Elastolin - 1. Weltkrieg Kaiserliche Marine 2 Matrosen marschierend
Die hier vorliegenden Elastolin-Figuren von zwei marschierenden Matrosen der Kaiserlichen Marine aus dem Ersten Weltkrieg repräsentieren ein faszinierendes Kapitel sowohl der Spielzeuggeschichte als auch der maritimen Militärgeschichte des Deutschen Kaiserreichs. Diese Kompositfiguren, die eine Größe von 9,5 cm aufweisen, wurden von der renommierten Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg hergestellt, die unter dem Markennamen Elastolin ab den 1920er Jahren zu einem der führenden Hersteller von Massefiguren in Deutschland aufstieg.
Die Kaiserliche Marine entwickelte sich nach ihrer Gründung im Jahr 1871 unter der treibenden Kraft von Großadmiral Alfred von Tirpitz zu einer der bedeutendsten Seestreitkräfte der Welt. Das Flottengesetz von 1898 und die nachfolgenden Flottennovellen legten den Grundstein für einen massiven Ausbau der deutschen Kriegsmarine, der das deutsch-britische Verhältnis nachhaltig belastete und zum maritimen Wettrüsten vor dem Ersten Weltkrieg beitrug. Bis 1914 verfügte die Kaiserliche Marine über eine beeindruckende Flotte von Großkampfschiffen, Kreuzern und Torpedobooten.
Die Matrosen, die diese Figuren darstellen, trugen die charakteristische dunkelblaue Uniform der Kaiserlichen Marine mit dem ikonischen Matrosenkragen und der Tellermütze mit Mützenband, auf dem häufig der Schiffsname oder die Bezeichnung “Kaiserliche Marine” zu lesen war. Die Uniform basierte auf der Anzugsordnung für die Kaiserliche Marine und war in ihren Details streng reglementiert. Der blaue Matrosenanzug mit seinem weißen Kragen wurde zum Symbol der deutschen Seemacht und prägte das Bild der Marine in der öffentlichen Wahrnehmung.
Die Firma Hausser begann in den 1920er Jahren mit der Produktion von Figuren aus Elastolin, einem Material, das hauptsächlich aus Kasein, Kreide, Glycerin und anderen Zusatzstoffen bestand und sich als Alternative zu den traditionellen Bleifiguren etablierte. Dieses Material war leichter, ungiftiger und bot größere Gestaltungsmöglichkeiten. Die Elastolin-Figuren wurden in aufwendigen Verfahren gefertigt: Zunächst wurden die Figuren in Formen gegossen, dann bemalt und häufig mit Drahtgestellen versehen, um eine größere Stabilität zu gewährleisten.
Die Produktion von Militärfiguren aus dem Ersten Weltkrieg hatte in der Zwischenkriegszeit eine besondere Bedeutung. Für die Generation, die den Krieg erlebt hatte, stellten diese Figuren sowohl eine Form der Erinnerung als auch der Verarbeitung dar. Für Kinder dienten sie als Spielzeug, das gleichzeitig eine erzieherische Komponente hatte und militärische Werte vermitteln sollte. Die Kaiserliche Marine genoss dabei eine besondere Popularität, da sie trotz ihrer begrenzten Rolle im Ersten Weltkrieg – mit Ausnahme der Skagerrakschlacht 1916 – als moderne und technologisch fortschrittliche Waffengattung galt.
Die Darstellung marschierender Matrosen spiegelt die militärische Alltagsrealität wider. Matrosen verbrachten nicht ihre gesamte Zeit an Bord von Schiffen, sondern waren auch an Landstützpunkten wie Wilhelmshaven, Kiel oder Cuxhaven stationiert, wo militärischer Drill und Exerzieren zum Alltag gehörten. Die Kaiserliche Marine unterhielt zudem Marineinfanterie-Einheiten und Matrosen-Divisionen, die im Ersten Weltkrieg auch an Landkämpfen teilnahmen, insbesondere in Flandern und während der deutschen Kolonialkriege.
Aus sammlerischer Perspektive sind Elastolin-Figuren der Kaiserlichen Marine heute gesuchte Objekte. Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine gut erhaltene Figur mit möglicherweise leichten Gebrauchsspuren hin, was bei Objekten dieser Altersklasse bemerkenswert ist. Typische Alterungserscheinungen bei Elastolin-Figuren umfassen Farbabrieb, Risse im Material oder Verformungen, da das Kasein-basierte Material empfindlich auf Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen reagiert.
Die historische Bedeutung solcher Figuren reicht über ihren Wert als Sammlerobjekt hinaus. Sie dokumentieren die Erinnerungskultur der Zwischenkriegszeit, die Rolle des Militärs in der deutschen Gesellschaft und die Entwicklung der Spielzeugindustrie. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Hausser die Produktion fort, wobei der Fokus zunehmend auf historische und zivile Themen verlagert wurde. Die Firma existierte bis 1983, als die Produktion eingestellt wurde.
Heute sind diese Figuren wichtige Zeugnisse der Militär- und Kulturgeschichte, die Einblicke in die materielle Kultur des frühen 20. Jahrhunderts bieten und die Erinnerung an die Kaiserliche Marine lebendig halten.