Preußen Einzel Schulterstück für einen Leutnant im Infanterie-Regiment Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westfälisches) Nr. 15

Um 1910. Hellblaue Tuchunterlage mit Schlaufe. Zustand 2.

Konnte so auch in der Elsässischen Train-Abteilung Nr. 15 getragen worden sein.
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55,00

Preußen Einzel Schulterstück für einen Leutnant im Infanterie-Regiment Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westfälisches) Nr. 15

Das Schulterstück eines preußischen Leutnants des Infanterie-Regiments Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westfälisches) Nr. 15 repräsentiert einen bedeutenden Aspekt der militärischen Rangabzeichen und Uniformtradition des Deutschen Kaiserreichs in der Zeit um 1910. Diese Epauletten waren nicht nur funktionale Uniformbestandteile, sondern auch wichtige Statussymbole innerhalb der streng hierarchisch organisierten preußischen Armee.

Das Regiment selbst wurde 1813 während der Befreiungskriege aufgestellt und erhielt seinen Namen zu Ehren des Prinzen Friedrich der Niederlande, des späteren Königs der Niederlande. Als 2. Westfälisches Infanterie-Regiment war die Einheit in der Provinz Westfalen stationiert, mit Garnisonen in verschiedenen Städten dieser Region. Die Verbindung zum niederländischen Königshaus spiegelte die dynastischen und militärischen Beziehungen wider, die nach den napoleonischen Kriegen zwischen Preußen und den Niederlanden bestanden.

Die hellblaue Tuchunterlage des Schulterstücks war ein charakteristisches Merkmal der preußischen Infanterie und diente der schnellen Identifikation der Waffengattung. Die Farbgebung folgte den strengen Vorschriften der Anzug-Ordnung für die Königlich Preußische Armee, die jedes Detail der Uniformierung festlegte. Hellblau war die traditionelle Waffenfarbe der Infanterie und unterschied diese von anderen Waffengattungen wie der Kavallerie (verschiedene Farben) oder der Artillerie (rot).

Der Rang eines Leutnants markierte den Einstieg in die Offizierskarriere. Leutnants waren typischerweise junge Männer aus dem Bürgertum oder dem niederen Adel, die eine umfassende militärische Ausbildung an einer Kriegsschule oder als Fahnenjunker absolviert hatten. Das Schulterstück eines Leutnants unterschied sich von dem höherer Offiziersränge durch spezifische Details in der Gestaltung der Geflechte und Sterne, die nach der jeweiligen Rangstufe variierten.

Die Schlaufe an der Unterseite des Schulterstücks diente der praktischen Befestigung auf der Schulter der Uniform. Diese Konstruktion ermöglichte es, das Schulterstück sicher anzubringen und bei Bedarf auszutauschen, etwa beim Wechsel zwischen verschiedenen Uniformarten (Paradeuniform, Dienstanzug, Ausgehuniform). Die handwerkliche Qualität dieser Stücke war in der Regel sehr hoch, da sie oft von spezialisierten Militäreffekten-Herstellern gefertigt wurden.

Die Datierung um 1910 platziert dieses Schulterstück in die späte Wilhelminische Ära, eine Zeit relativen Friedens, aber auch wachsender militärischer Spannungen in Europa. In diesen Jahren vor dem Ersten Weltkrieg erreichte die preußisch-deutsche Militärtradition ihren Höhepunkt. Die Armee genoss hohes gesellschaftliches Ansehen, und die Uniform mit all ihren Abzeichen war Ausdruck dieses Status.

Besonders interessant ist der Hinweis, dass ein identisches Schulterstück auch in der Elsässischen Train-Abteilung Nr. 15 getragen werden konnte. Der Train war die Versorgungstruppe der preußischen Armee, zuständig für Transport und Logistik. Die Möglichkeit, dass dasselbe Schulterstück in verschiedenen Einheiten mit der Nummer 15 verwendet wurde, zeigt die Standardisierung innerhalb des preußischen Militärsystems, aber auch die Bedeutung der Regimentsnummer als Identifikationsmerkmal.

Das Reichsland Elsaß-Lothringen war nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 Teil des Deutschen Reichs geworden. Die dort stationierten Truppen spielten eine wichtige strategische Rolle an der Westgrenze des Reichs. Die Train-Einheiten waren besonders wichtig für die Mobilmachungspläne, die im Kriegsfall eine schnelle Verlegung großer Truppenkontingente ermöglichen sollten.

Schulterstücke wie dieses waren Teil eines komplexen Systems von Rangabzeichen und Distinktionen, das die preußische Armee charakterisierte. Neben der Waffenfarbe und dem Rang konnten auch Regimentsnummern, Monogramme oder besondere Auszeichnungen auf den Schulterstücken angebracht sein. Für Sammler und Historiker sind diese Details von großer Bedeutung, da sie die genaue Zuordnung zu einer bestimmten Einheit und einem bestimmten Zeitraum ermöglichen.

Der Zustand 2 weist auf einen gut erhaltenen Zustand hin, was bei einem über hundert Jahre alten Textilstück bemerkenswert ist. Dies deutet darauf hin, dass das Schulterstück entweder sorgfältig aufbewahrt wurde oder möglicherweise nur zu besonderen Anlässen getragen wurde. Viele Offiziere besaßen mehrere Sätze von Schulterstücken für verschiedene Uniformkombinationen.

Diese militärischen Insignien sind heute wichtige historische Quellen für das Verständnis der preußischen Militärorganisation, der sozialen Strukturen des Kaiserreichs und der Entwicklung, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führte. Sie dokumentieren eine Epoche deutscher Geschichte, in der das Militär eine zentrale gesellschaftliche Rolle spielte und militärische Tradition als hohes kulturelles Gut galt.

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