Wehrmacht Tropenfeldbluse M43 für Mannschaften der Artillerie
Die Tropenfeldbluse Modell 43 stellt das dritte und letzte Muster der tropischen Feldbekleidung der deutschen Wehrmacht dar und verkörpert in besonderer Weise die Rationalisierungsbemühungen der deutschen Kriegswirtschaft in der zweiten Hälfte des Zweiten Weltkriegs. Das vorliegende Stück, ein Exemplar für Mannschaften der Artillerie, bietet einen eindrucksvollen Einblick in die Entwicklungsgeschichte der deutschen Tropenbekleidung und deren Einsatz in verschiedenen Kriegsschauplätzen.
Entstehung der deutschen Tropenbekleidung
Die Entwicklung tropischer Uniformen begann in der Wehrmacht bereits in den späten 1930er Jahren, als die militärische Führung die Einsatzbereitschaft für verschiedene Klimazonen erweiterte. Mit der Entsendung des Deutschen Afrikakorps unter Generalfeldmarschall Erwin Rommel nach Nordafrika im Februar 1941 wurde spezialisierte Bekleidung für extreme Wüstentemperaturen von bis zu 50°C dringend notwendig, da die standardmäßigen feldgrauen Uniformen unter diesen Bedingungen unpraktisch und gesundheitsgefährdend waren.
Deutschland verfügte über kein Kolonialreich und musste die tropische Ausrüstung Ende 1940 „praktisch über Nacht“ entwickeln. Dabei stützte man sich auf Studien der Universität Hamburg, die allerdings auf asiatischen tropischen Umgebungen basierten. Aus diesen Anfängen entstanden zunächst die Modelle M40 und M41, bevor 1943 das vereinfachte Modell 43 eingeführt wurde.
Das Modell 43 – Vereinfachung durch Materialknappheit
Die M43-Tropenfeldbluse wurde 1943 als vereinfachte Version der früheren tropischen Uniformen eingeführt. Die Vereinfachung umfasste unter anderem den Wegfall der Falten und der gezackten Taschenklappen, die die früheren Modelle charakterisiert hatten. Diese Maßnahmen waren durch Materialknappheit und die Notwendigkeit der Massenproduktion im Rahmen der Kriegswirtschaft bedingt. Die Produktion erfolgte durch verschiedene Wehrmacht-Auftragnehmer im Rahmen des zentralisierten Versorgungssystems.
Beschreibung des vorliegenden Stücks
Bei dem vorliegenden Exemplar handelt es sich um eine Feldbluse aus olivfarbenem Baumwolltuch, einem für den Einsatz in warmen Klimazonen geeigneten Material. Die Bluse weist Bevo-gewebte Kragenspiegel in der Tropenausführung auf, die maschinell vernäht sind. Die Schulterklappen sind ebenfalls in der Tropenausführung gehalten, mit brauner Stoffunterlage auf der Unterseite zum Schlaufen. Die Waffenfarbe Rot auf den Schulterklappen identifiziert den Träger eindeutig als Angehörigen der Artillerie.
Die Wehrmacht verwendete ein standardisiertes System von Waffenfarben auf Schulterklappen und Kragenspiegeln, wobei Rot die Artillerie bezeichnete und eine sofortige Zugehörigkeitserkennung ermöglichte.
Die Maße des Stücks – Schulterbreite ca. 42 cm, äußere Ärmellänge ca. 56 cm und Brustumfang 76 cm – entsprechen einer kleinen bis mittleren Größe, die für Mannschaftsdienstgrade typisch war. Im Inneren befindet sich ein Kammerstempel „F44“, der auf die Ausgabe aus einem bestimmten Bekleidungsamt im Jahr 1944 hinweist.
Einsatzgebiete
Tropische Uniformen der Wehrmacht wurden an Angehörige des Heeres ausgegeben, die in tropischen und subtropischen Klimazonen dienten. Die primären Einsatzgebiete umfassten Nordafrika (insbesondere mit dem Afrikakorps bis zu dessen Kapitulation im Mai 1943 in Tunesien), den Mittelmeerraum (Italien, Griechenland, Kreta), den Balkan und gelegentlich die Ostfront während der Sommermonate. Nach Mai 1943 wurden tropische Uniformen hauptsächlich in Südeuropa getragen.
Da dieses Exemplar den Kammerstempel „F44“ trägt und somit 1944 ausgegeben wurde, ist davon auszugehen, dass es vornehmlich auf einem der südeuropäischen Kriegsschauplätze zum Einsatz kam, da die nordafrikanischen Kämpfe zu diesem Zeitpunkt bereits beendet waren.
Nachkriegsgeschichte
Ein besonders bemerkenswertes Merkmal dieses Stücks ist die Entfernung des Brustadlers (des Wehrmacht-Hoheitszeichens), die laut Objektbeschreibung während der Kriegsgefangenschaft des Trägers erfolgte. An der Stelle verblieb ein kleines Loch. Das Entfernen von Hoheitszeichen war eine unter gefangenen deutschen Soldaten verbreitete Praxis.
Viele tropische Uniformen der Wehrmacht überdauerten den Krieg in Kriegsgefangenenlagern und gelangten später in den zivilen Gebrauch oder in Sammlerkreise. Das Kammerstempelsystem, das zur Nachverfolgung der Ausgabe aus bestimmten Bekleidungsämtern diente, ist für moderne Forscher und Sammler bei der Provenienzbestimmung und Datierung von besonderem Wert geworden.
Das vorliegende Stück zeigt leichte Abnutzungsspuren und wird im Zustand 2-3 bewertet. Es dokumentiert eindrucksvoll sowohl die Rationalisierungsbemühungen der deutschen Kriegswirtschaft als auch das individuelle Schicksal eines Artilleriesoldaten, der den Krieg und die Gefangenschaft überlebte.