Preussen Kriegsdenkmünze 1870/1871 für Nichtkämpfer - Miniatur
Preis pro Stück :
Es handelt sich hierbei um einen kleinen Restbestand eines Münchner Ordensgeschäfts. Die abgebildete Tüte ist im Angebot nicht enthalten.
Die Preußische Kriegsdenkmünze für Nichtkombattanten 1870/1871 in Miniaturausführung stellt ein faszinierendes Zeugnis der Ehrungskultur des Deutschen Kaiserreichs nach dem siegreichen Deutsch-Französischen Krieg dar. Diese kleine, nur 16 mm messende Variante der offiziellen Kriegsdenkmünze dokumentiert die umfassende Würdigung aller Bevölkerungsgruppen, die zum preußischen Sieg beigetragen haben.
Die reguläre Kriegsdenkmünze 1870/1871 wurde durch Allerhöchste Kabinetts-Order vom 20. Mai 1871 von König Wilhelm I. von Preußen, der wenige Monate zuvor zum Deutschen Kaiser proklamiert worden war, gestiftet. Diese Auszeichnung sollte nicht nur die kämpfenden Truppen ehren, sondern auch jene Personen, die im Hinterland wichtige Unterstützungsdienste geleistet hatten. Die Version für Nichtkombattanten unterschied sich in der Bandfarbe von jener für Kämpfer: Während Kombattanten ein schwarz-weißes Band mit orangefarbenen Rändern erhielten, trugen Nichtkombattanten ein gelbes Band mit schwarz-weißen Rändern.
Zu den berechtigten Empfängern der Nichtkombattanten-Version gehörten Ärzte, Krankenpfleger, Sanitätspersonal, Feldgeistliche, Beamte der Militärverwaltung, Kriegskommissare sowie Mitglieder der freiwilligen Krankenpflege und anderer Hilfsorganisationen. Auch Eisenbahnbeamte, die für den militärischen Transport zuständig waren, sowie Angehörige von Hilfskomitees konnten diese Auszeichnung erhalten. Die Verleihungskriterien waren klar definiert: Die Empfänger mussten während des Krieges aktive Dienste geleistet haben, die direkt oder indirekt zur Kriegsführung beitrugen.
Die Miniaturausführungen militärischer Orden und Ehrenzeichen hatten im deutschen Kaiserreich eine besondere Bedeutung. Sie wurden nicht als offizielle Verleihungsstücke ausgegeben, sondern konnten von den Trägern der regulären Auszeichnungen privat erworben werden. Diese Miniaturen, meist zwischen 13 und 18 mm groß, wurden zu besonderen Anlässen getragen, insbesondere bei zivilen Abendveranstaltungen oder in Uniform bei bestimmten Gelegenheiten, wo die regulären Ordensgrößen als zu auffällig galten. Sie wurden üblicherweise an einer Frackkette oder als Knopflochrosette getragen.
Die hier beschriebene Miniatur mit 16 mm Durchmesser entspricht den typischen Maßen solcher Stücke. Der Zustand von 2+ deutet auf eine sehr gut erhaltene, kaum getragene Medaille hin. Das Fehlen des Bandes ist bei Miniaturen nicht ungewöhnlich, da diese häufig ohne Band gehandelt und getragen wurden. Der Hinweis auf einen Restbestand eines Münchner Ordensgeschäfts ist historisch besonders interessant: München war neben Berlin eines der bedeutendsten Zentren für die Herstellung und den Handel mit militärischen Auszeichnungen im Deutschen Reich.
Die Ordensmanufakturen in München genossen einen ausgezeichneten Ruf. Firmen wie Gebrüder Hemmerle, Carl Poellath oder andere spezialisierte Goldschmiede und Juweliere belieferten nicht nur bayerische, sondern auch preußische und andere deutsche Kunden. Diese Geschäfte führten umfangreiche Lager an offiziellen und privat zu erwerbenden Auszeichnungen, Miniaturen und zugehörigem Zubehör. Nach dem Ersten Weltkrieg und besonders nach 1945 wurden viele dieser Bestände aufgelöst, was erklärt, warum solche Restbestände heute noch gelegentlich auf den Markt kommen.
Die historische Bedeutung der Kriegsdenkmünze 1870/1871 liegt in ihrer Funktion als Erinnerungsstück an einen der prägendsten Momente der deutschen Geschichte: Die Gründung des Deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles am 18. Januar 1871. Der Sieg über Frankreich bedeutete nicht nur die Einigung der deutschen Staaten unter preußischer Führung, sondern veränderte auch das europäische Mächtegleichgewicht grundlegend. Die Denkmünze wurde zu einem der meistverliehenen preußischen Ehrenzeichen, da praktisch alle Angehörigen der preußischen Armee sowie zahlreiche Zivilpersonen sie erhielten.
Für Sammler militärhistorischer Auszeichnungen sind Miniaturen wie diese von besonderem Interesse. Sie dokumentieren nicht nur die offizielle Ehrungskultur, sondern auch die private Tragepraxis und das Selbstverständnis der damaligen Ordensträger. Die Tatsache, dass jemand sich eine solche Miniatur anfertigen ließ oder erwarb, zeigt den persönlichen Stolz auf die erhaltene Auszeichnung und den Wunsch, diese auch bei passenden Gelegenheiten dezent zur Schau zu stellen.
Heute sind diese Miniaturen wertvolle Zeitdokumente, die uns helfen, die militärische und soziale Kultur des Deutschen Kaiserreichs besser zu verstehen. Sie verbinden handwerkliche Qualität mit historischer Bedeutung und bleiben gefragte Sammlerobjekte für Kenner der deutschen Militärgeschichte des 19. Jahrhunderts.