Frankreich Bézard-Kompass Kleines Modell für die französische Armee

Um 1930. Im Etui. Zustand 2.

Eine umfassende Beschreibung finden Sie hier: https://www.compassmuseum.com/hand/bezard_d.htm#MEXICO

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75,00

Frankreich Bézard-Kompass Kleines Modell für die französische Armee

Der Bézard-Kompass stellt einen bedeutenden Meilenstein in der Geschichte der französischen militärischen Navigationsinstrumente des frühen 20. Jahrhunderts dar. Dieses präzise Orientierungsgerät wurde speziell für die Bedürfnisse der französischen Armee entwickelt und fand ab den 1920er Jahren weite Verbreitung bei Offizieren und Spezialeinheiten.

Der Kompass trägt den Namen seines Erfinders, Capitaine Bézard, einem französischen Offizier, der in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg an der Verbesserung militärischer Navigationsinstrumente arbeitete. Die französische Armee erkannte nach den Erfahrungen des Grabenkrieges 1914-1918 die Notwendigkeit präziser, robuster und benutzerfreundlicher Kompasse für die taktische Orientierung im Gelände.

Das kleine Modell des Bézard-Kompasses, das um 1930 produziert wurde, war eine kompaktere Variante des Standardmodells. Es zeichnete sich durch seine handliche Größe aus, die es besonders für Offiziere geeignet machte, die ein leichtes und transportables Navigationsinstrument benötigten. Im Gegensatz zu größeren Vermessungskompassen war dieses Modell für den schnellen Einsatz im Feld konzipiert.

Die technische Konstruktion des Bézard-Kompasses war für seine Zeit bemerkenswert fortschrittlich. Das Instrument verfügte über eine Flüssigkeitsdämpfung, die ein schnelles Einschwingen der Kompassnadel ermöglichte – eine wesentliche Verbesserung gegenüber älteren Trockenkompass-Modellen. Die Gradeinteilung erfolgte nach dem in Frankreich üblichen Artillerie-System mit 6400 Strich (millièmes), was präzise Winkelmessungen für die Artillerieberechnung ermöglichte. Zusätzlich waren oft auch die traditionellen 360-Grad-Markierungen vorhanden.

Das mitgelieferte Etui aus Leder schützte das empfindliche Instrument vor Witterungseinflüssen und mechanischen Beschädigungen. Es war typischerweise so gestaltet, dass es am Gürtel oder an der Uniformjacke befestigt werden konnte, was einen schnellen Zugriff im Einsatz gewährleistete.

Die französische Armee der Zwischenkriegszeit befand sich in einer Phase der Reorganisation und Modernisierung. Nach dem Ersten Weltkrieg musste das Militär seine Ausrüstung und Taktiken an die Lehren des Konflikts anpassen. Navigationsinstrumente wie der Bézard-Kompass wurden zu Standardausrüstung für Offiziere, insbesondere bei der Infanterie, Kavallerie und Artillerie.

Der Zeitraum um 1930 war auch geprägt von der Entwicklung der Maginot-Linie und einer verstärkten Fokussierung auf defensive Strategien. Dennoch erkannte die französische Militärführung die Bedeutung präziser Navigation für offensive Operationen und Aufklärungsmissionen. Der Bézard-Kompass wurde daher nicht nur in Frankreich selbst, sondern auch in den französischen Kolonien in Nordafrika, Indochina und anderen überseeischen Territorien eingesetzt.

Die Produktion des Bézard-Kompasses erfolgte durch spezialisierte französische Hersteller von optischen und Präzisionsinstrumenten. Die Qualitätskontrolle war streng, da die Zuverlässigkeit dieser Instrumente im Ernstfall von entscheidender Bedeutung sein konnte. Jedes Exemplar wurde einzeln geprüft und kalibriert, bevor es an die Truppe ausgegeben wurde.

Während des Zweiten Weltkrieges blieb der Bézard-Kompass weiterhin in Gebrauch, sowohl bei den französischen Streitkräften in der Anfangsphase des Konflikts als auch später bei den Forces Françaises Libres unter General de Gaulle und der Résistance. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs 1940 wurden viele dieser Kompasse von deutschen Truppen erbeutet und teilweise weiterverwendet.

Nach dem Krieg wurde der Bézard-Kompass durch modernere Modelle ersetzt, behielt aber bei Sammlern und Militärhistorikern seinen Wert. Heute sind gut erhaltene Exemplare, besonders im Originaletui, gesuchte Sammlerstücke, die einen Einblick in die französische Militärgeschichte der Zwischenkriegszeit bieten.

Die Erhaltung im Zustand 2 deutet auf ein Exemplar hin, das leichte Gebrauchsspuren aufweist, aber funktional intakt und von guter Qualität ist. Solche Stücke dokumentieren nicht nur die technische Entwicklung militärischer Ausrüstung, sondern auch die praktische Verwendung durch französische Soldaten in einer entscheidenden Epoche der europäischen Geschichte.