Königreich Italien 2. Weltkrieg, Ehrenmedaille der italienischen Mutter 

9 Schleifen, am Band, Abzeichen mit Aufschrift "Unione Fascista Famiglie Numerose", mit Verleihungstüte. Tüte ist beschädigt, Zustand 2.
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80,00

Königreich Italien 2. Weltkrieg, Ehrenmedaille der italienischen Mutter 

Die Medaglia della Madre Italiana (Ehrenmedaille der italienischen Mutter) stellt eine der bemerkenswertesten Auszeichnungen des faschistischen Italiens während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese Ehrung wurde von der Unione Fascista Famiglie Numerose (Faschistische Vereinigung Kinderreicher Familien) verliehen, einer Organisation, die eng mit dem Bevölkerungswachstumsprogramm des faschistischen Regimes verbunden war.

Das vorliegende Exemplar zeichnet sich durch neun Schleifen aus, was auf eine außergewöhnlich hohe Kinderzahl hindeutet. Im System der faschistischen Familienauszeichnungen entsprach jede Schleife in der Regel einem oder mehreren Kindern, wobei die genaue Zuordnung im Laufe der Zeit variierte. Die neun Schleifen repräsentieren somit eine Familie mit mindestens neun Kindern, was im Kontext der faschistischen Bevölkerungspolitik als besondere Leistung für das Vaterland galt.

Historischer Kontext und Bevölkerungspolitik

Benito Mussolini betrachtete das Bevölkerungswachstum als entscheidend für Italiens Stellung als Großmacht. Ab den 1920er Jahren initiierte das faschistische Regime eine aggressive Bevölkerungspolitik mit dem Ziel, die italienische Bevölkerung bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts auf 60 Millionen zu steigern. Die “Battaglia demografica” (Demografische Schlacht) wurde zu einem zentralen Bestandteil der faschistischen Ideologie.

Die Unione Fascista Famiglie Numerose wurde als Teil dieser Initiative gegründet. Sie sollte kinderreiche Familien organisieren, unterstützen und öffentlich würdigen. Die Organisation verlieh verschiedene Auszeichnungen an Mütter, die durch ihre Gebärfreudigkeit zum Wachstum der Nation beitrugen. Diese Ehrungen waren nicht nur symbolischer Natur, sondern waren oft mit praktischen Vorteilen wie Steuererleichterungen, bevorzugtem Zugang zu Wohnungen und anderen staatlichen Leistungen verbunden.

Aufbau und Gestaltung der Auszeichnung

Die Medaille wurde typischerweise an einem Band getragen, wie auch bei diesem Exemplar dokumentiert. Das Abzeichen trägt die Aufschrift “Unione Fascista Famiglie Numerose”, was die ausstellende Organisation eindeutig kennzeichnet. Die Gestaltung folgte den ästhetischen Prinzipien des italienischen Faschismus, der Wert auf klassische römische Symbolik und monumentale Darstellungen legte.

Die Schleifen am Band dienten als sichtbarer Indikator für die Anzahl der Kinder. Dieses System ermöglichte eine sofortige Erkennbarkeit des “Verdienstes” der Trägerin in der Öffentlichkeit. Solche Auszeichnungen wurden bei offiziellen Anlässen getragen und dienten der Propaganda des Regimes, indem sie kinderreiche Mütter als Vorbilder für die Gesellschaft präsentierten.

Verleihungspraxis und Zeremonien

Die Verleihung der Medaille erfolgte oft im Rahmen öffentlicher Zeremonien, die von lokalen faschistischen Organisationen oder staatlichen Stellen organisiert wurden. Die Verleihungstüte, die bei diesem Exemplar erhalten ist (wenn auch beschädigt), war ein integraler Bestandteil der Auszeichnung. Sie enthielt typischerweise neben der Medaille selbst auch offizielle Dokumente, die die Verleihung bestätigten und die besonderen Privilegien der Empfängerin auflisteten.

Solche Zeremonien fanden häufig am 24. Dezember statt, einem von Mussolini als “Tag der Mutter und des Kindes” deklarierten Datum. Diese Veranstaltungen wurden propagandistisch inszeniert und in den Medien ausführlich dargestellt, um die Bevölkerungspolitik des Regimes zu fördern und andere Frauen zu ermutigen, dem Beispiel zu folgen.

Bedeutung während des Zweiten Weltkriegs

Während des Zweiten Weltkriegs erhielt die demografische Politik eine zusätzliche militärische Dimension. Kinderreiche Familien wurden nicht nur als wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern auch als militärische Ressource betrachtet. Die Auszeichnung von Müttern mit vielen Kindern sollte den Zusammenhalt an der Heimatfront stärken und die Opferbereitschaft der Bevölkerung erhöhen.

Allerdings wurde die Realität zunehmend von den ideologischen Zielen überholt. Die Kriegsbelastungen, Rationierungen und die wachsenden Verluste an der Front untergruben die Wirksamkeit solcher propagandistischen Auszeichnungen. Dennoch wurde die Verleihung bis zum Zusammenbruch des faschistischen Regimes 1943 fortgesetzt.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute sind solche Auszeichnungen bedeutende historische Artefakte, die Einblick in die Sozial- und Bevölkerungspolitik des faschistischen Italiens geben. Das Vorhandensein von neun Schleifen macht dieses Exemplar besonders bemerkenswert, da es eine überdurchschnittlich hohe Kinderzahl repräsentiert. Die erhaltene Verleihungstüte, trotz ihrer Beschädigung, erhöht den historischen Wert erheblich, da solche Originalverpackungen selten überlebt haben.

Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine gut erhaltene Auszeichnung hin, die die Jahrzehnte seit ihrer Verleihung relativ unbeschadet überstanden hat. Solche Objekte dienen heute als wichtige Quellen für die Erforschung der faschistischen Ära und ihrer Auswirkungen auf das tägliche Leben der italienischen Bevölkerung.

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