Zaristisches Russland Paar Epauletten für einen Porutschik (Oberleutnant) des 2. Infanterie-Regiments Zar Alexander

Um 1900. Silberne Monde und silberne Felder, aufgelegt jeweils die drei vergoldeten Rangsterne und das gekrönte Chiffre "A III" (Zar Alexander III.), blaues Tuchfutter. Zustand 2.

Chef des 1811 aufgestellten Regiments war von 1877-1894 Zar Alexander III. 1894 wurde das Regiment nach ihm benannt.



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Zaristisches Russland Paar Epauletten für einen Porutschik (Oberleutnant) des 2. Infanterie-Regiments Zar Alexander

Die vorliegenden Epauletten eines Porutschik (Oberleutnant) des 2. Infanterie-Regiments Zar Alexander III. repräsentieren ein bedeutendes Zeugnis der russischen Militärgeschichte des späten 19. Jahrhunderts. Diese prächtigen Schulterstücke verkörpern nicht nur den Rang ihres Trägers, sondern auch die enge Verbindung zwischen dem Regiment und dem russischen Kaiserhaus.

Das 2. Infanterie-Regiment wurde im Jahr 1811 während der napoleonischen Kriege aufgestellt und gehörte damit zu den traditionsreichen Einheiten der russischen Armee. Von 1877 bis 1894 stand das Regiment unter der Schirmherrschaft von Zar Alexander III., der als Chef des Regiments fungierte. Nach seinem Tod im Jahr 1894 wurde das Regiment zu seinen Ehren umbenannt und trug fortan seinen Namen. Diese Praxis, dass Mitglieder der Zarenfamilie die Schirmherrschaft über bestimmte Regimenter übernahmen, war im zaristischen Russland weit verbreitet und verlieh den betreffenden Einheiten besonderes Prestige.

Die Epauletten selbst zeigen die charakteristischen Merkmale russischer Offiziersabzeichen jener Epoche. Die silbernen Monde und Felder bilden die Grundlage, auf der die Rangabzeichen angebracht sind. Die drei vergoldeten Sterne kennzeichnen den Rang eines Porutschik, was im deutschen Militärsystem einem Oberleutnant entspricht. Dieser Rang war der zweite Offiziersrang in der russischen Armee und wurde typischerweise nach mehreren Dienstjahren als Unteroffizier erreicht.

Besonders bedeutsam ist das aufgelegte gekrönte Chiffre “A III” für Alexander III., das die besondere Verbindung zwischen Regiment und Zar symbolisiert. Alexander III., der von 1881 bis 1894 regierte, war bekannt für seine konservative Politik und seine Betonung russischer Traditionen. Seine Herrschaft war geprägt von der Stärkung der Autokratie und der Förderung des russischen Nationalismus. Die Anbringung seines Monogramms auf den Epauletten war eine große Ehre und verdeutlichte die Elitestellung des Regiments.

Das blaue Tuchfutter der Epauletten entspricht den Waffenfarben der russischen Infanterie. Im zaristischen Heer waren die verschiedenen Waffengattungen durch unterschiedliche Farben gekennzeichnet: Infanterie trug blau, Kavallerie je nach Regimentstyp verschiedene Farben, und die Artillerie rot. Diese Farbcodierung ermöglichte eine schnelle Identifikation der Truppengattung.

Die Herstellung solcher Epauletten um 1900 war eine aufwendige handwerkliche Arbeit. Spezialisierte Goldschmiede und Militäreffektenhersteller fertigten diese Rangabzeichen nach strengen Vorschriften an. Die Verwendung von echtem Silber für die Grundelemente und vergoldeten Sternen demonstrierte nicht nur den Rang, sondern auch den Status und die finanzielle Situation des Offiziers, der diese Stücke erwerben musste.

Die russische Armee des späten 19. Jahrhunderts befand sich in einer Phase der Modernisierung. Nach dem Krimkrieg (1853-1856) und den Reformen unter Alexander II. wurde das Militärwesen grundlegend umgestaltet. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1874, die Modernisierung der Ausrüstung und die Reorganisation der Kommandostrukturen veränderten das Gesicht der russischen Streitkräfte. Dennoch blieb das Offizierskorps eine privilegierte Elite, in der adlige Herkunft und Verbindungen zum Hof weiterhin eine wichtige Rolle spielten.

Die Epauletten als Rangabzeichen hatten in der russischen Armee eine lange Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichte. Sie wurden auf beiden Schultern der Uniform getragen und waren bei offiziellen Anlässen, Paraden und im Feld vorgeschrieben. Im Gegensatz zu den Schulterstücken (Pogon), die im Alltag getragen wurden, waren Epauletten die formellere Variante und kamen hauptsächlich bei der Paradeuniform zum Einsatz.

Die historische Bedeutung solcher Objekte liegt nicht nur in ihrer materiellen Beschaffenheit, sondern auch in ihrer Funktion als Träger von Identität und Hierarchie. Sie repräsentieren ein Militärsystem, das wenige Jahre später in den Wirren des Ersten Weltkriegs und der Russischen Revolution von 1917 untergehen sollte. Das 2. Infanterie-Regiment, wie viele andere zaristische Einheiten, wurde nach der Oktoberrevolution aufgelöst, und das System der kaiserlichen Rangabzeichen verschwand mit dem Ende der Romanow-Dynastie.

Heute sind solche Epauletten wertvolle Sammlerstücke und wichtige historische Artefakte, die Einblick in die militärische Kultur des zaristischen Russlands geben. Sie zeugen von einer Epoche, in der militärische Ehre, dynastische Loyalität und handwerkliche Kunstfertigkeit eng miteinander verwoben waren.