Aus der Fundgrube: Sammleranfertigung Gefechtsspange "TOGO 1897"
Die Gefechtsspange "TOGO 1897" stellt ein faszinierendes Beispiel für Sammleranfertigungen militärischer Auszeichnungen aus der deutschen Kolonialzeit dar. Bei diesem Objekt handelt es sich um eine nachträglich hergestellte Spange, die an ein historisches Ereignis im ehemaligen deutschen Schutzgebiet Togo in Westafrika erinnern soll.
Das deutsche Schutzgebiet Togo bestand von 1884 bis 1914 und war eine der kleineren deutschen Kolonien in Afrika. Im Jahr 1897, auf das sich diese Gefechtsspange bezieht, fanden mehrere militärische Operationen der deutschen Schutztruppe statt, die zur Sicherung und Ausdehnung des Kolonialgebiets dienten. Diese Expeditionen richteten sich gegen lokale Herrschaftsstrukturen, die sich der deutschen Kolonialherrschaft widersetzten.
Während der Kaiserzeit wurden für koloniale Militäreinsätze verschiedene offizielle Auszeichnungen geschaffen. Die bekannteste war die Kolonial-Gedenkmünze, die durch Allerhöchste Kabinettsorder vom 11. Juli 1895 gestiftet wurde. Diese Medaille konnte mit verschiedenen Spangen versehen werden, die auf spezifische Kampagnen und Einsatzorte hinwiesen, beispielsweise "Kamerun", "Ostafrika" oder "China".
Interessanterweise existierte jedoch keine offizielle Gefechtsspange mit der Bezeichnung "TOGO 1897" im Rahmen des kaiserlichen Ordensystems. Die für Togo vergebene offizielle Spange trug lediglich die Aufschrift "TOGO" ohne Jahresangabe und wurde für verschiedene Einsätze im Schutzgebiet zwischen 1897 und 1899 verliehen. Dies macht das vorliegende Objekt zu einer eindeutigen Sammleranfertigung oder auch "Phantasiespange" genannt.
Solche Sammleranfertigungen entstanden aus verschiedenen Gründen: Manchmal wurden sie von Veteranen in Auftrag gegeben, die ihre Teilnahme an bestimmten Gefechten dokumentieren wollten, für die es keine offizielle Auszeichnung gab. In anderen Fällen fertigten Händler und Hersteller diese Stücke für den Sammlermarkt an, um die Nachfrage nach seltenen oder spezifischen militärischen Erinnerungsstücken zu befriedigen. Einige dieser Anfertigungen entstanden bereits in der Kaiserzeit, viele jedoch erst in der Weimarer Republik oder sogar später.
Die militärischen Operationen in Togo 1897 wurden hauptsächlich von kleinen Einheiten der Schutztruppe durchgeführt, die aus deutschen Offizieren und einheimischen Polizeisoldaten bestand. Die Schutztruppe für Togo war im Vergleich zu anderen Kolonien sehr klein, meist weniger als hundert Mann stark. Trotz ihrer geringen Größe führte sie mehrere "Strafexpeditionen" durch, um die deutsche Kontrolle über das Hinterland zu festigen.
Für Sammler militärischer Antiquitäten ist die Unterscheidung zwischen originalen kaiserlichen Auszeichnungen und späteren Anfertigungen von entscheidender Bedeutung. Authentische Gefechtsspangen wurden nach strengen Vorschriften hergestellt, meist von autorisierten Herstellern wie Godet & Sohn in Berlin oder anderen renommierten Ordensmanufakturen. Sie wiesen spezifische Materialien, Fertigungstechniken und Prägungen auf.
Sammleranfertigungen lassen sich oft an verschiedenen Merkmalen erkennen: abweichende Schrifttypen, ungewöhnliche Materialzusammensetzungen, moderne Herstellungstechniken oder Bezeichnungen, die nicht den offiziellen militärischen Nomenklatur entsprechen. Im Fall der "TOGO 1897"-Spange ist die spezifische Jahresangabe ein deutlicher Hinweis auf eine nicht-offizielle Anfertigung.
Die Erforschung solcher Objekte bietet dennoch historischen Wert: Sie zeigt, wie Veteranen und Sammler die militärische Vergangenheit interpretiert und bewahrt haben. Diese Stücke sind Zeugnisse der Erinnerungskultur und des gewachsenen Interesses an Militaria, das besonders in den 1920er und 1930er Jahren zunahm, als viele Veteranenverbände aktiv waren.
Das deutsche Kolonialreich in Afrika endete mit dem Ersten Weltkrieg. Togo wurde bereits 1914 von britischen und französischen Truppen erobert und später zwischen Großbritannien und Frankreich als Mandatsgebiete des Völkerbundes aufgeteilt. Die deutschen Schutztruppen und ihre Einsätze wurden in der Nachkriegszeit häufig verklärt, was zur Entstehung zahlreicher Erinnerungsstücke und auch Phantasiespangen führte.
Für heutige Sammler und Museen ist die korrekte Dokumentation und Klassifizierung solcher Objekte wichtig. Sie sollten eindeutig als Sammleranfertigungen gekennzeichnet werden, um Missverständnisse zu vermeiden. Gleichzeitig haben auch diese Objekte ihren Platz in der Sammlungsgeschichte und der Auseinandersetzung mit kolonialer Erinnerungskultur.