Der vorliegende Nachlass des Feldwebel Christfried Beckert vereint drei bedeutende militärische Auszeichnungen des Zweiten Weltkriegs samt zugehörigen Dokumenten und bildet damit ein bemerkenswertes Zeugnis der Ordenspraxis des nationalsozialistischen Deutschlands. Die Sammlung umfasst das Deutsche Kreuz in Gold, das Eiserne Kreuz 1. Klasse 1939 sowie das Eiserne Kreuz 2. Klasse 1939 – drei Dekorationen, die in ihrer Gesamtheit den Aufstieg eines Frontunteroffiziers durch die militärische Auszeichnungshierarchie dokumentieren.
Das Deutsche Kreuz in Gold – Entstehung und Bedeutung
Das Deutsche Kreuz in Gold wurde am 28. September 1941 von Adolf Hitler gestiftet, um eine empfundene Lücke im Auszeichnungssystem zwischen dem Eisernen Kreuz 1. Klasse und dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes zu schließen. Es avancierte zur zweithöchsten Kampfauszeichnung des Deutschen Reiches und wurde an Soldaten verliehen, die wiederholt tapfere Handlungen oder herausragende Leistungen im Kampf vollbracht hatten – als Richtwert galten sechs bis acht solcher Taten. Voraussetzung für die Verleihung war der vorherige Besitz des Eisernen Kreuzes 1. Klasse 1939, der Spange zum Eisernen Kreuz 1. Klasse 1914 oder des Kriegsverdienstkreuzes 1. Klasse mit Schwertern. Es existierten zwei Abteilungen des Deutschen Kreuzes – in Gold und in Silber –, wobei die goldene Variante für Kampfverdienste vorgesehen war.
Das vorliegende Exemplar stammt aus der schweren Fertigung der Firma C.F. Zimmermann, Pforzheim, einem der bekannten Hersteller dieser Auszeichnung. In seiner physischen Form handelt es sich um ein achtzackiges Bruststern-Abzeichen mit einem Durchmesser von etwa 63 mm. Die Konstruktion besteht aus fünf separaten Teilen: einer zentralen schwarz emaillierten Darstellung auf einer Silberscheibe mit rot emailliertem Rand, umgeben von einem goldenen Lorbeerkranz mit der Jahreszahl 1941, getragen von acht geschwärzten Strahlenzacken. Die schwere Version von Zimmermann wiegt typischerweise zwischen 60 und 70 Gramm. Auf der Rückseite finden sich vier Nieten sowie die Herstellerkennung «20», der Fertigungscode für C.F. Zimmermann in Pforzheim. Die Emaille des vorliegenden Stückes zeigt Beschädigungen, und der Verschlusshaken wurde repariert – Gebrauchsspuren, die auf eine tatsächliche Tragegeschichte im Feld hindeuten.
Die erste Verleihung des Deutschen Kreuzes in Gold erfolgte am 18. Oktober 1941, die letzte am 10. März 1945. Unter den Trägern befanden sich unter anderem Claus von Stauffenberg (verliehen am 8. Mai 1943) und Hans von Luck. Bemerkenswert ist, dass auch 124 U-Boot-Kommandanten und etwa 26 nicht-deutsche Freiwillige der Waffen-SS diese Auszeichnung erhielten. Aufgrund seiner beträchtlichen Größe und markanten Erscheinung wurde das Deutsche Kreuz von manchen Offizieren scherzhaft als «Hitlers Spiegelei» bezeichnet.
Das Eiserne Kreuz 1939 – Tradition und Neuinstitution
Das Eiserne Kreuz wurde am 1. September 1939 von Adolf Hitler neu gestiftet und knüpfte damit an die Tradition der ursprünglichen preußischen Dekoration von 1813 an, allerdings mit nationalsozialistischer Symbolik modifiziert. Es wurde in zwei Standardklassen verliehen. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde für individuelle Tapferkeit vor dem Feind oder Handlungen über die Pflicht hinaus verliehen; das Eiserne Kreuz 1. Klasse setzte drei bis fünf Tapferkeitshandlungen im Kampf sowie den vorherigen Besitz der 2. Klasse voraus.
Das Eiserne Kreuz 1. Klasse in diesem Nachlass besitzt einen nicht-magnetischen Kern und einen reparierten Haken. Es wurde als Ansteckkreuz auf der linken Brust getragen. Die Vorderseite trägt die Jahreszahl 1939 am unteren Arm und ein zentrales Hakenkreuz, die Rückseite die Jahreszahl 1813 in Erinnerung an die ursprüngliche Stiftung. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse mit Eisenkern wird am Band getragen.
Der Empfänger und sein Regiment
Feldwebel Beckert diente bei der 8. (Maschinengewehr-)Kompanie des Infanterie-Regiments 26, das der 30. Infanterie-Division angehörte. Das Regiment wurde 1934 in Flensburg als Infanterie-Regiment Flensburg aufgestellt und am 15. Oktober 1935 in I.R.26 umbenannt. Ab Oktober 1936 war es der 30. Infanterie-Division zugeteilt. Das Regiment diente an der Ostfront während des Unternehmens Barbarossa (1941) und in späteren Feldzügen. Am 10. Dezember 1942 wurde es in Füsilier-Regiment 26 umbenannt und im Oktober 1944 während des Baltikumfeldzuges aufgelöst.
Die begleitenden Dokumente erlauben eine Rekonstruktion von Beckerts Auszeichnungschronologie: Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde ihm am 23. August 1941 verliehen – in den ersten Wochen des Ostfeldzuges. Die 1. Klasse folgte am 24. März 1942. Das Vorläufige Besitzzeugnis zum Deutschen Kreuz in Gold, unterzeichnet von Keitel, datiert vom 15. Januar 1943. Diese zeitliche Abfolge dokumentiert eine stetige Anerkennung anhaltender Kampfleistungen über einen Zeitraum von knapp anderthalb Jahren. Sämtliche Dokumente weisen Faltungen, Lochungen und Beschnitt auf.
Nachkriegsgeschichte und Sammlerrelevanz
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Tragen von Auszeichnungen mit Hakenkreuz-Symbolen in Deutschland verboten. 1957 autorisierte die Bundesrepublik Deutschland entnazifizierte Ersatzversionen: Beim Deutschen Kreuz in Gold wurde das Hakenkreuz durch eine Darstellung des Eisernen Kreuzes ersetzt. Das Eiserne Kreuz selbst wurde – und bleibt – das Hoheitszeichen der Bundeswehr. Das Deutsche Kreuz wurde nach 1945 nie wieder verliehen; eine 1942 gefertigte Version mit Brillanten wurde nie offiziell eingeführt. Drei Exemplare befinden sich heute in der Sammlung des Museums von West Point.
Der Nachlass Beckert ist in seiner Vollständigkeit – drei aufeinander aufbauende Kampfauszeichnungen mit korrespondierenden Verleihungsdokumenten – ein aussagekräftiges Ensemble, das den Aufstieg durch die Auszeichnungshierarchie der Wehrmacht auf eindrückliche Weise nachvollziehbar macht.