Luftwaffe Afrikakorps Tropenschirmmütze, sogenannte "Hermann-Meier Mütze"

Kammerstück, um 1943. Fertigung aus sandfarbenem Tuch, komplett mit allen Effekten. Mützenadler und Mützenschwinge in Bevo-gewebter Ausführung aus sandfarbenem Tuch, per Hand vernäht, mit intaktem Ledersturmriemen. Innen mit rotem Futter, Kammerstempel "RB-Nr. 0/0250/2570", Größe 56 1/2. Gebrauchter Zustand.
482833

Die Luftwaffe Afrikakorps Tropenschirmmütze – Die sogenannte “Hermann-Meier-Mütze”

Unter den Kopfbedeckungen der deutschen Wehrmacht des Zweiten Weltkriegs nimmt die Tropenschirmmütze der Luftwaffe eine besondere Stellung ein. Dieses einzigartige Stück militärischer Bekleidung, das umgangssprachlich als “Hermann-Meier-Mütze” oder “Hermann-Meyer-Mütze” bekannt wurde, verbindet funktionale Tropenausrüstung mit einer der bekanntesten spöttischen Anekdoten des Krieges. Das hier vorgestellte Exemplar – ein Kammerstück aus der Zeit um 1943 – ist ein bemerkenswertes Zeugnis der Luftwaffe-Präsenz in Nordafrika und dem südeuropäischen Kriegsschauplatz.

Herkunft des Spitznamens

Der sarkastische Beiname der Mütze geht auf eine Äußerung von Reichsmarschall Hermann Göring zurück, der in einer Radioansprache prahlte, dass man ihn “Meier” nennen könne, falls auch nur ein einziger feindlicher Bomber deutsches Gebiet erreiche. Die Redewendung “Ich will Meier heißen” war im Deutschen ein geläufiges Idiom, das so viel bedeutete wie “das wird niemals geschehen” – ein Ausdruck absoluter Unmöglichkeit. Als alliierte Bomber dann tatsächlich deutsche Städte erreichten, wurde der Name zu einem spöttischen Ruf, den Truppen und Zivilisten gleichermaßen benutzten: “Hermann Meier!” Die Tropenschirmmütze der Luftwaffe, getragen von den Soldaten, die unter Görings nomineller Autorität dienten, wurde so zum Träger dieses bitteren Spotts.

Beschreibung und Konstruktion

Die Tropenschirmmütze wurde aus sandfarbenem Baumwolltwill gefertigt, einem Material, das als besonders wirksame Wüstentarnung galt – die Luftwaffe bevorzugte dabei einen gelblich-khakifarbenen Ton, der sich von der olivfarbenen Ausführung des Heeres unterschied. Die Mütze verfügte über eine halbsteife Bund-Konstruktion, die dem Stück Form verlieh, während die weiche, zusammendrückbare Krone mit je zwei Belüftungsösen an jeder Seite ausgestattet war. Ein besonderes Merkmal war der abnehmbare Nackenschutz (Havelock), der mittels drei Metallknöpfen an der Rückseite des Mützenbundes befestigt wurde. Dieses Detail war einzigartig für den tropischen Luftwaffe-Dienst.

Das vorliegende Exemplar zeigt die charakteristischen Bevo-gewebten Effekten – Mützenadler und Mützenschwinge – aus sandfarbenem Tuch, die per Hand vernäht wurden. Der intakte Ledersturmriemen aus schwarzem Leder ist erhalten. Im Inneren findet sich das typische rote Futter sowie der Kammerstempel “RB-Nr. 0/0250/2570” in der Größe 56½. Als Kammerstück wurde diese Mütze über das Bekleidungsdepot ausgegeben – tropische Uniformen und Kopfbedeckungen wurden Luftwaffe-Angehörigen kostenlos zur Verfügung gestellt, was vom üblichen System abwich, bei dem Offiziere ihre eigenen Uniformen kaufen mussten.

Bei der Standardausführung für Mannschaften und Unteroffiziere wurde ein Lederkinnriemen verwendet. Offiziere konnten nach persönlicher Vorliebe metallene Kinnschnüre anbringen – silbern bzw. aus Aluminium für Kompanie- und Stabsoffiziere, vergoldet für Generäle –, doch bei der Tropenschirmmütze wurde von allen Dienstgraden normalerweise der Lederkinnriemen getragen.

Einsatz im Kriegsschauplatz

Die Tropenschirmmütze wurde von Luftwaffe-Angehörigen in Nordafrika (vornehmlich Tunesien), auf Sizilien, in Süditalien und im südeuropäischen Raum (Griechenland, Balkan) von etwa 1941 bis 1943 getragen. Besonders eng verbunden ist sie mit dem Fallschirmjäger-Regiment 5 (FJR 5) in Tunesien sowie der Division Hermann Göring in Tunesien und Süditalien.

Die Division Hermann Göring wurde im Oktober 1942 aus der Brigade Hermann Göring aufgestellt und umfasste dabei rund 5.000 Luftwaffe-Freiwillige sowie das komplette Fallschirmjäger-Regiment 5. Teile der Division wurden ab November 1942 bis März 1943 stückweise nach Tunesien verlegt und dort unter der Kampfgruppe Schmid eingesetzt, die von Generalmajor Joseph Schmid kommandiert wurde. Der größte Teil dieser Truppen kapitulierte zusammen mit den Achsenmächten am 12.–13. Mai 1943 in Tunesien, wobei nur etwa 400 Mann im Kampf gefallen waren. Die Division wurde im Mai 1943 neu aufgestellt und kämpfte anschließend auf Sizilien (Juli 1943) und in Italien.

Entwicklung der Tropen-Kopfbedeckungen

Die Luftwaffe entwickelte ihre tropischen Uniformen in einem gelblich-khakifarbenen Baumwolltwill, der als wirksamere Wüstentarnung angesehen wurde als der olivfarbene Stoff des Heeres. Zu Beginn standen den Soldaten als Kopfbedeckungsoptionen die Feldmütze (Schiffchen), der Tropenhelm oder die hier beschriebene Tropenschirmmütze mit abnehmbarem Nackenschutz zur Verfügung. Im Laufe der Zeit wurde die Tropenschirmmütze durch Varianten der Heeres-Feldmütze M40 in Luftwaffe-Sandfarbe ersetzt.

Sammlerbedeutung

Nach der Kapitulation der Achsenmächte in Tunesien im Mai 1943 und dem Ende der großen Luftwaffe-Bodenoperationen in Nordafrika wurde die Tropenschirmmütze obsolet. Heute gehören Originalexemplare zu den begehrten Sammlerstücken im Bereich der deutschen Militaria des Zweiten Weltkriegs. Das vorliegende Stück in gebrauchtem Zustand mit seinen vollständigen Effekten, dem intakten Ledersturmriemen und dem erhaltenen Kammerstempel stellt ein authentisches Dokument des Luftwaffe-Einsatzes im Mittelmeerraum dar – und trägt zugleich den bitteren Humor einer Generation, die in der “Hermann-Meier-Mütze” ihren Spott über die leeren Versprechen der Führung verewigte.