III. Reich - nichttragbarer Ehrenpreis in Silber des Gaus Nr. 33 Göttingen - " 15 Jahre NSDAP Göttingen 8.2.1937 "
Der vorliegende Ehrenpreis des Gaues Göttingen der NSDAP stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der nationalsozialistischen Erinnerungskultur und Parteiorganisation dar. Dieser nicht tragbare silberne Ehrenpreis wurde anlässlich des 15-jährigen Jubiläums der NSDAP Göttingen am 8. Februar 1937 verliehen und dokumentiert die systematische Gedenkpflege innerhalb der Parteistrukturen des Dritten Reiches.
Die NSDAP-Gliederung in Göttingen gehörte zum Gau Südhannover-Braunschweig, der später in Gau Südhannover umbenannt wurde und die Gaunummer 33 trug. Die Gaue bildeten die wichtigsten territorialen Verwaltungseinheiten der NSDAP und wurden von einem Gauleiter geführt. Der Gau Südhannover-Braunschweig wurde 1925 gegründet, nachdem die NSDAP nach dem gescheiterten Hitler-Putsch und dem damit verbundenen Verbot neu organisiert wurde. Hartmann Lauterbacher war ab 1940 Gauleiter dieser Region, zuvor hatte Bernhard Rust diese Position inne.
Das Datum des 8. Februar 1937 markiert den 15. Jahrestag der lokalen Parteigründung in Göttingen im Jahr 1922. In dieser frühen Phase der NSDAP-Geschichte etablierte sich die Partei zunächst in Bayern und breitete sich dann allmählich in andere deutsche Regionen aus. Göttingen als Universitätsstadt spielte eine besondere Rolle in der nationalsozialistischen Bewegung, da die akademischen Kreise früh von nationalsozialistischen Ideen durchdrungen wurden.
Der Ehrenpreis selbst besteht aus versilbertem Buntmetall und hat einen Durchmesser von 60 mm. Die Herstellung erfolgte durch die Firma JFS, wie die Punzierung “JFS D.R.G.M. RZM M/183” belegt. Die Abkürzung D.R.G.M. steht für “Deutsches Reichsgebrauchsmuster” und war eine Form des gewerblichen Rechtsschutzes. Die Kennzeichnung RZM bezieht sich auf die Reichszeugmeisterei, die zentrale Beschaffungs- und Prüfstelle der NSDAP, die 1929 gegründet wurde und die Qualität sowie die Berechtigung zur Herstellung von Parteiabzeichen und -auszeichnungen kontrollierte.
Die Herstellernummer M/183 identifiziert den Produzenten innerhalb des RZM-Systems. Die Reichszeugmeisterei vergab solche Nummern an autorisierte Hersteller, um eine einheitliche Qualität zu gewährleisten und gleichzeitig die wirtschaftliche Kontrolle über die Produktion von Parteiinsignien auszuüben. Dieses System verhinderte auch die Herstellung gefälschter oder nicht autorisierter Parteiabzeichen.
Als nichttragbarer Ehrenpreis gehört dieses Objekt zu jener Kategorie von Auszeichnungen, die nicht wie Orden oder Ehrenzeichen an der Uniform getragen wurden, sondern als Erinnerungs- und Prunkstücke dienten. Solche Ehrenpreise wurden häufig bei Jubiläen, Parteitagen oder besonderen Anlässen verliehen und sollten die Verbundenheit mit der Partei und ihren Idealen symbolisieren.
Das originale Verleihungsetui aus braunem Material mit goldenem Aufdruck unterstreicht den repräsentativen Charakter dieser Auszeichnung. Die Präsentation in einem speziellen Etui war üblich für hochwertige Ehrenpreise und sollte deren Wert und Bedeutung hervorheben. Die braune Farbe war dabei nicht zufällig gewählt, sondern spielte auf die symbolische Bedeutung von Braun in der NS-Bewegung an, die sich in den Braunhemden der SA manifestierte.
Solche Jubiläumsauszeichnungen dienten mehreren Zwecken innerhalb der nationalsozialistischen Herrschaftspraxis: Sie stärkten die Loyalität der “alten Kämpfer”, die der Partei bereits in der “Kampfzeit” vor 1933 angehört hatten, schufen eine mythologisierte Parteigeschichte und etablierten eine Hierarchie der Verdienste innerhalb der Parteigliederungen. Die Betonung lokaler Parteijubiläen wie in Göttingen unterstrich zudem die flächendeckende Organisation und historische Verwurzelung der NSDAP in verschiedenen deutschen Regionen.
Die Verleihung solcher Ehrenpreise erfolgte in der Regel im Rahmen feierlicher Zeremonien, die mit Aufmärschen, Reden und anderen propagandistischen Elementen verbunden waren. Das Jahr 1937 markierte eine Phase der Konsolidierung der NS-Herrschaft, in der das Regime seine Macht gefestigt hatte und verstärkt an der Konstruktion einer eigenen historischen Tradition arbeitete.
Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige Quellen für die historische Forschung zur NS-Zeit. Sie dokumentieren die Organisationsstrukturen, die Erinnerungskultur und die materielle Kultur des Nationalsozialismus. Gleichzeitig werfen sie Fragen nach dem Umgang mit diesem schwierigen Erbe auf und dienen als Mahnung an die Verbrechen des NS-Regimes.