Tapferkeitsauszeichnung für Ostvölker 2. Klasse in Silber

Feinzink versilbert, komplett am original Band mit Tragenadel. Zustand 2.
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170,00

Tapferkeitsauszeichnung für Ostvölker 2. Klasse in Silber

Die Tapferkeitsauszeichnung für Ostvölker 2. Klasse in Silber stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der nationalsozialistischen Auszeichnungspolitik während des Zweiten Weltkrieges dar. Diese Dekoration gehört zu einer speziellen Kategorie von Orden und Ehrenzeichen, die ausschließlich für Angehörige der sogenannten “Ostvölker” geschaffen wurden, die in deutschen Verbänden kämpften.

Am 14. Juli 1942 stiftete Adolf Hitler durch einen Führererlass diese Auszeichnungsgruppe, die sich ausschließlich an Freiwillige aus den besetzten Ostgebieten richtete. Die rechtliche Grundlage bildete die Verordnung über die Stiftung von Tapferkeits- und Verdienstauszeichnungen für Angehörige der Ostvölker. Diese Auszeichnungen waren Teil einer umfassenderen Propagandastrategie, mit der man die Kollaboration von Nicht-Deutschen in der Wehrmacht und bei anderen militärischen Formationen fördern wollte.

Die Tapferkeitsauszeichnung existierte in zwei Klassen: der 1. Klasse in Gold und der hier vorliegenden 2. Klasse in Silber. Beide Stufen konnten für Tapferkeit im Angesicht des Feindes verliehen werden, wobei die 1. Klasse für außergewöhnliche Leistungen vorbehalten war. Die Verleihungskriterien entsprachen in etwa denen für deutsche Soldaten geltenden Bestimmungen für das Eiserne Kreuz, allerdings durften diese Auszeichnungen ausschließlich an Nicht-Deutsche vergeben werden.

Das Design der Auszeichnung unterschied sich deutlich von traditionellen deutschen Militärorden. Die Medaille zeigt auf der Vorderseite typischerweise ein Schwert mit einem Hakenkreuz, umgeben von einem Lorbeerkranz. Die handwerkliche Ausführung erfolgte meist aus Feinzink, das dann versilbert wurde – ein materialökonomisches Verfahren, das der Kriegswirtschaft geschuldet war. Edelmetalle waren knapp und wurden für wichtigere Kriegszwecke benötigt.

Das Trageband der 2. Klasse war in charakteristischen Farben gehalten: hellblau mit weißen Streifen an den Rändern. Diese Farbkombination unterschied die Auszeichnung optisch von anderen deutschen Militärdekorationen und machte den besonderen Status der Träger sofort erkennbar. Die Auszeichnung wurde an der linken Brustseite getragen, befestigt durch eine Tragenadel auf der Rückseite.

Die Empfänger dieser Auszeichnungen stammten aus verschiedenen Völkerschaften der Sowjetunion und anderer Ostgebiete. Dazu gehörten Kosaken, Ukrainer, Balten, Kaukasier und Angehörige verschiedener zentralasiatischer Völker. Viele dieser Männer dienten in den sogenannten Osttruppen oder Ostlegionen, die ab 1941 in zunehmendem Umfang aufgestellt wurden. Die Motivation dieser Freiwilligen war unterschiedlich: antikommunistische Überzeugung, nationalistische Hoffnungen, wirtschaftliche Not oder Zwang.

Die historische Einordnung dieser Auszeichnung ist komplex und problematisch. Sie steht im Kontext der nationalsozialistischen Rassenpolitik, die grundsätzlich slawische und andere osteuropäische Völker als minderwertig betrachtete. Die Schaffung solcher Auszeichnungen zeigt die ideologischen Widersprüche des NS-Regimes: Einerseits wurden diese Völker diffamiert, andererseits benötigte man ihre militärische Unterstützung angesichts der sich verschlechternden militärischen Lage.

Die Produktionszahlen dieser Auszeichnungen sind schwer zu bestimmen. Verschiedene Hersteller fertigten diese Orden während des Krieges, wobei die Qualität variierte. Die hier beschriebene Ausführung aus versilbertem Feinzink entspricht der typischen Kriegsproduktion ab 1942/43. Sammler und Historiker unterscheiden heute verschiedene Herstellervarianten, die sich in Details wie der Punzierung, der Qualität der Versilberung und der Ausführung des Schwertmotivs unterscheiden.

Nach dem Kriegsende 1945 wurde das Tragen aller nationalsozialistischen Auszeichnungen in Deutschland verboten. Viele Träger der Ostvölker-Auszeichnungen befanden sich in einer besonders prekären Situation: In der Sowjetunion galten sie als Verräter und mussten mit schweren Strafen rechnen. Viele wurden in Gulags deportiert oder hingerichtet. Im Westen wurden sie oft in ihre Heimatländer zurückgeschickt, wo ihnen ähnliche Schicksale drohten.

Heute sind diese Auszeichnungen wichtige historische Dokumente, die die komplexe Geschichte des Zweiten Weltkrieges im Osten illustrieren. Sie erinnern an die tragischen Schicksale derjenigen, die zwischen die Fronten gerieten und an die moralischen Kompromisse, zu denen Krieg und totalitäre Herrschaft Menschen zwingen können. Für die militärhistorische Forschung bieten sie wichtige Einblicke in die Kollaborationspolitik des NS-Regimes und die Zusammensetzung der deutschen Streitkräfte in der Spätphase des Krieges.