Deutscher Reichskriegerbund Kyffhäuser (DRKB) – Silberne Ehrennadel für 25 jährige Mitgliedschaft
Die hier vorgestellte Silberne Ehrennadel für 25 jährige Mitgliedschaft des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser (DRKB) ist ein bemerkenswertes Zeugnis der deutschen Veteranenkultur der Zwischenkriegs- und NS-Zeit. Als Auszeichnung für ein Vierteljahrhundert ununterbrochener Mitgliedschaft in einer der größten Veteranenorganisationen Deutschlands verbindet dieses Abzeichen militärgeschichtliche Bedeutung mit der komplexen politischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Ursprünge und Organisationsgeschichte
Die Wurzeln des DRKB reichen bis zum Jahr 1900 zurück, als der Kyffhäuserbund als Dachverband zur Vereinigung deutscher Kriegervereinsverbände gegründet wurde. Seinen Namen verdankte er dem Kyffhäuser-Denkmal, das 1896 errichtet worden war und als symbolischer Bezugspunkt der deutschen Veteranenbewegung diente. Am 8. März 1921, während der Weimarer Republik, entstand durch den Zusammenschluss regionaler Kriegerverbände der Deutsche Reichskriegerbund Kyffhäuser (DRKB). Die Organisation vereinigte Veteranen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 und des Ersten Weltkrieges sowie Reservisten und ehemalige Frontkämpfer unter einem gemeinsamen Dach.
Die Mitgliedschaft des DRKB wuchs in der Weimarer Republik auf beeindruckende Dimensionen: Bis 1933 zählte die Organisation über 4 Millionen Mitglieder in mehr als 37.000 lokalen Kriegervereinen. Diese Zahlen machen den DRKB zu einer der größten Massenorganisationen der Weimarer Republik und unterstreichen die gesellschaftliche Bedeutung der Veteranenpflege im Deutschland der Zwischenkriegszeit.
Gleichschaltung und NS-Zeit
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurde der DRKB der Gleichschaltung unterworfen. Am 4. März 1933 wurde Wilhelm Reinhard zum Bundesführer ernannt, der die Organisation konsequent auf die nationalsozialistische Ideologie ausrichtete. Der DRKB wurde in der Folge zum NS-Reichskriegerbund (NSRKB) umbenannt und fungierte fortan als einzige autorisierte Veteranenorganisation im Dritten Reich. Schließlich wurde die Organisation im März 1943 von Hitler aufgelöst, wobei ihr Vermögen an die NSDAP übertragen wurde. Die lokalen Vereine bestanden kurzzeitig unter der Kontrolle der NSDAP fort und bildeten teilweise die Grundlage für Volkssturm-Einheiten.
Physische Beschreibung und Herstellung
Das vorliegende Exemplar wird als 1. Form mit Nadelbefestigung klassifiziert. Die rückseitige Markierung „GES.GESCH.“ steht für „Gesetzlich Geschützt“ – eine in der deutschen Abzeichenproduktion übliche Bezeichnung für rechtlich geschützte Entwürfe. Das Abzeichen zeigt einen ovalen Eichenlaubkranz, ein schwarz emailliertes Medaillon mit der Zahl „25“, ein Schild mit dem schwarzen Kyffhäuser-Denkmal auf weißem Grund sowie eine schwarz-weiß-rote Flagge. Die Maße betragen etwa 24 mm in der Breite und 30–32 mm in der Höhe, bei einer Nadellänge von ungefähr 50–63 mm.
Es existierten zwei Formvarianten: Die 1. Form mit langer Nadel und die 2. Form mit abweichender Befestigung. Darüber hinaus gab es eine Goldene Ehrennadel für 50 Jahre Mitgliedschaft. Verschiedene Hersteller produzierten diese Abzeichen, wobei herstellerspezifische Nummern wie etwa „1“, „4“ (für Karl Gutenkunst, Oranienburg) oder „9“ auf der Rückseite angebracht sein konnten. Es existierten sowohl emaillierte als auch nicht emaillierte Ausführungen.
Verleihungskriterien und Trageweise
Die Silberne Ehrennadel wurde Mitgliedern des DRKB für 25 Jahre ununterbrochene Mitgliedschaft verliehen. Sie wurde typischerweise an Zivilkleidung oder am Revers getragen und war somit ein sichtbares Zeichen langjähriger Verbundenheit mit der Veteranengemeinschaft. Angesichts der über 4 Millionen Mitglieder des DRKB dürfte die Verbreitung dieser Auszeichnung erheblich gewesen sein, wenngleich genaue Produktionszahlen nicht überliefert sind.
Nachkriegsgeschichte und Sammlerbedeutung
Nach der Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands im Mai 1945 wurden sämtliche nationalsozialistische Organisationen durch die Alliierten verboten und aufgelöst. Grundlage hierfür war das Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945. Der DRKB beziehungsweise NS-Reichskriegerbund hörte damit auf zu existieren. Erst ab September 1952 wurde der Kyffhäuserbund in Westdeutschland neu gegründet, wobei er sich bewusst von seinem Vorgänger aus der NS-Zeit distanzierte.
Heute sind Mitgliedsabzeichen und Ehrennadeln des DRKB begehrte Sammlerstücke, die einen einzigartigen Einblick in die deutsche Veteranenkultur der Zwischenkriegszeit und des Dritten Reiches bieten. Das vorliegende Exemplar im Zustand 2 dokumentiert als greifbares Relikt die Geschichte einer Organisation, die den Wandel von der demokratischen Weimarer Republik über die nationalsozialistische Gleichschaltung bis zur Auflösung im Zweiten Weltkrieg durchlief.