SS Porzellanmanufaktur Allach - Seydlitz-Kürassier zu Pferd

Entwurf Prof. Theodor Kärner, Modellnummer "17". Weißes, glasiertes Porzellan. Im Boden Künstlersignatur, Modellnummer und Manufakturmarke "SS" im Oktagon. Höhe ca. 30 cm. Die Figur hat ein paar ganz leichte Restaurierungen an den Zügeln etc., Zustand 2+.
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7.500,00

SS Porzellanmanufaktur Allach - Seydlitz-Kürassier zu Pferd

Die Porzellanmanufaktur Allach stellt ein bemerkenswertes, wenn auch kontroverses Kapitel in der Geschichte der deutschen Porzellanherstellung dar. Diese Manufaktur wurde 1935 in dem Münchner Vorort Allach gegründet und stand unter der direkten Kontrolle der SS (Schutzstaffel). Die vorliegende Figur des Seydlitz-Kürassiers zu Pferd mit der Modellnummer 17 gehört zu den bekanntesten Produktionen dieser Einrichtung.

Professor Theodor Kärner (1885-1966) schuf als einer der Hauptbildhauer der Manufaktur zahlreiche Entwürfe, die sich durch technische Perfektion und künstlerische Qualität auszeichneten. Kärner, der bereits vor der NS-Zeit als etablierter Bildhauer tätig war, spezialisierte sich auf die Darstellung historischer militärischer Motive. Die Seydlitz-Kürassier-Figur zeigt einen Reiter in der Uniform des berühmten preußischen Regiments, benannt nach dem legendären Kavalleriegeneral Friedrich Wilhelm von Seydlitz (1721-1773), der unter Friedrich dem Großen diente.

Die Porzellanmanufaktur Allach begann ihre Produktion zunächst in kleinem Maßstab, expandierte jedoch erheblich nach 1940, als ein zweites Werk im KZ Dachau errichtet wurde. Dort wurden Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt. Die Manufaktur produzierte ein breites Spektrum von Objekten: von Gebrauchsgeschirr über dekorative Figuren bis hin zu SS-spezifischen Ehrengeschenken wie Julleuchtern und anderen ideologisch aufgeladenen Stücken.

Die militärhistorischen Figuren, zu denen auch der Seydlitz-Kürassier gehört, bildeten eine eigene Kategorie innerhalb der Produktion. Diese Serien stellten historische deutsche Soldaten dar, von mittelalterlichen Rittern bis zu Soldaten des Ersten Weltkriegs. Die Figuren wurden in weißem, glasiertem Porzellan gefertigt, was ihnen ihre charakteristische elegante Erscheinung verlieh. Jedes Stück trug am Boden die Künstlersignatur, die Modellnummer und die distinctive Manufakturmarke – die stilisierten SS-Runen in einem Oktagon.

Das Kürassier-Regiment Seydlitz hatte eine ruhmreiche Geschichte in der preußischen und später deutschen Armee. Die Kürassiere waren schwere Kavallerie, die ursprünglich Brustpanzer (Küraß) trugen. Das nach Seydlitz benannte Regiment zeichnete sich in zahlreichen Schlachten aus, von den Schlesischen Kriegen bis zum Ersten Weltkrieg. Die Darstellung durch Kärner fängt die Pracht der historischen Uniformierung ein, mit detaillierter Wiedergabe der Ausrüstung, des Pferdegeschirrs und der charakteristischen Haltung.

Die Produktion dieser Figuren diente mehreren Zwecken. Einerseits waren sie kommerzielle Produkte, die verkauft wurden und Einnahmen generierten. Andererseits dienten sie der Pflege einer militaristischen Traditionslinie und der Heroisierung deutscher Militärgeschichte, was in die ideologische Agenda der SS passte. Die Qualität der Allacher Porzellane war jedoch unbestreitbar hoch, was sie bei Sammlern sowohl damals als auch in der Nachkriegszeit begehrt machte.

Nach Kriegsende 1945 wurde die Produktion eingestellt. Die Formen und Werkzeuge wurden teilweise zerstört, andere gingen an verschiedene Porzellanmanufakturen. Die Bewertung dieser Objekte ist bis heute komplex: Sie sind einerseits Zeugnisse handwerklicher Exzellenz und künstlerischer Gestaltung, andererseits untrennbar mit dem verbrecherischen Regime und der Zwangsarbeit im KZ Dachau verbunden.

Aus sammlerischer Perspektive gehören Allacher Figuren wie der Seydlitz-Kürassier zu den dokumentarisch wichtigen Objekten. Sie illustrieren die Instrumentalisierung von Kunst und Handwerk für propagandistische Zwecke, die technischen Möglichkeiten der Porzellanherstellung in den 1930er und 1940er Jahren sowie die Bedeutung militärhistorischer Traditionspflege in der NS-Zeit. Die typische Höhe von circa 30 cm macht diese Figuren zu imposanten Schaustücken.

Heute befinden sich Beispiele dieser Manufaktur in musealen Sammlungen weltweit, wo sie in ihrem historischen Kontext präsentiert werden. Der Handel mit solchen Objekten ist legal, steht aber unter besonderer Beobachtung, um sicherzustellen, dass keine Glorifizierung des NS-Regimes damit einhergeht. Für die militärhistorische Forschung bleiben sie wichtige Quellen zum Verständnis der materiellen Kultur und Repräsentationsformen jener Epoche.

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