III. Reich - Tag der Deutschen Seefahrt 25.-26.5.1935 - Seefahrt ist Not 

Aluminiumabzeichen, an Nadel, Hersteller : Paul Schulze & Co. Lübeck, Zustand 2.
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40,00

III. Reich - Tag der Deutschen Seefahrt 25.-26.5.1935 - Seefahrt ist Not 

Das Tag der Deutschen Seefahrt-Abzeichen vom 25.-26. Mai 1935 mit der Aufschrift “Seefahrt ist Not” repräsentiert ein bedeutendes Kapitel in der maritimen Propaganda des Dritten Reiches. Dieses Aluminiumabzeichen, hergestellt von Paul Schulze & Co. in Lübeck, dokumentiert die systematischen Bemühungen des nationalsozialistischen Regimes, das Bewusstsein für die deutsche Seefahrt in der Bevölkerung zu stärken und maritime Traditionen für politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Der Tag der Deutschen Seefahrt wurde ab 1933 jährlich begangen und sollte die Bedeutung der Handelsschifffahrt und Marine für Deutschland unterstreichen. Das Jahr 1935 markierte einen besonders wichtigen Zeitpunkt in der deutschen Marinepolitik: Am 16. März 1935 hatte Adolf Hitler die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht verkündet und damit den Versailler Vertrag offen gebrochen. Wenige Wochen später, am 18. Juni 1935, wurde das deutsch-britische Flottenabkommen unterzeichnet, das Deutschland erlaubte, eine Kriegsmarine von bis zu 35 Prozent der Tonnage der Royal Navy aufzubauen.

Die Losung “Seefahrt ist Not” (Seefahrt ist Notwendigkeit) verweist auf die geopolitische Situation Deutschlands als kontinentale Macht mit begrenztem Zugang zu den Weltmeeren. Diese Formulierung knüpfte an ältere maritime Traditionen an und betonte die wirtschaftliche Abhängigkeit Deutschlands vom Seehandel. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte Deutschland seine Kolonien und einen Großteil seiner Handelsflotte verloren. Die NS-Propaganda nutzte diese historische Erfahrung, um die “Notwendigkeit” einer starken deutschen Seefahrt zu begründen.

Der Hersteller Paul Schulze & Co. aus Lübeck war eine etablierte Firma für Metallwaren und Abzeichen. Lübeck selbst, als bedeutende Hansestadt mit langer maritimer Tradition, war ein symbolisch passender Produktionsort für solche Abzeichen. Die Verwendung von Aluminium als Material war typisch für die Zeit und ermöglichte eine kostengünstige Massenproduktion. Diese Abzeichen wurden häufig als Spendenabzeichen verkauft, wobei die Erlöse verschiedenen maritimen Zwecken oder der Winterhilfe zugutekamen.

Solche Veranstaltungsabzeichen erfüllten mehrere Funktionen im NS-Staat: Sie dienten der Massenmobilisierung, der Spendensammlung und vor allem der ideologischen Durchdringung des Alltags. Wer ein solches Abzeichen trug, demonstrierte öffentlich seine Unterstützung für die Ziele des Regimes. Die Tage der Deutschen Seefahrt waren Teil eines umfassenden Kalenders von NS-Feier- und Gedenktagen, die das Jahr strukturierten und die Bevölkerung kontinuierlich in das ideologische System einbanden.

Die maritime Propaganda des Dritten Reiches stand auch im Zusammenhang mit den Ambitionen von Großadmiral Erich Raeder, dem damaligen Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, der den Aufbau einer Hochseeflotte anstrebte. Der Z-Plan, der ab 1938 entwickelt wurde, sah den Bau einer gewaltigen Schlachtflotte vor, die mit der Royal Navy konkurrieren sollte. Diese Planungen zeigen, dass die maritimen Ambitionen weit über die Propaganda hinausgingen.

Aus sammlerischer und historischer Perspektive sind solche Abzeichen heute wichtige Zeitdokumente. Sie illustrieren die Allgegenwart der NS-Propaganda im Alltagsleben und die Verbindung von maritimer Tradition mit nationalsozialistischer Ideologie. Die Erhaltung und wissenschaftliche Dokumentation solcher Objekte ist wichtig für die historische Forschung und Bildung, auch wenn ihr Kontext kritisch reflektiert werden muss.

Das konkrete Abzeichen vom Mai 1935 fällt in eine Phase intensiver Aufrüstung und zunehmender internationaler Spannungen. Die Veranstaltung selbst umfasste typischerweise Paraden, Ansprachen, Flottenbesuche und andere maritime Aktivitäten in den deutschen Küstenstädten. Die zweitägige Dauer ermöglichte ein umfangreiches Programm zur Popularisierung der deutschen Seefahrt.

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