III. Reich / Erinnerungsplakette an die 1. Großdeutschen Schwimm-Meisterschaften Darmstadt 8.-10. Juni 1938
Die Erinnerungsplakette an die 1. Großdeutschen Schwimm-Meisterschaften, die vom 8. bis 10. Juni 1938 in Darmstadt stattfanden, stellt ein bedeutendes zeithistorisches Dokument der nationalsozialistischen Sportpolitik dar. Diese aus Holz gefertigte Plakette mit einer Metalleinlage und einem Durchmesser von 69 mm wurde zur Erinnerung an diese erste gesamtdeutsche Meisterschaft nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 geschaffen.
Der Begriff “Großdeutschland” war nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 12. März 1938 zur offiziellen Bezeichnung geworden. Die Veranstaltung dieser ersten “großdeutschen” Schwimmmeisterschaften nur drei Monate nach diesem einschneidenden politischen Ereignis war ein bewusster propagandistischer Akt des NS-Regimes. Sport spielte im nationalsozialistischen Deutschland eine zentrale Rolle bei der Demonstration von Macht, der Förderung des Gemeinschaftsgefühls und der Integration neu hinzugekommener Gebiete.
Die Stadt Darmstadt als Austragungsort hatte eine gewisse Tradition im Schwimmsport. Die hessische Stadt verfügte über moderne Schwimmanlagen und hatte bereits in der Weimarer Republik bedeutende Wettkämpfe ausgerichtet. Die Wahl Darmstadts für diese symbolträchtige Meisterschaft unterstrich die Bedeutung, die das Regime der Veranstaltung beimaß.
Im Kontext der NS-Sportpolitik war die Vergabe von Erinnerungsplaketten, Medaillen und anderen Auszeichnungen bei sportlichen Großveranstaltungen üblich. Diese Objekte dienten nicht nur der Ehrung der Athleten, sondern auch der Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie und Symbolik. Die Verwendung von Holz als Material war für solche Erinnerungsstücke nicht ungewöhnlich und spiegelte teilweise auch die Bemühungen um Materialersparnis wider, da Metalle zunehmend für die Aufrüstung benötigt wurden.
Der Deutsche Schwimmverband wurde wie alle Sportverbände nach 1933 gleichgeschaltet und in die Strukturen des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen integriert. Die Organisation von Meisterschaften unterlag strengen ideologischen Vorgaben, und die Teilnahme war auf “arische” Athleten beschränkt. Jüdische Sportler waren seit den Nürnberger Gesetzen von 1935 systematisch aus dem deutschen Sport ausgeschlossen worden.
Die Schwimmmeisterschaften von 1938 fanden in einem Jahr statt, das international von zunehmenden Spannungen geprägt war. Nach den Olympischen Spielen 1936 in Berlin, die das Regime als große Propagandaveranstaltung genutzt hatte, setzte Deutschland seine aggressive Expansionspolitik fort. Die Betonung des “großdeutschen” Charakters dieser Meisterschaften war Teil der Rechtfertigung und Normalisierung der territorialen Veränderungen.
Solche Erinnerungsplaketten wurden üblicherweise an Teilnehmer, Organisatoren oder Ehrengäste vergeben. Sie dienten als materielle Erinnerung an die Veranstaltung und als Sammelobjekte. Heute sind sie wichtige Zeugnisse der Sportgeschichte unter dem Nationalsozialismus und dokumentieren die Instrumentalisierung des Sports für politische Zwecke.
Die Gestaltung solcher Plaketten folgte meist den ästhetischen Vorgaben der Zeit, mit Betonung von Kraft, Dynamik und völkischer Symbolik. Die Kombination aus Holz und Metalleinlage war technisch anspruchsvoll und verlieh dem Objekt einen besonderen Charakter. Die relativ große Ausführung von 69 mm Durchmesser deutet auf die Bedeutung hin, die der Veranstaltung beigemessen wurde.
Aus heutiger Sicht sind solche Objekte ambivalente Zeugnisse: Sie dokumentieren einerseits sportliche Leistungen und die Geschichte des Schwimmsports, andererseits sind sie untrennbar mit dem verbrecherischen NS-Regime verbunden. Ihre Erhaltung und wissenschaftliche Dokumentation ist wichtig für das historische Verständnis dieser Epoche, während ihre Kontextualisierung verhindert, dass sie zur unkritischen Verherrlichung missbraucht werden.