Preußen Koller für Mannschaften im Kürassier-Regiment von Driesen (Westfälisches) Nr. 4

Standort Münster. Fertigung in schwerer Kammerqualität, um 1900.. Tuch aus schwerem Kirsey mit roten Ärmelaufschlägen und Kragen, rot-weiß-rote Kollerborte, auf den Schultern die weißen Schulterklappen mit roten Vorstößen. Innen mit dem typischen weißen Leinenfutter. Keine Kammerstempel, im Nacken mit eingestickten Trägerinitialen "R B" sowie alte Inventarnummer. Getragen, mit typischen Trage- und Altersspuren, Zustand 2.
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3.200,00

Der Koller des Kürassier-Regiments von Driesen (Westfälisches) Nr. 4 – Ein Zeugnis preußischer Kavallerie-Tradition

Das vorliegende Stück ist ein Koller für Mannschaften des Kürassier-Regiments von Driesen (Westfälisches) Nr. 4, gefertigt um 1900 in schwerer Kammerqualität. Es verkörpert die Tradition einer der ältesten und renommiertesten schweren Kavallerie-Einheiten der preußischen Armee und bietet dem Sammler einen faszinierenden Einblick in die Uniformgeschichte der wilhelminischen Epoche.

Zum Uniformstück: Der Koller

Der Koller war eine hüftlange Jacke mit Schößen, die anstelle von Knöpfen mit Haken und Ösen verschlossen wurde. Dieses Uniformstück wurde 1842 bei den preußischen Kürassier-Regimentern eingeführt und ersetzte den bis dahin getragenen Uniformrock. Der Koller wurde als Teil der Dienst- und Paradeuniform der schweren Kavallerie getragen – und zwar unter dem Metallkürass, jener Kombination aus Brust- und Rückenplatte, die den Kürassieren ihren Namen gab. Der Koller blieb bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Gebrauch, als er durch praktischere Felduniformen ersetzt wurde.

Der vorliegende Koller besteht aus schwerem Kirsey, einem groben Wollstoff. Er weist rote Ärmelaufschläge im schwedischen Schnitt sowie einen roten Kragen auf. Die Kollerborte in den Farben Rot-Weiß-Rot ziert Kragen und Aufschläge. Auf den Schultern befinden sich weiße Schulterklappen mit roten Vorstößen. Das Innere ist mit dem für Kammerstücke typischen weißen Leinenfutter ausgekleidet. Für das Kürassier-Regiment Nr. 4 war Rot die vorgeschriebene Abzeichenfarbe. Offiziere trugen eine ähnliche Version des Kollers, jedoch aus feineren Materialien wie Satin, Düffel oder Eskimotuch, mit gemusterten Gold- oder Silberborten anstelle der schlichten Mannschaftsborte.

Bemerkenswert an diesem Exemplar ist, dass trotz der Zuordnung als Kammerqualität – also als staatlich gefertigtes, in Bekleidungsdepots nach militärischen Vorgaben produziertes Stück – keine Kammerstempel vorhanden sind. Im Nacken finden sich jedoch eingestickte Trägerinitialen “R B” sowie eine alte Inventarnummer, was auf eine reguläre militärische Verwendung hindeutet. Die Identität des Trägers lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht ermitteln.

Das Regiment: Vom Dragonerregiment zum Kürassier-Regiment

Die Geschichte des Kürassier-Regiments von Driesen (Westfälisches) Nr. 4 reicht über zwei Jahrhunderte zurück. Es wurde am 17. Juli 1717 als Dragonerregiment gegründet und am 27. Mai 1819 zum Kürassier-Regiment umgewandelt. Den Ehrennamen “von Driesen” erhielt es am 27. Januar 1889 durch Kaiser Wilhelm II., in Erinnerung an den preußischen Generalleutnant Georg Wilhelm von Driesen (1700–1758).

Ab 1871 war das Regiment vorwiegend in Münster in Westfalen stationiert, wobei ab 1885 alle Schwadronen dort zusammengezogen waren. In Friedenszeiten bestand das Regiment aus fünf Schwadronen. Seine Mitglieder rekrutierten sich unter anderem aus dem westfälischen Adel und den gehobenen Gesellschaftsschichten.

Bewährung in den Kriegen Preußens und des Deutschen Reiches

Das Regiment blickt auf eine bewegte Kriegsgeschichte zurück. Es nahm an den Schlesischen Kriegen der 1740er Jahre, dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763), den Napoleonischen Kriegen (1806–1815) sowie den Einigungskriegen (1864, 1866, 1870–71) teil.

Besonders hervorzuheben ist die Schlacht bei Heilsberg am 10. Juni 1807 während der Napoleonischen Kriege: Die Leistung des Regiments war derart herausragend, dass 16 Offiziere mit dem Pour le Mérite, der höchsten preußischen Tapferkeitsauszeichnung, geehrt wurden.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870–71 zeichnete sich das Regiment besonders in den Schlachten bei Vionville und Mars-la-Tour aus. Nach seiner Rückkehr nach Münster am 17. Juni 1871 verblieb es dort bis zum Ersten Weltkrieg.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Regiment sowohl an der West- als auch an der Ostfront. Die Gesamtverluste des Regiments während des Krieges beliefen sich auf 216 Gefallene, wie auf einer veröffentlichten Ehrentafel verzeichnet.

Das Ende und das Vermächtnis

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Kürassier-Regiment von Driesen im Jahr 1919 aufgelöst. Seine Tradition wurde in der Reichswehr von der 6. Schwadron des 15. (Preußischen) Reiter-Regiments fortgeführt, die in der alten Kürassier-Kaserne in Münster stationiert war. In Münster wurden 1924 und 1930 Gedenkstätten für das Regiment errichtet, eine dritte folgte 1964. Das Regiment wird als eine der Elite-Einheiten der schweren preußischen Kavallerie in Erinnerung behalten.

Der vorliegende Koller, mit seinen typischen Trage- und Altersspuren, ist ein greifbares Relikt dieser langen und ehrenvollen Geschichte. Als Mannschaftsstück aus der Zeit um 1900 repräsentiert es die späte kaiserliche Periode unter Wilhelm II. und erinnert an den alltäglichen Dienst der Kürassiere in der Garnisonsstadt Münster – Soldaten wie den unbekannten Träger “R B”, die in einer über zweihundertjährigen Regimentstradition standen.