DAF - Aufmarsch der Deutschen Arbeitsfront Wittenberg September 1933

Blechabzeichen, an Nadel, Zustand 2.
476835
70,00

DAF - Aufmarsch der Deutschen Arbeitsfront Wittenberg September 1933

Das vorliegende Blechabzeichen dokumentiert den Aufmarsch der Deutschen Arbeitsfront in Wittenberg im September 1933, ein Ereignis von erheblicher Bedeutung in der frühen Phase der nationalsozialistischen Machtergreifung. Dieses Abzeichen repräsentiert nicht nur ein historisches Ereignis, sondern auch die umfassende Gleichschaltungspolitik, die das NS-Regime im Jahr 1933 systematisch durchführte.

Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) wurde am 10. Mai 1933 durch Robert Ley gegründet, nachdem die freien Gewerkschaften am 2. Mai 1933 gewaltsam zerschlagen worden waren. Die DAF entwickelte sich zur größten Massenorganisation des Dritten Reiches und vereinte theoretisch alle schaffenden Deutschen – Arbeiter, Angestellte und Unternehmer – unter einem organisatorischen Dach. Bis 1939 gehörten ihr etwa 25 Millionen Mitglieder an, was sie zur mitgliederstärksten Organisation im nationalsozialistischen Deutschland machte.

Der September 1933 markierte eine Phase intensiver organisatorischer Aufbautätigkeit der DAF. Massenaufmärsche und öffentliche Veranstaltungen dienten mehreren Zwecken: Sie demonstrierten die vermeintliche Volksgemeinschaft, mobilisierten die Bevölkerung für das neue Regime und schufen durch ihre choreographierte Inszenierung ein Gefühl der Zugehörigkeit und Macht. Die Wahl Wittenbergs als Veranstaltungsort war symbolisch bedeutsam. Die Stadt Martin Luthers wurde von den Nationalsozialisten instrumentalisiert, um eine Kontinuität zwischen deutscher Reformation und nationalsozialistischer “Revolution” zu konstruieren.

Blechabzeichen wie das vorliegende waren typische Erinnerungsstücke und Teilnehmerausweise bei solchen Massenveranstaltungen. Sie wurden in großen Stückzahlen produziert und an die Teilnehmer ausgegeben oder verkauft. Die Herstellung erfolgte meist durch spezialisierte Abzeichenfabriken, die sich auf die Produktion von Partei- und Organisationsabzeichen spezialisiert hatten. Das Material – geprägtes und emailliertes oder lackiertes Blech – ermöglichte eine kostengünstige Massenproduktion bei dennoch ansprechender optischer Wirkung.

Die Nadelkonstruktion auf der Rückseite diente der Befestigung an der Kleidung, typischerweise am Revers oder an der Jacke. Solche Abzeichen wurden während der Veranstaltung getragen und dienten der Identifikation als Teilnehmer sowie als sichtbares Bekenntnis zur Organisation. Nach der Veranstaltung bewahrten viele Träger diese Abzeichen als Erinnerungsstücke auf, was ihre Überlieferung bis heute erklärt.

Die frühen DAF-Veranstaltungen von 1933 waren besonders wichtig für die Legitimation des neuen Regimes. Sie sollten den Eindruck erwecken, dass die gewaltsame Zerschlagung der Gewerkschaften von der Arbeiterschaft selbst begrüßt wurde. Die Inszenierung von Massenaufmärschen gehörte zum Kernrepertoire nationalsozialistischer Herrschaftstechnik. Durch die Mobilisierung großer Menschenmengen, militärische Ordnung, Fahnen, Musik und Reden sollte ein Gefühl überwältigender Macht und Einheit vermittelt werden.

Aus historischer Perspektive sind solche Abzeichen wichtige Primärquellen für die Erforschung der NS-Zeit. Sie dokumentieren die dichte organisatorische Durchdringung der Gesellschaft, die Mobilisierungsstrategien des Regimes und die visuelle Propaganda. Die Ikonographie, Farbgebung und Symbolik solcher Abzeichen folgte bestimmten Mustern: häufig wurden das Hakenkreuz, DAF-Zahnrad, Reichsadler und lokale Symbole kombiniert. Die Aufschrift mit Ort und Datum diente der Historisierung des Ereignisses bereits im Moment seiner Durchführung.

Der Erhaltungszustand solcher Objekte variiert erheblich. Die Zustandsangabe “2” nach dem üblichen Bewertungsschema deutet auf einen sehr guten bis guten Erhaltungszustand hin, was bei einem über 90 Jahre alten Blechabzeichen bemerkenswert ist. Faktoren wie Oxidation, Farbverlust, Beschädigungen der Emaillierung oder Verformungen sind typische Alterungserscheinungen.

Für Sammler und Museen stellen solche Objekte ein ethisches Dilemma dar. Einerseits sind sie wichtige historische Dokumente, andererseits können sie nicht losgelöst von ihrer Entstehung in einem verbrecherischen System betrachtet werden. Die wissenschaftliche Aufarbeitung und museale Präsentation solcher Objekte erfordert stets eine kritische Kontextualisierung, die ihre Rolle in der NS-Propaganda und Herrschaftspraxis deutlich macht. Sie dienen heute primär der historischen Bildung und Forschung, nicht der Verherrlichung oder unkritischen Sammelleidenschaft.

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