Großherzogtum Hessen Kavallerie Extradegen (KD) 89 für einen Angehörigen im Leib-Dragoner-Regiment (2. Großherzoglich Hessisches) Nr. 24 .

Standort Darmstadt. Eigentumsstück, um 1910. Beidseitig geätzte Klinge mit Hohlkehle, terzseitig Reiterszene und quartseitig "Hess. Leib Drag. Regt. No. 24" in der Kartusche, auf Fehlschärfe Markierung des Herstellers "P.D.L." (P.D. Lüneschloss), die vernickelte Klinge leicht vernarbt. Starres Gefäß mit hessischem Löwen, schwarzer Kunststoffgriff. Das Griffstück zum Knauf hin gesprungen, das Gefäß mit Resten der Vernicklung, etwas korrodiert. Schwarz lackierte Stahlscheide mit einem starren Tragering, mit stärkeren Tragespuren, Zustand 2-3 .
280232
1.150,00

Großherzogtum Hessen Kavallerie Extradegen (KD) 89 für einen Angehörigen im Leib-Dragoner-Regiment (2. Großherzoglich Hessisches) Nr. 24 .

Das Leib-Dragoner-Regiment (2. Großherzoglich Hessisches) Nr. 24 repräsentiert einen bedeutenden Teil der militärischen Tradition des Großherzogtums Hessen im späten Kaiserreich. Der hier vorliegende Kavallerie-Extradegen (KD) 89 verkörpert die standardisierte Bewaffnung der deutschen Kavallerie in der Zeit um 1910 und dokumentiert gleichzeitig die regionale Identität hessischer Kavallerieeinheiten.

Das Regiment wurde ursprünglich im Jahr 1813 als Garde-Chevaulegers-Regiment aufgestellt und entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer der prestigeträchtigsten Kavallerieeinheiten des Großherzogtums. Im Jahr 1871, nach der Reichsgründung, erhielt es die Bezeichnung Leib-Dragoner-Regiment (2. Großherzoglich Hessisches) Nr. 24 in der einheitlichen Nummerierung des deutschen Heeres. Der Regimentsstab befand sich in Darmstadt, der Residenzstadt der großherzoglichen Familie.

Der Kavallerie-Extradegen Modell 1889 wurde durch die Allerhöchste Kabinettsorder vom 6. Januar 1891 offiziell für die gesamte deutsche Kavallerie eingeführt. Diese Waffe löste die zuvor verwendeten unterschiedlichen Säbeltypen ab und sollte eine Vereinheitlichung der Kavalleriebewaffnung schaffen. Der Begriff “Extradegen” bezieht sich darauf, dass diese Waffe auf eigene Kosten des Offiziers oder Unteroffiziers beschafft werden musste - sie war also ein Eigentumsstück und kein Armeebestand.

Die Klinge des vorliegenden Exemplars zeigt charakteristische Merkmale dieser Zeit: Die beidseitige Ätzung mit Hohlkehle diente nicht nur der Gewichtsreduzierung, sondern auch der dekorativen Gestaltung. Die terzseitige Reiterszene war ein typisches Motiv, das die Waffengattung symbolisierte, während die quartseitige Inschrift "Hess. Leib Drag. Regt. No. 24" in einer Kartusche die regimentale Zugehörigkeit dokumentierte. Die Markierung "P.D.L." auf der Fehlschärfe identifiziert den Hersteller als P.D. Lüneschloss, einen renommierten Solinger Waffenproduzenten, der für die Qualität seiner Klingen bekannt war.

Das starre Gefäß mit dem hessischen Löwen ist ein besonderes Kennzeichen dieser regionalen Variante. Der hessische Löwe, das Wappentier des Großherzogtums, unterstrich die landesherrliche Tradition und die besondere Stellung des Regiments als Leibregiment. Die ursprüngliche Vernicklung des Gefäßes und der Klinge entsprach den Vorschriften für Extrawaffen dieser Periode und unterschied sie von den vergoldeten oder vermessingten Gefäßen anderer Waffentypen.

Der schwarze Kunststoffgriff stellt eine interessante technologische Entwicklung dar. Um 1910 begannen moderne Materialien wie Ebonit oder Galalith die traditionellen Holz- oder Horngriffe zu ersetzen. Diese Materialien waren witterungsbeständiger und formstabiler, was für den militärischen Einsatz von Vorteil war.

Die schwarze Stahlscheide mit starrem Tragering entsprach der Standardausführung für Kavalleriedegen dieser Zeit. Die starre Aufhängung ermöglichte ein schnelles Ziehen der Waffe zu Pferd und verhinderte ein störendes Pendeln beim Reiten. Die Lackierung diente dem Korrosionsschutz, war aber den erheblichen Belastungen des täglichen Dienstes ausgesetzt.

Das Leib-Dragoner-Regiment Nr. 24 war bis 1918 aktiv und nahm am Ersten Weltkrieg teil. Die Dragoner, ursprünglich als berittene Infanterie konzipiert, hatten sich im 19. Jahrhundert zu einer vielseitigen Kavallerieart entwickelt, die sowohl im Gefecht zu Pferd als auch abgesessen kämpfen konnte. Nach dem Krieg und der Auflösung der Monarchie wurde das Regiment wie alle deutschen Kavallerieeinheiten aufgelöst.

Extrawaffen wie der vorliegende Degen sind heute wichtige militärhistorische Dokumente. Sie belegen nicht nur die technische Entwicklung der Bewaffnung, sondern auch die soziale Struktur des Offizierskorps, die persönliche Bindung an die Einheit und die regionalen Besonderheiten innerhalb des deutschen Heeres. Die individuellen Gebrauchsspuren erzählen von jahrelangem Dienst und machen jedes Stück zu einem einzigartigen historischen Zeugnis.