NSLB - Gautagung 1934, Gelsenkirchen
Das vorliegende Abzeichen dokumentiert die Gautagung 1934 des Nationalsozialistischen Lehrerbundes (NSLB) in Gelsenkirchen, einer bedeutenden Veranstaltung innerhalb der nationalsozialistischen Bildungspolitik der frühen 1930er Jahre.
Der Nationalsozialistische Lehrerbund wurde im April 1929 als Berufsverband für Lehrer und Erzieher gegründet und entwickelte sich nach der Machtübernahme 1933 zur dominierenden Lehrerorganisation im Deutschen Reich. Unter der Leitung von Hans Schemm, der gleichzeitig bayerischer Kultusminister war, stieg die Mitgliederzahl von etwa 6.000 im Jahr 1932 auf über 220.000 bis 1935. Der NSLB war Teil des organisatorischen Geflechts der NSDAP und diente der Gleichschaltung des Bildungswesens sowie der ideologischen Ausrichtung der Lehrerschaft.
Die Gautagungen stellten wichtige regionale Veranstaltungen dar, bei denen Lehrer und Funktionäre zusammenkamen, um bildungspolitische Richtlinien zu diskutieren, ideologische Schulungen durchzuführen und die nationalsozialistische Erziehungslehre zu verbreiten. Das Jahr 1934 war besonders bedeutsam, da in diesem Zeitraum die Konsolidierung der NS-Herrschaft vorangetrieben wurde und die Umgestaltung des Bildungssystems intensiviert wurde.
Gelsenkirchen im Gau Westfalen-Nord war als Industriestadt im Ruhrgebiet ein wichtiger Standort für solche Veranstaltungen. Die Stadt hatte in der Weimarer Republik eine starke sozialdemokratische und kommunistische Tradition, was die NS-Führung dazu veranlasste, gerade in solchen Regionen verstärkt propagandistische Aktivitäten zu entfalten.
Solche Metallabzeichen wurden als Teilnehmerabzeichen oder Delegiertenabzeichen bei Tagungen, Kongressen und Veranstaltungen ausgegeben. Sie dienten mehreren Zwecken: Sie waren Zugangsberechtigungen, Identifikationsmerkmale für Teilnehmer und gleichzeitig Erinnerungsstücke an die Veranstaltung. Die lange Nadel auf der Rückseite ermöglichte das sichere Befestigen an der Kleidung, typischerweise am Revers oder an der Uniform.
Die Herstellung solcher Abzeichen erfolgte meist durch spezialisierte Metallwarenfabriken und Prägeanstalten. Die Gestaltung variierte je nach Veranstaltung und Region, beinhaltete aber häufig das NSLB-Symbol, den Veranstaltungsort, das Datum und häufig auch NS-Symbolik wie Hakenkreuze oder Adler. Die Abzeichen wurden in unterschiedlichen Qualitätsstufen produziert, von einfachen gestanzten Blechabzeichen bis zu aufwendigeren emaillierten oder versilberten Ausführungen für höhere Funktionäre.
Der NSLB spielte eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung der nationalsozialistischen Erziehungsideologie. Zu seinen Hauptzielen gehörten die Vermittlung der Rassenideologie, die Glorifizierung des Führerprinzips und die Vorbereitung der Jugend auf ihre Rolle im “Dritten Reich”. Lehrer wurden als “Soldaten Adolf Hitlers” bezeichnet und sollten die Jugend im nationalsozialistischen Sinne formen.
Nach dem Tod von Hans Schemm im Jahr 1935 übernahm Fritz Wächtler die Führung des NSLB. Die Organisation bestand bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 und wurde anschließend von den Alliierten verboten und aufgelöst. Alle NS-Organisationen, einschließlich des NSLB, wurden im Rahmen der Entnazifizierung als verbrecherisch eingestuft.
Heute sind solche Abzeichen historische Dokumente, die Einblick in die Organisationsstruktur und Propagandamethoden des NS-Regimes geben. Sie werden in Museen, Archiven und privaten Sammlungen aufbewahrt und dienen der wissenschaftlichen Forschung und historischen Aufarbeitung. Der Handel mit solchen Objekten unterliegt in Deutschland strengen rechtlichen Bestimmungen, insbesondere wenn verfassungsfeindliche Symbole abgebildet sind.