Luftwaffe Fliegerbluse für Mannschaften – Ein Depotfund aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs
Die hier vorgestellte Fliegerbluse für Mannschaften der deutschen Luftwaffe stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der militärischen Uniformgeschichte des Zweiten Weltkriegs dar. Es handelt sich um einen Depotfund, der seit 1945 unberührt geblieben ist – ein Umstand, der diesem Stück eine besondere Authentizität verleiht und es für Sammler und Historiker gleichermaßen interessant macht.
Die Entstehung der Luftwaffe und ihrer Uniformen
Die Luftwaffe wurde am 1. März 1935 offiziell als dritte Teilstreitkraft der Wehrmacht gegründet, nachdem Adolf Hitler am 26. Februar 1935 die entsprechende Entscheidung getroffen hatte. Bereits in den frühen Monaten des Jahres 1935 wurde die Fliegerbluse eingeführt, die auf früheren Entwürfen des Deutschen Luftsport Verbandes (DLV) basierte. Die charakteristische blaugraue Farbgebung wurde bewusst gewählt, um die Uniformen der Luftwaffe von den feldgrauen Uniformen des Heeres und den dunkelblauen Uniformen der Kriegsmarine zu unterscheiden.
Im Laufe des Krieges wurden drei Grundmodelle der Fliegerbluse entwickelt. Das Modell 35 (M35), das erste Muster, wurde 1935 eingeführt und zeichnete sich durch das Fehlen äußerer Taschen, eingenähte Schulterklappen und einen Taillengürtel aus. Im Dezember 1940 folgte das Modell 40 (M40), das zweite Muster, welches zwei äußere Schubtaschen mit Klappen aufwies und zum am häufigsten getragenen Typ während des Zweiten Weltkriegs wurde. Später entstand eine weitere, vereinfachte Variante. Allen drei Modellen gemeinsam war die verdeckte Knopfleiste.
Konstruktion und Merkmale der Mannschaftsausführung
Die Fliegerbluse war als einreihige, hüftlange Jacke mit verdeckter Knopfleiste konzipiert. Beim M40-Muster befanden sich zwei äußere Schubtaschen mit Klappen, innere Brusttaschen sowie eine Verbandstofftasche auf der rechten Innenseite. Der Kragen konnte offen oder mit Haken und Öse geschlossen getragen werden.
Die Mannschaftsausführung, wie sie bei diesem Exemplar vorliegt, unterschied sich deutlich von der Offiziersversion. Während Offiziere ihre Uniformen in der Regel privat anfertigen ließen – aus feinerem Gabardine mit handgestickten Abzeichen –, erhielten Mannschaftsdienstgrade ihre Uniformen aus dem Depot in standardisierten Größen. Das Tuch war in der typischen Mannschaftsqualität in blaugrau gehalten, und die Abzeichen waren maschinengestickt.
Der Brustadler (Hoheitsabzeichen) der Luftwaffe war ein besonderes Erkennungsmerkmal. Er zeigte nach oben geschwungene Flügel und ein Hakenkreuz ohne umgebenden Kreis – ein Merkmal, das ihn von den Hoheitsabzeichen anderer Wehrmachtsteile unterschied. Bei diesem Exemplar ist der Brustadler in maschinengestickter Ausführung in silbergrauem Garn gehalten und original vernäht.
Das Depotsystem der Luftwaffe
Depotunifomen wie dieses Exemplar wurden von verschiedenen Herstellern im gesamten Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten gefertigt. Die Kennzeichnung erfolgte durch Kammerstempel der Luftwaffenbekleidungsämter, die an verschiedenen Standorten in Deutschland angesiedelt waren. Ab Mitte 1942 wurde das System der Reichsbetriebsnummern schrittweise eingeführt, wobei die Herstellernamen durch codierte Nummern ersetzt wurden. Dieses Exemplar weist sowohl einen Kammerstempel als auch ein Papieretikett im Inneren auf – wichtige Merkmale für die Authentifizierung und Datierung solcher Stücke.
Verwendung und Trageweise
Die Fliegerbluse war als praktische Jacke konzipiert, die im beengten Raum eines Flugzeugs getragen werden konnte, und diente gleichzeitig als alltägliche Dienstuniform. Sie wurde an sämtliches Luftwaffenpersonal ausgegeben – Piloten, Fallschirmjäger, Flugzeugbesatzungen, Bodenpersonal und Personal der Luftwaffen-Felddivisionen. Die Jacke wurde zusammen mit einem hellblauen Hemd, einer dunkelblauen Krawatte und einer blaugrauen Hose getragen. Die Rangabzeichen umfassten Kragenspiegel, Schulterklappen mit Waffenfarbe – goldgelb für Flieger- und Fallschirmjägerpersonal – sowie weitere Rangabzeichen.
Das vorliegende Exemplar
Das hier beschriebene Stück weist die typischen Merkmale einer Mannschafts-Fliegerbluse auf: blaugraues Tuch in Mannschaftsqualität, maschinengestickter und original vernähter Brustadler, Schlaufen für Schulterklappen sowie ein Seidenfutter im Inneren. Die Maße – Schulterbreite ca. 44 cm, Armlänge außen ca. 70 cm, Gesamtlänge ca. 69 cm – entsprechen den Standardgrößen solcher Depotexemplare. Das Stück weist Mottenschäden auf, ein häufiges Phänomen bei Depotfunden, die jahrzehntelang in Lagerhäusern verblieben sind, und wird im Zustand 2- eingestuft.
Sammlerbedeutung
Nach 1945 wurden erhaltene Exemplare der Fliegerbluse zu begehrten militärhistorischen Sammlerstücken. Depotfunde wie dieses Exemplar, die unberührt in Lagerstätten verblieben, bevor sie entdeckt und dem Sammlermarkt zugeführt wurden, sind von besonderem Interesse, da sie einen unverfälschten Originalzustand aufweisen. Originale Fliegerbluse werden heute von Museen und Sammlern gleichermaßen gesucht. Die im Militaria-Markt übliche Zustandsbewertung bietet dabei eine standardisierte Einschätzung des Erhaltungsgrades. Mottenschäden und lagerungsbedingte Deterioration sind bei Depotfunden, die über Jahrzehnte in Lagerhäusern verweilten, ein häufiges Erscheinungsbild und mindern den historischen Wert nur bedingt.