Deutsches Kaiserreich Schutzgebiet ( Kolonie ) Foto, Einheimische in Deutsch-Südwestafrika
Diese Fotografie zeigt einheimische Menschen in Deutsch-Südwestafrika, der deutschen Kolonie, die von 1884 bis 1915 auf dem Gebiet des heutigen Namibia bestand. Mit einer Fläche von 835.100 km² war das Schutzgebiet etwa anderthalbmal so groß wie das Deutsche Kaiserreich selbst und stellte die einzige deutsche Kolonie dar, in der sich eine bedeutende Anzahl deutscher Siedler niederließ.
Die demografische Entwicklung der deutschen Bevölkerung verlief dynamisch: Im Jahr 1903 lebten etwa 2.200 Deutsche in Südwestafrika, 1909 waren es bereits etwa 9.400, und 1914 machten etwa 12.300 Deutsche die Mehrheit der 14.800 Weißen in der Kolonie aus. Diese Siedlerbewegung führte zu zunehmenden Spannungen mit der einheimischen Bevölkerung, insbesondere bezüglich der Weide- und Wasserrechte.
Die Konflikte zwischen Deutschen und Afrikanern eskalierten 1904 aufgrund von Unterdrückungsmaßnahmen und Streitigkeiten über Weide- und Wasserrechte zum Krieg. Das Deutsche Reich entsandte ein Expeditionskorps unter General Lothar von Trotha, um den Widerstand der Herero und Nama niederzuschlagen. Die deutschen Kolonialtruppen führten von 1904 bis 1908 eine Vergeltungskampagne durch, die heute als Völkermord an den Herero und Nama bekannt ist. Ab 1907 wurde jeder Afrikaner ab sieben Jahren gezwungen, eine “Eingeborenen-Passmarke” bei sich zu tragen, die auf Verlangen jedem Weißen vorgezeigt werden musste.
Fotografien wie diese wurden zwischen den 1870er Jahren und dem frühen zwanzigsten Jahrhundert in großer Zahl in den Kolonien im südlichen und östlichen Afrika produziert. Das Spektrum umfasste Porträts, Cartes de Visite, Postkarten und Albumseiten. Kabinettkarten wurden nach 1870 weithin für die fotografische Porträtfotografie verwendet, wobei die letzten Kabinettkarten in den 1920er Jahren produziert wurden. Die Motive dieser Kolonialfotografien zeigten häufig einheimische Völker wie die Herero, Massai, San, Waaruscha und viele andere.
Die Deutsche Kolonialgesellschaft (DKG), die 1887 gegründet wurde, sammelte zahlreiche Fotografien für ihre Propagandaaktivitäten und öffentliche Vorträge in Deutschland. Diese Bilder wurden genutzt, um Vorträge über die Kolonien zu illustrieren, wobei die einheimische Bevölkerung als traditionsbewusst, fröhlich, kindlich-naiv und als willige Arbeitsreserve dargestellt wurde. Mehr als 50.000 historische Fotografien aus der Sammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft wurden von der Universitätsbibliothek Frankfurt digitalisiert.
Das Territorium wurde 1915 während des Ersten Weltkriegs von Truppen der Südafrikanischen Union erobert. Deutschland trat dieses Gebiet erst mit dem Versailler Vertrag von 1919 offiziell ab. Die Verwaltung wurde von der Südafrikanischen Union übernommen und als Südwestafrika unter einem Völkerbundmandat verwaltet. Am 21. März 1990 wurde das Gebiet als Namibia unabhängig.
Die koloniale Fotografie erfuhr auch nach dem Verlust der Kolonien eine Fortsetzung. 1939 veröffentlichte die Fotografin Ilse Steinhoff ein Fotoalbum ihrer Reise von 1937 in die ehemaligen deutschen Kolonien Südwest- und Ostafrika. Sie verband dabei die Fantasie der Vergangenheit mit den Idealen des nationalsozialistischen Deutschland, um den kolonialen Revisionismus im Dritten Reich zu fördern. Kolonialfotografien finden sich heute in Sammlungen wie dem Preußischen Geheimen Staatsarchiv in Berlin.
Die vorliegende Fotografie ist auf Pappe geklebt und misst etwa 23 x 17 cm. Der Erhaltungszustand wird mit 2 angegeben, was auf einen guten Zustand mit kleineren Mängeln hinweist.