen. Diese Truppe war organisatorisch der Kriegsmarine unterstellt, operierte jedoch hauptsächlich an Land, was die Verwendung feldgrauer statt marineblauer Uniformen rechtfertigte.

Die Uniformordnung der Kriegsmarine vom 1. Oktober 1933, mit späteren Ergänzungen und Änderungen, regelte die Bekleidungsvorschriften für alle Angehörigen der Marine. Für das an Land eingesetzte Personal der Küstenartillerie wurde die Verwendung feldgrauer Mäntel vorgeschrieben, um eine bessere Tarnung im Küstenterrain zu gewährleisten. Der feldgraue Farbton entsprach dabei dem Standard der Wehrmacht, während die Schnittführung und die Ausstattung mit Marineabzeichen die Zugehörigkeit zur Kriegsmarine verdeutlichte.

Die Dienstgradabzeichen am linken Ärmel kennzeichneten den Träger als Matrosengefreiten, den ersten Mannschaftsdienstgrad oberhalb des einfachen Matrosen. Dieses Abzeichen bestand typischerweise aus einem Winkel oder Chevron, der auf feldgrauem Untergrund gestickt war. Die Schulterklappen mit Schlaufen waren ebenfalls feldgrau und trugen keine Sterne, was dem Mannschaftsrang entsprach.

Die verwendeten Marineknöpfe waren charakteristisch für die Kriegsmarine und zeigten das traditionelle Anker-Motiv. Bei diesem Exemplar sind die Knöpfe getönt, was bedeutet, dass sie nicht in der üblichen goldenen oder silbernen Farbe glänzten, sondern matter gehalten waren - eine Maßnahme, die sowohl praktische Gründe (Vermeidung von Reflexionen) als auch material-ökonomische Erwägungen im Kriegsverlauf hatte.

Die im Nacken eingearbeitete Größenangabe folgte dem standardisierten Nummerierungssystem der Wehrmacht und Kriegsmarine. Die Reichsbetriebsnummer (RB-Nummer) gibt Aufschluss über den Herstellungsbetrieb des Mantels. Nach 1934 wurden alle Rüstungsbetriebe mit solchen Nummern versehen, um die Produktionskapazitäten zu koordinieren und die Herkunft der Ausrüstung zu dokumentieren. Die zusätzlichen Stempel dienten der Qualitätskontrolle und Abnahme durch militärische Dienststellen.

Die Maßangaben des Mantels - eine Schulterbreite von etwa 49 cm, eine Ärmellänge von 69 cm und eine Gesamtlänge von 123 cm - entsprechen den Standardgrößen der Kriegsmarine für mittlere Konfektionsgrößen. Der lange Schnitt war typisch für Militärmäntel dieser Epoche und sollte ausreichenden Schutz gegen Wind und Wetter bieten.

Die Küstenartillerie war mit schweren und mittleren Geschützen ausgerüstet und spielte eine wichtige Rolle in der deutschen Küstenverteidigung. Besonders bekannt wurden die schweren Küstenbatterien am Atlantikwall, die von Norwegen bis zur französischen Atlantikküste reichten. Die Soldaten dieser Einheiten trugen ihre feldgrauen Mäntel bei Wachdiensten, Inspektionen und außerhalb der Geschützstellungen.

Der vorliegende Erhaltungszustand mit Mottenschäden im Gesäßbereich und einem fehlenden Knopf ist typisch für Kleidungsstücke, die über mehrere Jahrzehnte hinweg gelagert wurden. Solche Schäden entstanden häufig bei unsachgemäßer Lagerung in feuchten oder ungeschützten Räumen. Dennoch sind alle charakteristischen Merkmale und Effekten erhalten, was dieses Stück zu einem wertvollen Zeugnis der Marineuniformierung macht.

Als Kammerstück bezeichnet man in der militärischen Terminologie persönliche Ausrüstungsgegenstände, die dem einzelnen Soldaten zur individuellen Nutzung überlassen wurden. Der Mantel gehörte zur Grundausstattung jedes Angehörigen der Küstenartillerie und musste bei Versetzungen oder Entlassungen ordnungsgemäß zurückgegeben oder abgerechnet werden.

Heute stellen solche Uniformstücke wichtige Studienobjekte für Militärhistoriker und Museen dar, da sie authentische Einblicke in die Bekleidungsvorschriften, Produktionsbedingungen und den Alltag der Soldaten während des Zweiten Weltkriegs gewähren.