Geschichte des Infanterie-Regiments Graf Barfuß (4. Westfälischen) Nr. 17 im neunzehnten Jahrhundert,
Die Regimentsgeschichte des Infanterie-Regiments Graf Barfuß (4. Westfälischen) Nr. 17, veröffentlicht im Jahre 1906 beim renommierten Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn in Berlin, stellt ein bedeutendes Beispiel der preußisch-deutschen militärhistorischen Literatur des späten Kaiserreichs dar. Diese 311 Seiten umfassende Publikation dokumentiert die Entwicklung und militärische Geschichte des Regiments während des gesamten 19. Jahrhunderts, einer Epoche tiefgreifender Umwälzungen in der europäischen Militärgeschichte.
Das Infanterie-Regiment Nr. 17 gehörte zu den traditionsreichen Verbänden der preußischen Armee und trug den Ehrennamen Graf Barfuß nach dem preußischen General Friedrich Ludwig Karl Graf von Barfuß (1731-1801), der während der Schlesischen Kriege und der Revolutionskriege gedient hatte. Als 4. Westfälisches Regiment war es in der Provinz Westfalen stationiert und rekrutierte seine Mannschaften vornehmlich aus dieser Region.
Der Verlag Mittler und Sohn, gegründet 1789, etablierte sich im 19. Jahrhundert als führender deutscher Militärverlag. Das Verlagshaus in Berlin spezialisierte sich auf militärwissenschaftliche Literatur, Regimentsgeschichten, Dienstvorschriften und kriegsgeschichtliche Werke. Die von Mittler verlegten Regimentsgeschichten folgten einem standardisierten Format, das narrative Darstellungen mit dokumentarischem Material, Bildnissen bedeutender Regimentsangehöriger, Uniformdarstellungen und kartographischen Materialien kombinierte.
Die hier beschriebene Ausgabe verfügt über einen Halbleineneinband, eine für militärische Fachliteratur jener Zeit typische, zweckmäßige Bindeart. Der Einband kombiniert Leinen am Rücken mit Pappdeckeln, die häufig mit militärischen Motiven oder dem Regimentswappen verziert waren. Diese robuste Bindung sollte die intensive Nutzung in Offizierskasinos, Regimentsbibliotheken und durch historisch interessierte Militärs gewährleisten.
Das 19. Jahrhundert, das den zeitlichen Rahmen dieser Regimentsgeschichte bildet, umfasst für das Regiment bedeutende militärische Ereignisse: die Befreiungskriege gegen Napoleon (1813-1815), die Revolutionsjahre 1848/49, den Deutschen Krieg von 1866 gegen Österreich sowie den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, der zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs führte. Regimentsgeschichten dokumentierten akribisch die Gefechte, Märsche, Standorte und organisatorischen Veränderungen über diese turbulente Epoche hinweg.
Die enthaltene große Klappkarte diente vermutlich der geographischen Veranschaulichung von Feldzügen, Gefechtsorten oder Garnisonswechseln. Solche Karten waren wesentliche Bestandteile militärhistorischer Publikationen und ermöglichten es dem Leser, die räumlichen Dimensionen militärischer Operationen nachzuvollziehen. Die Bildnisse zeigten üblicherweise Regimentskommandeure, verdiente Offiziere oder den Namensgeber des Regiments, während die Abbildungen Uniformentwicklungen, Fahnen, Ausrüstungsgegenstände oder bedeutende Schlachtmomente darstellten.
Das Erscheinungsjahr 1906 fällt in eine Phase verstärkter Beschäftigung mit der eigenen Militärgeschichte im Deutschen Kaiserreich. Unter Kaiser Wilhelm II. erlebte die Pflege militärischer Traditionen eine Blütezeit. Regimentsgeschichten dienten nicht nur der historischen Dokumentation, sondern auch der Identitätsstiftung und Traditionspflege innerhalb der Truppenverbände. Sie wurden bei Regimentsjubiläen präsentiert, an verdiente Offiziere überreicht und in Militärbibliotheken gesammelt.
Der Zustand 2 nach antiquarischer Bewertungsskala deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit geringen Gebrauchsspuren hin. Für ein über 115 Jahre altes Buch ist dies bemerkenswert und spricht für sorgfältige Aufbewahrung, möglicherweise in einer Regiments- oder Privatbibliothek.
Solche Regimentsgeschichten sind heute wertvolle Quellen für die Militärgeschichtsforschung. Sie bieten detaillierte Einblicke in Organisation, Alltag und Kampfeinsätze preußischer Infanterieregimenter. Für Uniformkundler, Genealogen und Regionalhistoriker stellen sie unverzichtbare Referenzwerke dar. Die Verbindung von narrativer Geschichtsschreibung und dokumentarischem Material macht sie zu wichtigen Zeugnissen preußisch-deutscher Militärkultur des 19. Jahrhunderts.