Offizielles Teilnehmerabzeichen des V. Internationalen Prüfungs- und Treuhandkongresses, Berlin 1938
Dieses offizielle Teilnehmerabzeichen ist ein seltenes Zeugnis eines bemerkenswerten Ereignisses der internationalen Wirtschaftsgeschichte: des V. Internationalen Prüfungs- und Treuhandkongresses, der 1938 in Berlin abgehalten wurde. Es handelt sich um ein fein emailliertes Abzeichen aus Buntmetall mit Quernadel, das in besonders schöner Ausführung gefertigt wurde und sich heute im Zustand 2 befindet. Für Sammler stellt dieses Stück ein faszinierendes Dokument dar, das an der Schnittstelle von Berufsgeschichte, internationaler Diplomatie und nationalsozialistischer Instrumentalisierung steht.
Der Kongress und seine Organisation
Der V. Internationale Prüfungs- und Treuhandkongress – in der internationalen Literatur auch als 5th International Accountants Congress oder 5th International Congress on Accounting bekannt – war der erste und einzige derartige Kongress, der jemals in Deutschland stattfand, und zugleich der dritte internationale Buchprüferkongress, der in Europa abgehalten wurde. Die Veranstaltung fand im September 1938 in der Reichshauptstadt Berlin statt.
Die Organisation des Kongresses lag in den Händen zweier prominenter Persönlichkeiten des deutschen Prüfungswesens. Dr. Otto Mönckmeier, Funktionär des Nationalsozialistischen Rechtswahrerbundes (NSRB) und Vorsitzender des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), fungierte als Präsident des Kongresses. Sein Stellvertreter war Dr. Wilhelm Voss, ein bedeutender Wirtschaftsprüfer und Vorsitzender der Deutschen Revisions- und Treuhand AG, der maßgeblich dafür verantwortlich war, den Kongress nach Deutschland geholt zu haben.
Historischer Kontext: Das Wirtschaftsprüfungswesen im Nationalsozialismus
Um die Bedeutung dieses Abzeichens zu verstehen, muss man den umfassenden Kontext der Gleichschaltung des deutschen Wirtschaftsprüfungswesens betrachten. Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW), erst 1932 gegründet, erhielt bereits im Mai 1933 die staatliche Anerkennung als „allein maßgebliche Berufsvertretung“. Im Juni 1934 ordnete das Reichswirtschaftsministerium die Pflichtmitgliedschaft aller Wirtschaftsprüfer im IDW an. Die berufliche Selbstverwaltung war damit faktisch unter staatliche Kontrolle gebracht worden.
In den Jahren 1934, 1936 und 1938 trafen sich Angehörige des Prüfungs- und Treuhandberufes bei zwei nationalen Tagungen in Bad Harzburg (1934) und Weimar (1936) sowie beim internationalen Kongress in Berlin (1938). Diese Tagungen fanden unter intensiver Beteiligung nationalsozialistischer Politiker und Organisationen statt. Das Berufswesen der Wirtschaftsprüfung wurde auf der Grundlage von Arisierung und parteistaatlicher Kontrolle neu organisiert.
Der Kongress als politische Bühne
Der Berliner Kongress von 1938 stellte die prominenteste Begegnung zwischen dem internationalen Buchprüfungsberuf und dem Hitler-Staat dar. Die internationale Fachwelt betrat damit eine hochpolitisierte Arena und pflegte Kontakte mit Personen, die später als Kriegsverbrecher verurteilt werden sollten – und dies auf dem Höhepunkt der Appeasement-Politik.
Ausländische Gäste wurden während des Kongresses mehrfach von Vertretern der Reichsregierung, dem Reichsrechtsführer, dem Berliner Oberbürgermeister und Mitgliedern der Akademie empfangen. Den Kongressteilnehmern wurde ein umfangreiches Rahmenprogramm mit zahlreichen gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen, Besichtigungen und Exkursionen geboten.
Allerdings war der Kongress auch von den Spannungen der Zeit überschattet. Die sogenannte Sudetenkrise führte dazu, dass viele ausländische Teilnehmer, die sich bereits angemeldet hatten, aus Angst vor kriegerischen Auseinandersetzungen ihre Teilnahme absagten.
Mediale Resonanz und Dokumentation
Die Berliner Zeitungen, darunter der Berliner Lokal-Anzeiger, das Berliner Tageblatt und die Deutsche Allgemeine Zeitung, berichteten zwischen dem 17. und 24. September 1938 über den Kongress. Eine umfassende vierbändige Kongressdokumentation von rund 2.700 Seiten wurde 1939 veröffentlicht, die sämtliche Ansprachen, Vorträge, Berichte und Diskussionen enthielt.
Nachgeschichte
Der Berliner Kongress von 1938 war der letzte seiner Art vor dem Zweiten Weltkrieg. Der nächste, der 6. Weltkongresss der Wirtschaftsprüfer, fand erst 1952 in London statt – nach einer kriegsbedingten Unterbrechung von 14 Jahren. Die Kongressreihe wurde in der Folge unter der Schirmherrschaft der späteren International Federation of Accountants (IFAC) fortgeführt.
Bedeutung für Sammler
Dieses Teilnehmerabzeichen ist ein materielles Zeugnis eines Ereignisses, das an der Schnittstelle von beruflicher Internationalität und nationalsozialistischer Propaganda stand. Die feine Emaillierung und die sorgfältige Ausführung in Buntmetall zeugen von dem repräsentativen Anspruch, mit dem das NS-Regime den internationalen Kongress inszenierte. Als greifbares Artefakt eines einmaligen historischen Moments – der einzige internationale Buchprüferkongress auf deutschem Boden – besitzt dieses Abzeichen sowohl sammlungshistorische als auch zeitgeschichtliche Relevanz.