Saargebiet - Westmark - Sängerbund Westmark

Mitgliedsabzeichen, Hersteller : E. Schmidtschüssler Pforzheim, an langer Nadel, Zustand 2.
359534
€ 150,00

Saargebiet - Westmark - Sängerbund Westmark

Das vorliegende Mitgliedsabzeichen des Sängerbundes Westmark repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Kulturgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus und der damit verbundenen territorialen Umgestaltungen im westdeutschen Grenzgebiet.

Das Saargebiet hatte nach dem Ersten Weltkrieg eine besondere Stellung. Gemäß dem Versailler Vertrag von 1919 wurde es unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt, während die wirtschaftliche Kontrolle über die Kohlengruben an Frankreich als Reparation für die Zerstörungen im Ersten Weltkrieg überging. Diese Sonderstellung sollte 15 Jahre andauern, nach denen eine Volksabstimmung über die Zukunft des Gebietes entscheiden sollte.

Die Volksabstimmung fand am 13. Januar 1935 statt und ergab mit über 90 Prozent der Stimmen ein eindeutiges Votum für die Rückkehr zum Deutschen Reich. Dieses Ergebnis wurde von den Nationalsozialisten propagandistisch ausgeschlachtet und als großer Sieg gefeiert. Die Rückgliederung erfolgte am 1. März 1935.

Mit der Machtübernahme und der zunehmenden Konsolidierung der nationalsozialistischen Herrschaft wurde 1940 die administrative Neuordnung der westlichen Grenzgebiete vollzogen. Der Gau Westmark wurde am 8. April 1940 durch Zusammenlegung der Gaue Saar-Pfalz und Teilen anderer Gebiete geschaffen. Gauleiter war Josef Bürckel, der zuvor bereits als Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes und später als Gauleiter der Saarpfalz fungiert hatte.

Der Begriff “Westmark” war Teil der nationalsozialistischen Terminologie für Grenzregionen und sollte die deutsche Präsenz und den Anspruch auf diese Gebiete unterstreichen. Ähnliche Begriffe wie “Ostmark” für Österreich oder “Nordmark” für Schleswig-Holstein dienten derselben ideologischen Zielsetzung.

In diesem Kontext entstanden zahlreiche Organisationen und Vereine, die unter nationalsozialistischer Kontrolle oder zumindest im Sinne der NS-Ideologie organisiert waren. Der Sängerbund Westmark war eine solche Organisation, die das traditionelle deutsche Chorwesen mit der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik verband. Die deutschen Gesangsvereine hatten eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichte und eng mit dem deutschen Nationalismus verbunden war.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurden die zahlreichen Gesangsvereine und Chorverbände schrittweise gleichgeschaltet. Der Deutsche Sängerbund, der größte Dachverband, wurde 1933 aufgelöst und in das Deutsche Sängerbundesamt überführt, das wiederum Teil der NS-Gemeinschaft “Kraft durch Freude” wurde. Diese Gleichschaltung diente dazu, das Chorwesen für propagandistische Zwecke zu instrumentalisieren.

Das vorliegende Abzeichen wurde vom Hersteller E. Schmidtschüssler aus Pforzheim gefertigt. Pforzheim war und ist bis heute ein Zentrum der deutschen Schmuck- und Metallindustrie. Zahlreiche Firmen in Pforzheim fertigten während der NS-Zeit Abzeichen, Orden und Ehrenzeichen für verschiedene Organisationen, sowohl staatliche als auch halbstaatliche und Parteiorganisationen.

Die Firma Schmidtschüssler gehörte zu den etablierten Herstellern von Vereinsabzeichen und Ehrenzeichen. Die Qualität der Fertigung und die handwerkliche Ausführung solcher Abzeichen variierten je nach Verwendungszweck und Zeitpunkt der Herstellung. Während in der Anfangszeit oft noch hochwertige Materialien und aufwendige Herstellungstechniken verwendet wurden, führte der zunehmende Materialmangel im Verlauf des Zweiten Weltkrieges zu Vereinfachungen.

Das Mitgliedsabzeichen wurde an einer langen Nadel getragen, was typisch für Vereins- und Verbandsabzeichen dieser Zeit war. Die Nadel ermöglichte das Tragen an der Kleidung, üblicherweise am Revers oder an der Brust. Solche Abzeichen dienten mehreren Zwecken: Sie zeigten die Mitgliedschaft in einer Organisation an, stifteten Identität und Zusammengehörigkeit und waren oft auch Ausdruck politischer Loyalität.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde der Gau Westmark aufgelöst. Das Saargebiet kam zunächst unter französische Verwaltung und bildete das Saarprotektorat, das erst nach einer erneuten Volksabstimmung am 1. Januar 1957 als Saarland der Bundesrepublik Deutschland beitrat. Die übrigen Teile der ehemaligen Westmark wurden Teil des neu geschaffenen Bundeslandes Rheinland-Pfalz.

Heute sind solche Abzeichen wichtige zeithistorische Dokumente, die Einblick in die Organisations- und Alltagsgeschichte der NS-Zeit geben. Sie dokumentieren die umfassende Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Ideologie und die Gleichschaltung traditioneller deutscher Vereine und Verbände. Für Sammler und Historiker sind sie wertvolle Quellen zur Erforschung dieser Epoche.