Der vorliegende Nachlass gehört zu den eindrucksvollsten Zeugnissen eines frontbewährten Offiziers der Wehrmacht, der im Verlauf des Zweiten Weltkrieges nahezu ununterbrochen an der Ostfront eingesetzt war. Im Zentrum steht die Heimatuniform von Hauptmann Friedrich Hösl, gefertigt 1942 von der Münchner Militärschneiderei Christian Schwarz & Sohn, ergänzt durch eine beeindruckende Sammlung von Auszeichnungen, Dokumenten und Ausrüstungsgegenständen, die zusammen ein umfassendes Bild eines hochdekorierten Infanterieoffiziers zeichnen.
Friedrich Hösl wurde am 9. Mai 1920 in Füssen am Lech geboren. Nach dem Abitur 1939 leistete er zunächst Dienst im Reichsarbeitsdienst (RAD) bis September 1939, bevor er in die Wehrmacht eintrat. Ab Oktober 1939 diente er ununterbrochen im Infanterie-Regiment 62, das der 7. Infanterie-Division unterstellt war. Diese Division war am 1. Oktober 1934 in München aufgestellt und am 15. Oktober 1935 umbenannt worden. Am 15. Oktober 1942 wurde das Infanterie-Regiment 62 in Grenadier-Regiment 62 umbenannt.
Hösls Kriegsweg lässt sich anhand seiner Auszeichnungen nachvollziehen. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielt er am 24. Juni 1941, wenige Tage nach Beginn des Unternehmens Barbarossa. Das Infanteriesturmabzeichen folgte am 30. November 1941, das Eiserne Kreuz 1. Klasse am 12. Januar 1942. Das Regiment hielt seit dem Winter 1941/42 Stellungen in der Gshatsk-Stellung. Am 3. März 1943 begann der Rückzug auf die Büffelstellung.
Das Jahr 1943 brachte die intensivsten Kampfhandlungen für Hösl. Am 5. Juli 1943 griff die 7. Infanterie-Division im Rahmen der Schlacht um Kursk von Norden an, wobei es zu schweren Nahkämpfen in gut befestigten russischen Stellungen kam. Hösl wurde zum Oberleutnant befördert, diente als Kompaniechef, später als Bataillonsadjutant im Stab des I. Bataillons/Grenadier-Regiment 62 und wurde schließlich zum Bataillonsführer ernannt. Das Verwundetenabzeichen in Schwarz erhielt er am 26. Juli 1943, gefolgt vom Verwundetenabzeichen in Silber bereits am 16. August 1943 – ein Hinweis auf die Schwere der Kämpfe und die Häufigkeit seiner Verwundungen.
Am 3. November 1943 wurde Hösl mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Diese Auszeichnung war am 28. September 1941 von Adolf Hitler gestiftet worden und existierte in zwei Stufen: in Gold für wiederholte Tapferkeitsakte oder herausragende Leistungen im Kampf, in Silber für hervorragende Verdienste außerhalb des Kampfes. Voraussetzung für die Verleihung in Gold war der Besitz des Eisernen Kreuzes 1. Klasse sowie wiederholte individuelle Tapferkeitshandlungen oder anhaltend herausragende Kampfleistungen – als Richtwert galten sechs bis acht solcher Handlungen. Insgesamt wurden schätzungsweise 24.204 Verleihungen des Deutschen Kreuzes in Gold vorgenommen.
Am 20. Dezember 1943 erhielt Hösl sowohl die Nahkampfspange in Bronze als auch die Nahkampfspange in Silber. Die Nahkampfspange in Silber gehört zu den selteneren Auszeichnungen der Wehrmacht: Von den rund 18 bis 20 Millionen Soldaten erhielten nur etwa 36.400 die Bronzestufe, lediglich 9.500 die Silberstufe und nur 631 die Goldstufe.
Am 7. Januar 1944 wurde Hösl im Ehrenblatt des Deutschen Heeres namentlich genannt und erhielt die Ehrenblattspange des Heeres. Diese Auszeichnung setzte den Besitz des Eisernen Kreuzes 1. Klasse 1939 voraus sowie eine Tapferkeitshandlung, die über die Pflicht hinausging, jedoch nicht die Verleihung des Ritterkreuzes rechtfertigte und nicht bereits mit dem Deutschen Kreuz in Gold gewürdigt worden war. Insgesamt wurden 4.556 Ehrenblattspangen an Angehörige des Heeres und der Waffen-SS verliehen. Die Ehrenblattspange war nach ihrer Stiftung im Anschluss an den Einmarsch in die Sowjetunion 1941 bis zum 30. Januar 1944 zunächst nur eine papiergebundene Auszeichnung.
1944 wurde Hösl zum Hauptmann befördert, erlitt jedoch eine schwere Verwundung, bei der ihm das linke Bein amputiert wurde. Dafür erhielt er am 15. Januar 1944 das Verwundetenabzeichen in Gold. Im August 1944 wurde er in die Führungsreserve versetzt, vorgesehen für eine Verwendung als Taktiklehrer an einer Kriegsschule. Am 28. Juli 1945 erfolgte seine Entlassung aus der Wehrmacht durch die Entlassungsstelle des XX. amerikanischen Artillerie-Korps.
Die Feldbluse selbst ist ein elegantes Eigentumsstück in der Ausführung M1942 für Offiziere, gefertigt aus feldgrauem Tuch mit dunkelgrünem Kragen. Der Brustadler ist in Metallfaden handgestickt und per Hand vernäht. Die Schulterklappen tragen die aufgelegten Regimentszahlen „62“ mit weißer Waffenfarbe, die die Zugehörigkeit zur Infanterie kennzeichnet. Das Deutsche Kreuz in Gold ist als Stoffausführung auf der rechten Brustseite per Hand vernäht. Die Fangschnur auf der rechten Schulter kennzeichnet Hösl als Bataillonsadjutant. Innen trägt die Bluse ein steingraues Futter mit gewebtem und gedrucktem Schneideretikett von Christian Schwarz & Sohn München sowie die handschriftliche Trägerbezeichnung „Friedrich Hösl, 11.VI.1942“.
Ergänzt wird der Nachlass durch eine Offiziers-Schirmmütze der Größe 58 mit weißer Waffenfarbe, eine Paradefeldbinde des Heeres im Originalkasten sowie einen Offiziersdolch der Firma F.W. Höller aus Solingen mit dem charakteristischen Thermometer-Markenzeichen.
Nach dem Krieg wurde das Tragen von Auszeichnungen aus der NS-Zeit in Deutschland verboten. 1957 genehmigte die Bundesrepublik Deutschland das Tragen entnazifizierter Ersatzversionen: Beim Deutschen Kreuz wurde das Hakenkreuz durch eine Darstellung des Eisernen Kreuzes ersetzt, bei der Ehrenblattspange des Heeres trat an die Stelle des Hakenkreuzes ein Motiv mit zwei gekreuzten Schwertern.
Dieser Nachlass dokumentiert in seltener Vollständigkeit die Laufbahn eines jungen bayerischen Offiziers, der innerhalb weniger Kriegsjahre vom einfachen Soldaten zum Hauptmann und Bataillonsführer aufstieg und dabei zu den am höchsten dekorierten Frontoffizieren seines Regiments gehörte.