Deutscher Reichskriegerbund Kyffhäuser ( DRKB ) - Landesverband Sachsen - Schießauszeichnung in Bronze 2. Form
Die Schießauszeichnung in Bronze des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser (DRKB), Landesverband Sachsen, stellt ein bedeutendes Zeugnis der paramilitärischen Tradition der Weimarer Republik und des frühen nationalsozialistischen Deutschlands dar. Diese Auszeichnung repräsentiert die zweite Form der Schießabzeichen, die vom sächsischen Landesverband dieser einflussreichen Veteranenorganisation verliehen wurden.
Der Deutsche Reichskriegerbund Kyffhäuser wurde 1922 durch den Zusammenschluss mehrerer Veteranenverbände gegründet und entwickelte sich zur größten Kriegervereinsorganisation der Weimarer Republik. Der Name bezog sich auf das Kyffhäuser-Denkmal in Thüringen, einem monumentalen Symbol deutscher Militärtradition. Die Organisation vereinte ehemalige Soldaten des Ersten Weltkrieges und älterer Konflikte und zählte in ihrer Blütezeit über vier Millionen Mitglieder in ganz Deutschland.
Der Landesverband Sachsen gehörte zu den aktivsten regionalen Gliederungen des DRKB. Sachsen hatte eine lange Tradition von Schützenvereinen und Kriegerverbänden, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichte. Nach dem Ersten Weltkrieg gewannen diese Organisationen besondere Bedeutung, da sie nicht nur der Kameradschaftspflege dienten, sondern auch paramilitärische Ausbildung unter dem Deckmantel sportlicher Aktivitäten durchführten.
Die Schießauszeichnungen wurden in verschiedenen Stufen verliehen: Bronze, Silber und Gold. Die Bronzeauszeichnung stellte die Eingangsstufe dar und erforderte den Nachweis grundlegender Schießfertigkeiten nach den vom Verband festgelegten Kriterien. Die Prüfungen umfassten üblicherweise das Schießen auf festgelegte Distanzen mit Gewehr oder Karabiner, wobei eine Mindestpunktzahl erreicht werden musste.
Die Existenz einer zweiten Form dieser Auszeichnung deutet auf eine Überarbeitung oder Neugestaltung des ursprünglichen Designs hin. Solche Änderungen erfolgten häufig aus praktischen, ästhetischen oder politischen Gründen. In den Jahren nach 1933, als der DRKB in die nationalsozialistische Organisationsstruktur eingegliedert wurde, erfuhren viele Abzeichen Modifikationen, um sie an die neue Symbolik anzupassen.
Die technische Ausführung erfolgte als Nadelabzeichen, was der üblichen Trageweise entsprach. Diese Abzeichen wurden typischerweise an der Vereinsuniform oder an der Zivilkleidung am Revers getragen. Die Bronzeversion wurde meist aus Buntmetall gefertigt und anschließend bronziert. Die Gestaltung folgte üblicherweise den ikonografischen Mustern der Kyffhäuser-Symbolik, häufig mit Eichenlaub, Schwertern oder dem charakteristischen Kyffhäuser-Denkmal.
Die historische Bedeutung dieser Schießauszeichnungen liegt in mehreren Aspekten. Erstens dokumentieren sie die Fortsetzung militärischer Traditionen in einer Zeit, in der Deutschland durch den Versailler Vertrag strenge Rüstungsbeschränkungen auferlegt waren. Zweitens zeigen sie, wie Veteranenorganisationen zur Aufrechterhaltung militärischer Fertigkeiten und zur Vorbereitung auf eine mögliche Remilitarisierung beitrugen. Drittens spiegeln sie die allmähliche Gleichschaltung bürgerlicher Vereine in der nationalsozialistischen Zeit wider.
Nach der Machtergreifung 1933 wurde der DRKB zunehmend in die NS-Organisationsstruktur integriert. 1938 erfolgte die formelle Eingliederung in den Nationalsozialistischen Reichskriegerbund (NSRKB) unter der Leitung von Wilhelm Reinhard. Die regionalen Landesverbände, einschließlich des sächsischen, verloren dabei ihre Autonomie, behielten aber zunächst gewisse organisatorische Eigenheiten bei.
Der Zustand dieser Auszeichnung als Nadelvariante ist typisch für Trageabzeichen dieser Periode. Die Nadel ermöglichte das einfache Anbringen und Abnehmen des Abzeichens, was besonders bei sportlichen Veranstaltungen und Schießwettbewerben praktisch war. Die Bewertung des Erhaltungszustands folgt der in der Militaria-Sammlergemeinschaft üblichen Skala, wobei verschiedene Grade von ungetragen bis stark beschädigt unterschieden werden.
Heute besitzen diese Auszeichnungen primär historischen und sammlertechnischen Wert. Sie dokumentieren einen wichtigen Aspekt der deutschen Militärgeschichte zwischen 1918 und 1945 und illustrieren die Organisationsstruktur paramilitärischer Veteranenverbände. Für Historiker bieten sie Einblicke in die Verbindungen zwischen zivilen Schützenvereinen, Veteranenorganisationen und der späteren militärischen Mobilisierung im Dritten Reich.