Reichsbund der Kinderreichen Deutschlands zum Schutze der Familie ( RDK ) - Abzeichen für Mitarbeiter der Landesverbandsleitung : Landeswart, Landesamtswart, Landeskassenwart, Landessippenwart
Das Reichsbund der Kinderreichen Deutschlands zum Schutze der Familie (RDK) war eine Organisation im nationalsozialistischen Deutschland, die sich offiziell dem Schutz und der Förderung kinderreicher Familien widmete. Das vorliegende Abzeichen für Mitarbeiter der Landesverbandsleitung stellt ein wichtiges Zeugnis der organisatorischen Struktur und der bevölkerungspolitischen Bestrebungen des NS-Regimes dar.
Der Reichsbund der Kinderreichen wurde bereits in der Weimarer Republik gegründet, erfuhr jedoch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 eine grundlegende Neuausrichtung. Die Organisation wurde in das nationalsozialistische Herrschaftssystem eingegliedert und diente fortan der Umsetzung der rassistischen Bevölkerungspolitik des Regimes. Der RDK stand unter der Schirmherrschaft des Reichsinnenministeriums und arbeitete eng mit anderen NS-Organisationen zusammen.
Die Abzeichen für Funktionäre der Landesverbandsleitung wurden in verschiedenen Ausführungen hergestellt, je nach der spezifischen Funktion des Trägers. Die genannten Positionen – Landeswart, Landesamtswart, Landeskassenwart und Landessippenwart – bildeten die mittlere Führungsebene der Organisation auf Landesebene. Der Landeswart war für die allgemeine Leitung des Landesverbandes verantwortlich, während der Landesamtswart administrative Aufgaben übernahm. Der Landeskassenwart verwaltete die finanziellen Angelegenheiten, und der Landessippenwart war für die genealogischen und “rassischen” Überprüfungen zuständig – ein besonders bedeutsamer Posten im Kontext der NS-Ideologie.
Das Abzeichen wurde vom renommierten Hersteller Steinhauer & Lück aus Lüdenscheid produziert. Diese Firma gehörte zu den führenden Herstellern von Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen während des Dritten Reiches. Die Kennzeichnung “GES.GESCH.” (Gesetzlich Geschützt) weist auf die offizielle Autorisierung und das geschützte Design hin. Die Qualität der Fertigung von Steinhauer & Lück war allgemein anerkannt, und ihre Produkte zeichneten sich durch präzise Verarbeitung und Detailtreue aus.
Die Mitgliedschaft im RDK war theoretisch für alle deutschen Familien mit vier oder mehr Kindern möglich, wobei jedoch strenge “rassische” Kriterien angelegt wurden. Die Organisation bot ihren Mitgliedern verschiedene Vergünstigungen und sollte das gesellschaftliche Ansehen kinderreicher Familien heben. Hinter dieser scheinbar sozialen Fassade stand jedoch die nationalsozialistische Ideologie der “Aufnordung” und Steigerung der Geburtenrate der als “arisch” eingestuften Bevölkerung.
Die hierarchische Struktur des RDK spiegelte die typische Organisation nationalsozialistischer Verbände wider. Neben der Reichsleitung in Berlin existierten Landesverbände, Kreisverbände und Ortsgruppen. Die Funktionäre trugen bei offiziellen Anlässen ihre Dienstabzeichen, um ihre Position innerhalb der Organisation sichtbar zu machen. Diese Abzeichen dienten sowohl der Identifikation als auch der Repräsentation der NS-Bevölkerungspolitik.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der RDK zusammen mit allen anderen NS-Organisationen aufgelöst. Die Abzeichen und Auszeichnungen der Organisation sind heute Sammlerstücke und Dokumente einer dunklen Epoche deutscher Geschichte. Sie erinnern an die Instrumentalisierung sozialpolitischer Anliegen für rassistische und bevölkerungspolitische Ziele des nationalsozialistischen Regimes.
Der Erhaltungszustand dieses Exemplars wird mit “Zustand 2” angegeben, was in der Sammlernomenklatur einen sehr guten bis guten Zustand mit geringen Gebrauchsspuren bedeutet. Die Nadel als Befestigungsmechanismus war bei derartigen Funktionsabzeichen der Standard und ermöglichte das Tragen an der Uniform oder Zivilkleidung.