Zaristisches Rußland große Auflage für ein Epaulett für Offiziere

um 1900. Großes "E II" in Buntmetall vergoldet, Höhe 60 mm, rückseitig alle 4 Splinte abgebrochen. Zustand 2.
220032
120,00

Zaristisches Rußland große Auflage für ein Epaulett für Offiziere

Das vorliegende Objekt stellt eine Epauletten-Auflage aus der Zeit des zaristischen Russlands um 1900 dar. Diese vergoldete Buntmetallauflage zeigt das Monogramm “E II” (kyrillisch: Е II), welches für Kaiser Eduard II. steht, der jedoch nie als russischer Zar regierte. Vielmehr handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine fehlerhafte oder regionale Bezeichnung, denn zur fraglichen Zeit regierte Zar Nikolaus II. (1894-1917) das Russische Reich. Möglicherweise bezieht sich das Monogramm auf einen Großfürsten oder eine andere Persönlichkeit des Kaiserhauses.

Die Epaulette war ein wesentlicher Bestandteil der russischen Militäruniform und diente zur Kennzeichnung des Ranges und der Zugehörigkeit zu bestimmten Regimentern oder kaiserlichen Einheiten. Im zaristischen Russland wurde das Uniformwesen durch detaillierte Vorschriften geregelt, die unter anderem in den Uniformreglements von 1881 und 1907 festgeschrieben wurden. Epauletten wurden von Offizieren aller Waffengattungen getragen und variierten je nach Rang, Regiment und besonderer Auszeichnung.

Die hier beschriebene Auflage hat eine Höhe von 60 mm und war dazu bestimmt, auf der Schulterpartie der Uniform befestigt zu werden. Die rückseitigen Splinte, von denen alle vier abgebrochen sind, dienten der mechanischen Fixierung auf dem Stoffuntergrund der Epaulette. Solche Monogramm-Auflagen wurden besonders bei Garderegimentern und kaiserlichen Leibregimentern verwendet, die unter dem besonderen Patronat eines Mitglieds der Zarenfamilie standen.

Das Russische Kaiserreich unterhielt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert eine der größten Armeen der Welt. Die Garde bildete die Elite dieser Streitkräfte und war traditionell in der Nähe von Sankt Petersburg stationiert. Viele dieser Einheiten trugen die Monogramme ihrer kaiserlichen Chefs auf ihren Uniformen. Diese Tradition ging auf die Reformen Peters des Großen zurück und wurde unter seinen Nachfolgern, insbesondere unter Paul I. und Alexander I., weiter verfeinert.

Die Epaulette selbst hatte ihre Ursprünge im 18. Jahrhundert und entwickelte sich von einem rein praktischen Schulterschutz zu einem wichtigen Rangabzeichen. In Russland wurden Epauletten erstmals unter Kaiser Paul I. (1796-1801) systematisch eingeführt, der das russische Militärwesen nach preußischem Vorbild umgestaltete. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Epauletten immer kunstvoller und dienten nicht nur der Rangkennzeichnung, sondern auch der Identifikation der Regimentszugehörigkeit.

Um 1900 befand sich das Russische Reich in einer Phase der Modernisierung und gleichzeitiger innerer Spannungen. Die Niederlagen im Russisch-Japanischen Krieg (1904-1905) und die Revolution von 1905 erschütterten das Zarenreich. Dennoch hielt die Armee an ihren traditionellen Uniformen und Insignien fest, die Kontinuität und Loyalität zur Dynastie symbolisierten.

Die Herstellung solcher Epauletten-Auflagen erfolgte durch spezialisierte Werkstätten in Sankt Petersburg und Moskau. Bekannte Manufakturen wie Keibel und andere Hoflieferanten produzierten diese Abzeichen in hoher Qualität. Die Vergoldung erfolgte meist im Feuervergoldungsverfahren, was eine dauerhafte und prächtige Oberfläche gewährleistete.

Der Zustand 2 des vorliegenden Objekts weist auf eine gute Erhaltung hin, trotz der abgebrochenen Splinte. Solche Beschädigungen sind bei Objekten dieser Art häufig, da sie im täglichen Gebrauch mechanischen Belastungen ausgesetzt waren. Die Tatsache, dass die Vergoldung noch erhalten ist, spricht für die Qualität der ursprünglichen Fertigung.

Nach der Oktoberrevolution 1917 und dem Ende des Zarenreichs wurden diese imperialen Insignien abgeschafft. Viele wurden zerstört oder eingeschmolzen, andere gelangten als Beutestücke oder durch Emigranten ins Ausland. Heute sind solche Objekte gesuchte Sammlerstücke, die nicht nur militärhistorischen Wert besitzen, sondern auch als Zeugnisse einer untergegangenen Epoche gelten.