Frankreich Säbel Model 1829 für Offiziere der berittenen Artillerie in Luxusausführung für einen hohen Offizier in der Zeit des Bürgerkönigs Louis-Philippe
Gesamtlänge 98 cm.
Der französische Offizierssäbel Modell 1829 für die berittene Artillerie repräsentiert eine bedeutende Epoche in der französischen Militärgeschichte, die eng mit der Herrschaft des Bürgerkönigs Louis-Philippe (1830-1848) verbunden ist. Dieses prachtvolle Exemplar verkörpert nicht nur militärische Funktionalität, sondern auch den repräsentativen Anspruch hoher Offiziersränge während der Julimonarchie.
Die berittene Artillerie (Artillerie à cheval) nahm im französischen Heer eine besondere Stellung ein. Diese Waffengattung, die ihre Blütezeit unter Napoleon I. erlebte, kombinierte die Feuerkraft der Artillerie mit der Beweglichkeit der Kavallerie. Nach den Napoleonischen Kriegen und der Restauration der Bourbonen wurde die französische Armee grundlegend reorganisiert, wobei die Ausrüstung und Bewaffnung modernisiert und standardisiert wurden.
Das Modell 1829 stellte eine Weiterentwicklung früherer Säbelmodelle dar und wurde speziell für Offiziere der berittenen Artillerie konzipiert. Die geschwungene Klinge mit rundem Rücken und Hohlbahn entsprach den taktischen Anforderungen der Zeit und bot sowohl Schnitt- als auch Stichfähigkeit. Die Verwendung von Damaszenerstahl bei diesem Exemplar weist auf eine besondere Qualitätsstufe hin, die über die standardmäßige Reglementsausführung hinausging.
Die Signatur “Lepage” auf der Klinge ist von außerordentlicher Bedeutung. Die Familie Lepage gehörte zu den renommiertesten Waffenschmieden Frankreichs. Jean Lepage hatte bereits im 18. Jahrhundert den Ruf der Familie begründet, doch sein Neffe Pierre-Nicolas Boutet de Lepage erhob die Werkstatt zu königlichem Ruhm. Die Bezeichnung “Arq. du Roi” (Arquebusier du Roi - Königlicher Büchsenmacher) war ein Ehrentitel, der nur den bedeutendsten Waffenmanufakturen verliehen wurde. Diese Werkstätten belieferten den königlichen Hof und hohe Militärs mit Luxuswaffen höchster Qualität.
Die vergoldete Messingmontierung mit feiner Ziselierung zeigt die handwerkliche Meisterschaft der Pariser Waffenschmiede. Besonders bemerkenswert ist die Lilie auf der Knaufkappe, das traditionelle Symbol des französischen Königshauses. Unter Louis-Philippe, einem Angehörigen der Orléans-Linie, wurde die Lilie weiterhin als Herrschaftssymbol verwendet, wenngleich der Bürgerkönig seinen Thron dem Volk und nicht dem Gottesgnadentum verdankte. Die Lilie auf diesem Säbel unterstreicht die Verbindung zwischen Militär und Monarchie.
Der Horngriff mit vergoldeter Drahtwicklung war typisch für hochwertige Offizierssäbel dieser Periode. Horn bot einen sicheren Griff auch unter schwierigen Bedingungen und ließ sich elegant verarbeiten. Die Drahtwicklung, meist aus vergoldetem Messing oder Bronze, diente nicht nur der Ästhetik, sondern verhinderte auch das Abrutschen der Hand im Gefecht.
Die blanke Stahlscheide mit zwei Ringbändern und beweglichen Trageringen entsprach der militärischen Funktionalität. Offiziere der berittenen Artillerie trugen ihre Säbel am Bandelier oder Koppel, wobei die Trageringe eine flexible Anpassung ermöglichten. Im Gegensatz zu Infanterieoffizieren, die oft Lederscheiden bevorzugten, war für berittene Truppen die robuste Stahlscheide praktischer.
Die Zeit Louis-Philippes war geprägt von innenpolitischen Spannungen und außenpolitischen Herausforderungen. Die Eroberung Algeriens ab 1830 beschäftigte große Teile der französischen Armee. Offiziere der berittenen Artillerie spielten in diesen Kolonialkriegen eine wichtige Rolle, ebenso wie bei der Niederschlagung innerer Unruhen während der sozialen Konflikte der 1830er und 1840er Jahre.
Luxussäbel wie das vorliegende Exemplar waren nicht nur Kampfwaffen, sondern auch Statussymbole und Zeichen militärischer Ehre. Hohe Offiziere ließen sich häufig private Waffen bei renommierten Herstellern anfertigen, die zwar den Reglementsvorschriften entsprachen, aber durch kostbare Materialien und kunstvolle Verzierungen ihren Rang und Wohlstand demonstrierten.
Die florale Vergoldung auf der Klinge war ein beliebtes dekoratives Element der Epoche und zeugt von der romantischen Ästhetik, die auch in der Julimonarchie gepflegt wurde. Die Verbindung von militärischer Strenge und künstlerischer Eleganz war charakteristisch für die französische Offizierswaffenkultur des 19. Jahrhunderts.
Heute sind solche Säbel bedeutende militärhistorische Zeugnisse, die Einblick in die Sozial- und Kulturgeschichte des Offizierskorps geben. Sie dokumentieren nicht nur die Waffenentwicklung, sondern auch die gesellschaftliche Stellung des Militärs in der nachnapoleonischen Ära und die fortbestehende Bedeutung traditioneller Symbolik in einer Zeit des politischen Wandels.