Bayern Militär-Intendantur Einzel Epaulette für einen Sekretär

Um 1890. Silbernes Feld, silberne Litzen mit blauen Durchzügen, silberner Mond, goldener Rangstern und Beamtenwappen, dunkelblaue Samtunterlage. Zustand 2+.
414635
220,00

Bayern Militär-Intendantur Einzel Epaulette für einen Sekretär

Die vorliegende Einzel-Epaulette für einen Sekretär der Bayerischen Militär-Intendantur aus der Zeit um 1890 repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der militärischen Verwaltungsstruktur des Königreichs Bayern in der späten Phase des Deutschen Kaiserreichs. Diese Rangabzeichen dokumentieren die komplexe Organisation der bayerischen Militärverwaltung und die strikte hierarchische Gliederung der Beamtenschaft.

Die Militär-Intendantur bildete das Rückgrat der militärischen Verwaltung in Bayern. Sie war zuständig für alle wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Angelegenheiten der Armee, einschließlich Verpflegung, Bekleidung, Ausrüstung, Unterbringung und Besoldung. Die Intendantur gliederte sich in verschiedene Ränge und Positionen, wobei die Sekretäre eine wichtige mittlere Verwaltungsebene darstellten. Sie waren verantwortlich für die Führung von Akten, die Erstellung von Berichten und die Umsetzung administrativer Vorgaben.

Die technische Ausführung dieser Epaulette folgt den strengen Uniformvorschriften des Königreichs Bayern. Das silberne Feld mit den silbernen Litzen und blauen Durchzügen kennzeichnet eindeutig die Zugehörigkeit zur Intendantur. Die Farbkombination Silber-Blau war charakteristisch für die Verwaltungsbeamten der bayerischen Armee und unterschied sie von den Linientruppen. Der silberne Mond als Grundelement der Epaulette bildete die Basis für die weiteren Rangabzeichen.

Besonders bedeutsam ist der goldene Rangstern, der den spezifischen Rang des Trägers innerhalb der Hierarchie anzeigte. Das Beamtenwappen in goldener Ausführung unterstrich den besonderen Status als Staatsbeamter im Militärdienst. Die Kombination dieser Elemente ermöglichte eine sofortige Identifikation von Rang und Funktion des Trägers, was in der streng hierarchisch organisierten Militärverwaltung von essentieller Bedeutung war.

Die dunkelblaue Samtunterlage war nicht nur von ästhetischer Bedeutung, sondern erfüllte auch praktische Funktionen. Sie schützte die kostbare Uniform vor den Metallteilen der Epaulette und verlieh dem Rangabzeichen zusätzliche optische Tiefe und Würde. Der verwendete Samt war ein Qualitätsmerkmal und deutete auf die gehobene Position des Trägers hin.

Die Zeitstellung um 1890 ordnet dieses Stück in eine Phase intensiver Modernisierung der bayerischen Armee ein. Nach der Reichsgründung 1871 behielt Bayern zwar gewisse militärische Sonderrechte (Reservatrechte), passte seine Strukturen jedoch zunehmend an die preußisch dominierte Reichsarmee an. Die Intendantur erfuhr in dieser Zeit mehrere Reorganisationen, um den wachsenden Anforderungen einer modernen Armee gerecht zu werden.

Die Herstellung solcher Epauletten erfolgte in spezialisierten Effekten-Manufakturen, die oft königliche Hoflieferanten waren. Die Verarbeitung erforderte höchste handwerkliche Präzision: Die Stickereien wurden in aufwendiger Handarbeit gefertigt, wobei echte Silber- und Goldfäden zum Einsatz kamen. Die Qualität der Ausführung war nicht nur eine Frage des Prestiges, sondern auch der Haltbarkeit, da diese Uniformteile über Jahre getragen werden mussten.

Im Kontext der militärischen Alltagskultur des 19. Jahrhunderts waren Epauletten mehr als bloße Rangabzeichen. Sie symbolisierten die Ehre und Würde des Trägers und seiner Position. Für einen Sekretär der Intendantur bedeutete das Tragen dieser Epaulette die sichtbare Anerkennung seiner Fachkompetenz und seines Status als Staatsdiener. Die minutiöse Regelung der Uniformierung in den bayerischen Militärvorschriften spiegelte die preußisch-deutsche Tradition der exakten Hierarchiedarstellung wider.

Nach dem Ende der Monarchie 1918 und der Auflösung der bayerischen Armee verloren diese Rangabzeichen ihre offizielle Funktion. Sie wurden jedoch zu wichtigen historischen Dokumenten, die heute Einblick in die Verwaltungsstruktur und die materielle Kultur des Militärs im Kaiserreich geben. Der sehr gute Erhaltungszustand (Zustand 2+) macht diese Epaulette zu einem besonders wertvollen Studienobjekt für die Militärgeschichte und Uniformkunde des 19. Jahrhunderts.

r