Wehrmacht Luftwaffe (WL) Extraseitengewehr. Personalisiert!!!

Ausführung mit langer Klinge und breiten Hohlkehlen, saubere Klinge mit  Herstellerbezeichnung "Carl Eickhorn Solingen", die Vernickelung auf der Spitze abgeplatzt, zweifach vernietete Hirschhorngriffschalen. Das vernickelte Feinzinkgefäß mit Altersrissen, auf dem Knauf frontseitig mit schöner Trägergravur "AS", schwarz lackierte Stahlscheide mit ca. 85% des Originallackes, eine leichte Druckstelle am Ort ist zusehen, komplett mit braunem Koppelschuh.  Zustand 2-.







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380,00

Wehrmacht Luftwaffe Extraseitengewehr – Ein Zeremonialseitengewehr aus Solingen

Das hier vorgestellte Extraseitengewehr (auch als Ausgehseitengewehr bezeichnet) der Wehrmacht Luftwaffe ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Tradition zeremonieller Blankwaffen im Dritten Reich. Hergestellt von der renommierten Firma Carl Eickhorn Stahlwarenfabrik in Solingen, vereint dieses Stück handwerkliche Qualität mit militärgeschichtlicher Bedeutung. Die personalisierte Gravur “AS” auf dem Knauf verleiht diesem Exemplar eine individuelle Note und weist darauf hin, dass es sich um ein persönliches Erinnerungsstück eines Luftwaffen-Angehörigen handelt.

Der Hersteller: Carl Eickhorn Solingen

Die Firma Carl Eickhorn wurde 1865 gegründet und am 14. Januar 1886 in Solingen registriert. Solingen war seit Jahrhunderten als Zentrum der Klingenproduktion bekannt und beherbergte zahlreiche Hersteller von Blankwaffen. Während der Zeit des Dritten Reiches (1933–1945) war Eickhorn ein unverzichtbarer Zulieferer der Wehrmacht und produzierte enorme Mengen an Dolchen, Seitengewehren und Schwertern. Die Herstellercodierungen der Firma lauteten “S/172” (1934–1937) und “cof” (1940–1945). Das vorliegende Exemplar trägt die volle Herstellerbezeichnung “Carl Eickhorn Solingen” auf der Fehlschärfe.

Das Extraseitengewehr: Funktion und Bedeutung

Das Extraseitengewehr war ein privat erworbenes Parade- und Ausgeh-Seitengewehr, das von Mannschaften und Unteroffizieren der Wehrmacht zu zeremoniellen Anlässen, Paraden, beim Ausgang und bei formellen Veranstaltungen getragen wurde. Es handelte sich um eine privat gekaufte, verfeinerte Version des regulären Seitengewehrs S84/98. Diese Seitengewehre waren Teil der großen Gesellschaftsuniform (großer Gesellschaftsanzug) und wurden zusammen mit dem Waffenrock getragen.

Das Tragen erfolgte auf der linken Rückseite am Leibriemen, eingehängt in einen ledernen Koppelschuh. In der Luftwaffe wurden diese zeremoniellen Seitengewehre von Bodenpersonal, Flak-Truppen (Flugabwehr) und Angehörigen der Luftwaffen-Felddivisionen getragen, nicht jedoch von Piloten.

Es existierten zwei Hauptvarianten hinsichtlich der Klingenlänge: ein langes Modell mit einer Klingenlänge von ca. 25 cm (Gesamtlänge ca. 40 cm) und ein kurzes Modell mit einer Klingenlänge von ca. 20 cm. Das vorliegende Stück gehört zum langen Modell. Weitere Variationen umfassten schlichte vernickelte Klingen, geätzte Klingen mit Erinnerungsinschriften wie “Zur Erinnerung an meine Dienstzeit”, verschiedene Griffmaterialien (Hirschhorn, Kunsthirschhorn, Bakelit, Holz) sowie branchenspezifische Ausführungen für Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine.

Physische Beschreibung

Dieses Exemplar ist ein einschneidiges Seitengewehr mit dem charakteristischen Vogelkopf-Knauf (Adlerkopf-Knauf) mit H-förmiger Nut und Federrastmechanismus zur Montage am Karabiner 98k. Die lange Klinge weist beidseitig breite Hohlkehlen auf. Die Parierstange und der Knauf bestehen aus vernickeltem Feinzink, während die Griffschalen aus Hirschhorn gefertigt und mit zwei Nieten befestigt sind. Die schwarzlackierte Stahlscheide bewahrt etwa 85% des Originallacks und zeigt eine leichte Druckstelle am Ort. Der braune lederne Koppelschuh ist vollständig erhalten. Auf dem Knauf befindet sich frontseitig die personalisierte Trägergravur “AS”.

Historischer Kontext

Die Tradition des Wehrmacht-Extraseitengewehrs entstand während der Weimarer Republik (1919–1933) und erlebte nach der Machtergreifung des nationalsozialistischen Regimes 1933 ein explosionsartiges Wachstum. Diese Seitengewehre stellten eine Fortführung der kaiserlich-deutschen Militärtradition dar, angepasst an die neue Wehrmacht-Struktur. Die Luftwaffe wurde 1935 als jüngste Teilstreitkraft der Wehrmacht gegründet und erhielt eigene Uniformen und Ausrüstungsvorschriften.

Extraseitengewehre dienten in erster Linie zeremoniellen und symbolischen Zwecken, da ihr praktischer militärischer Nutzen seit dem Ersten Weltkrieg stark abgenommen hatte. Während der Vorkriegs-Expansionsphase (1933–1939), als Deutschland seine Streitkräfte durch die allgemeine Wehrpflicht rasch wieder aufbaute, wurden personalisierte Erinnerungs-Seitengewehre zu beliebten Souvenirs für Soldaten, die ihren Wehrdienst abschlossen. Die Personalisierung “AS” auf diesem Exemplar deutet darauf hin, dass es einem Luftwaffen-Angehörigen mit diesen Initialen gehörte, höchstwahrscheinlich einem Mannschaftsdienstgrad oder Unteroffizier, der es als Erinnerungsstück an seine Dienstzeit erwarb.

Die Produktion wurde während des gesamten Zweiten Weltkriegs (1939–1945) fortgesetzt, obwohl die Nachfrage zurückging, da die Kriegsbedingungen solche zeremoniellen Gegenstände weniger praktisch erscheinen ließen.

Nachkriegsgeschichte und Sammlerwert

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurden Wehrmacht-Militaria einschließlich Extraseitengewehre zu begehrten Sammlerstücken und historischen Artefakten. Die Firma Carl Eickhorn selbst durchlief mehrere Veränderungen: 1981 wurde sie insolvent und von der Firma E. & F. Hörster übernommen. Später wurden die Rechte an die Familie Eickhorn zurückverkauft, und Rolf-Jürgen Eickhorn gründete die A. Eickhorn GmbH & Co. KG. Das Unternehmen produzierte weiterhin Seitengewehre und Kampfmesser. 2004 folgte eine erneute Insolvenz aufgrund asiatischer Konkurrenz. Ein britischer Investor gründete daraufhin “The Original Eickhorn Solingen Ltd”. Stand 2026 operiert das Unternehmen als Waffentechnik Eickhorn GmbH.

Wehrmacht-Extraseitengewehre werden heute als materielle Zeugnisse der Militärkultur des Dritten Reiches studiert und dienen als historische Dokumente. Im modernen Sammlerwesen wird besonderer Wert auf die Unterscheidung zwischen Originalstücken und den zahlreich vorhandenen Nachkriegsreproduktionen gelegt.