Nationalsozialistischer Deutscher Marinebund ( NSDMB ) - Mitgliedsabzeichen
Das Mitgliedsabzeichen des Nationalsozialistischen Deutschen Marinebundes (NSDMB) repräsentiert ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der deutschen Marinevereine während der Zeit des Nationalsozialismus. Diese Organisation stellte die gleichgeschaltete Nachfolgeorganisation des traditionsreichen Deutschen Flottenvereins dar, der 1898 gegründet worden war und in der Weimarer Republik als Deutscher Marinebund fortbestand.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 erfolgte die systematische Gleichschaltung aller deutschen Vereine und Verbände. Der Deutsche Marinebund wurde im Zuge dieser Maßnahmen aufgelöst und durch den NSDMB ersetzt, der am 26. Januar 1934 offiziell gegründet wurde. Die neue Organisation stand unter der Schirmherrschaft von Großadmiral Erich Raeder, dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, und wurde von Vizeadmiral a.D. Adolf von Trotha als erstem Bundesführer geleitet.
Das Mitgliedsabzeichen, das von den Angehörigen des NSDMB getragen wurde, symbolisierte die Verbundenheit mit der deutschen Kriegsmarine und dem nationalsozialistischen Staat. Die Kennzeichnung “GES.GESCH.” (Gesetzlich Geschützt) auf der Rückseite weist auf die offizielle Anerkennung und den rechtlichen Schutz des Abzeichens hin, was für staatlich sanktionierte Organisationen im Dritten Reich typisch war.
Der Nationalsozialistische Deutsche Marinebund verfolgte mehrere Zielsetzungen: Erstens sollte er die maritime Tradition in Deutschland pflegen und das Interesse der Bevölkerung an der Kriegsmarine fördern. Zweitens diente er der ideologischen Indoktrination im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung. Drittens hatte er die Aufgabe, die Akzeptanz für den massiven Ausbau der Kriegsmarine in der deutschen Öffentlichkeit zu schaffen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Z-Plan, dem ehrgeizigen Flottenbauprogramm der späten 1930er Jahre.
Die Mitgliedschaft im NSDMB stand grundsätzlich allen “arischen” deutschen Staatsbürgern offen, wobei die rassistischen Ausschlusskriterien des NS-Regimes selbstverständlich galten. Die Organisation gliederte sich in verschiedene Orts-, Kreis- und Gaugruppen und war hierarchisch nach dem Führerprinzip aufgebaut. Zu den Aktivitäten gehörten Vorträge, Ausstellungen, Veranstaltungen zur Marinepropaganda sowie die Betreuung von Marineangehörigen und deren Familien.
Das Tragen des Mitgliedsabzeichens erfolgte üblicherweise an der Zivilkleidung und dokumentierte die Zugehörigkeit zum Bund. Die Abzeichen wurden in verschiedenen Ausführungen hergestellt, wobei die Qualität und Materialien je nach Herstellungszeitpunkt und wirtschaftlicher Situation variieren konnten. Die vorliegende Version mit gekürzter Nadel deutet auf eine spätere Modifikation oder Anpassung hin, wie sie bei vielen militärischen Auszeichnungen und Abzeichen aus praktischen Gründen vorgenommen wurde.
Die Produktion solcher Abzeichen unterlag während der NS-Zeit strengen Kontrollen. Nur autorisierte Hersteller durften offizielle Verbandsabzeichen fertigen, was durch die Kennzeichnung “GES.GESCH.” rechtlich abgesichert wurde. Diese Praxis sollte Fälschungen verhindern und die Exklusivität der offiziellen Abzeichen gewährleisten.
Mit dem Fortschreiten des Zweiten Weltkrieges veränderte sich auch die Rolle des NSDMB. Die Organisation wurde zunehmend in die Kriegsanstrengungen eingebunden, organisierte Sammlungen für die Kriegsmarine und leistete Unterstützung im Rahmen der sogenannten “Heimatfront”. Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 wurde der NSDMB zusammen mit allen anderen NS-Organisationen durch die Alliierten aufgelöst und verboten.
Heute besitzen solche Mitgliedsabzeichen ausschließlich historischen und dokumentarischen Wert. Sie dienen als Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte und werden in Museen, Archiven und privaten Sammlungen bewahrt. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Objekten ist wichtig für das Verständnis der Mechanismen totalitärer Herrschaft und der Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche durch die nationalsozialistische Ideologie.
Das Studium solcher Abzeichen und ihrer organisatorischen Kontexte trägt zur Aufarbeitung der NS-Geschichte bei und mahnt zur Wachsamkeit gegenüber extremistischen Bewegungen. Die Bewahrung dieser historischen Objekte erfolgt unter der Prämisse der Bildung und Aufklärung, nicht der Verherrlichung.