Geschichte des Westfälischen Dragoner-Regiments Nr. 7 von seiner Formierung im Jahre 1860 bis 1910,

Unter Benutzung der bis 1885 reichenden Alten Regimentsgeschichte des Sekondeleutnant Böhm. Zusammengestellt von Morgenroth, Oberleutnant im Westfälischen Dragoner-Regiment Nr.7.
Berlin, Verlag Stilke, 1910, farbig bedruckter Halbleineneinband, 156 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, 1 farbige Uniformentafel, im Anhang 3 große Klappkarten, Zustand 2
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130,00

Geschichte des Westfälischen Dragoner-Regiments Nr. 7 von seiner Formierung im Jahre 1860 bis 1910,

Die Geschichte des Westfälischen Dragoner-Regiments Nr. 7, erschienen 1910 im renommierten Verlag Stilke in Berlin, stellt ein bedeutendes Zeugnis der preußischen Militärgeschichtsschreibung des späten Kaiserreichs dar. Dieses Regiment, das 1860 formiert wurde, verkörpert die Entwicklung der preußischen und später deutschen Kavallerie in einer Epoche tiefgreifender militärischer und gesellschaftlicher Veränderungen.

Das Westfälische Dragoner-Regiment Nr. 7 wurde im Jahr 1860 als Teil der Reorganisation der preußischen Armee unter dem Kriegsminister Albrecht von Roon aufgestellt. Diese Heeresreform sollte Preußen auf die militärischen Herausforderungen der zweiten Jahrhunderthälfte vorbereiten. Die Dragoner, ursprünglich als berittene Infanterie konzipiert, hatten sich im 19. Jahrhundert zu einer vielseitigen Kavallerie-Waffengattung entwickelt, die sowohl im Kampf zu Pferde als auch abgesessen eingesetzt werden konnte.

Die ersten fünfzig Jahre des Regiments waren geprägt von den Einigungskriegen: dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864, dem Deutschen Krieg 1866 gegen Österreich und dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. In diesen Konflikten bewährte sich das Regiment und trug zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs bei. Die Regimentsgeschichte dokumentiert diese Einsätze detailliert und bewahrt damit das institutionelle Gedächtnis der Einheit.

Der Autor Oberleutnant Morgenroth stützte sich bei seiner Zusammenstellung auf die frühere Arbeit von Sekondeleutnant Böhm, die bis 1885 reichte. Diese Praxis des kontinuierlichen Fortschreibens von Regimentsgeschichten war charakteristisch für die preußisch-deutsche Militärtradition. Sie diente nicht nur der historischen Dokumentation, sondern auch der Förderung des Korpsgeistes und der Identitätsstiftung innerhalb der Truppe.

Solche Regimentsgeschichten wurden typischerweise zu Jubiläen veröffentlicht – in diesem Fall zum 50-jährigen Bestehen des Regiments. Sie waren sowohl für aktive Offiziere und Soldaten als auch für Veteranen und historisch interessierte Bürger bestimmt. Der Verlag Stilke in Berlin hatte sich auf militärische Publikationen spezialisiert und war bekannt für qualitativ hochwertige Ausstattung seiner Bücher.

Die Ausstattung des Bandes spiegelt die Standards gehobener militärhistorischer Publikationen der wilhelminischen Ära wider. Der farbig bedruckte Halbleineneinband war eine beliebte Bindungsform, die Haltbarkeit mit repräsentativer Optik verband. Die zahlreichen Abbildungen, darunter eine farbige Uniformentafel, dokumentieren die visuelle Entwicklung des Regiments und sind heute wertvolle Quellen für die Uniformkunde.

Besonders bemerkenswert sind die drei großen Klappkarten im Anhang. Diese Karten illustrierten vermutlich Gefechtslagen, Manöver oder die Garnisonsstandorte des Regiments. Solche Beilagen erhöhen den historischen und dokumentarischen Wert des Werkes erheblich und ermöglichen ein tieferes Verständnis der militärischen Operationen.

Die fünfzig Jahre, die diese Geschichte umfasst, waren eine Periode des Friedens nach 1871, unterbrochen nur durch koloniale Einsätze und die zunehmenden Spannungen vor dem Ersten Weltkrieg. Das Regiment war in dieser Zeit in Westfalen stationiert, daher sein Name, und nahm an den regelmäßigen Manövern und Ausbildungszyklen der Friedensarmee teil.

Die Kavallerie durchlief in diesem Zeitraum bedeutende Veränderungen. Die Einführung moderner Feuerwaffen, insbesondere des Maschinengewehrs, stellte die traditionelle Rolle der Kavallerie zunehmend in Frage. Dennoch hielt die deutsche Armee an der Kavallerie als wichtiger Waffengattung fest, was sich im Ersten Weltkrieg als problematisch erweisen sollte.

Solche Regimentsgeschichten sind heute wichtige Primärquellen für die Militärgeschichtsforschung. Sie bieten Einblicke in die Selbstwahrnehmung des Militärs, die Entwicklung von Taktiken und Organisation sowie die soziale Zusammensetzung der Offiziers- und Mannschaftsränge. Für Sammler militärischer Antiquitäten sind sie begehrte Objekte, insbesondere wenn sie wie in diesem Fall in gutem Zustand erhalten sind.

Die Publikation von 1910 erschien nur vier Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der die Welt der Kavallerie und die gesamte militärische Ordnung grundlegend verändern sollte. Das Westfälische Dragoner-Regiment Nr. 7 würde in diesem Konflikt eingesetzt werden, wobei die Erwartungen und Vorbereitungen der Vorkriegszeit schnell von der Realität des modernen Krieges überholt wurden. Dieses Buch dokumentiert damit eine Welt, die kurz vor ihrem Untergang stand – die Welt der kaiserlichen Kavallerie in ihrer letzten Blütezeit.