Deutsches Kaiserreich Schutzgebiet ( Kolonie ) Foto, Lehmhütten von Einheimischen in Deutsch-Südwestafrika
Diese auf Pappe montierte Fotografie dokumentiert Lehmhütten einheimischer Bewohner in Deutsch-Südwestafrika, der deutschen Kolonie auf dem Gebiet des heutigen Namibia. Mit Abmessungen von etwa 23 x 17 cm repräsentiert dieses Bild einen bedeutenden Teil des visuellen Archivs des deutschen Kolonialismus und bietet Einblicke in die Dokumentationspraktiken der Kolonialzeit zwischen 1884 und 1915.
Im Jahr 1884 erklärte Reichskanzler Otto von Bismarck das Land zum Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika. Diese Kolonie war einzigartig unter den deutschen Kolonialbesitzungen, da sich hier eine erhebliche Anzahl deutscher Siedler niederließ. Bis 1913 lebten 14.830 Deutsche in Namibia, was die Kolonie zu einem Schwerpunkt deutscher Siedlungspolitik in Übersee machte. Die dreißigjährige deutsche Kolonialherrschaft endete 1915, als das Territorium während des Ersten Weltkriegs von Truppen der Südafrikanischen Union erobert und unter Militärverwaltung gestellt wurde. Im Jahr 1919 wurde es als Völkerbundmandat unter südafrikanische Verwaltung übergeben.
Die Fotografie auf Kartonunterlage war eine typische Form kolonialer Dokumentation dieser Epoche. Während der Kolonialzeit produzierten professionelle Fotografen, Siedler, Militärangehörige und Beamte der Kolonialverwaltung Tausende solcher Fotografien über einen Zeitraum von dreißig Jahren. Kartonfotografien wurden bis ins 20. Jahrhundert hinein hergestellt, wobei Gelatine- und Kollodium-Druckpapiere die älteren Albuminpapiere ersetzten.
Diese Fotografien erfüllten während der Kolonialzeit mehrere Zwecke: Sie dienten der Dokumentation kolonialer Territorien, ethnographischen Studien, der Propaganda für koloniale Unternehmungen, als persönliche Souvenirs für Siedler und Militärangehörige sowie dem kommerziellen Verkauf an Sammler in Deutschland. Solche Bilder wurden verwendet, um die “Segnungen der europäischen Zivilisation” zu demonstrieren. Die Fotografien wurden von Kolonialverwaltern, deutschen Siedlern in der Kolonie, Militärpersonal, geographischen und ethnographischen Forschern sowie Sammlern kolonialer Memorabilien in Deutschland betrachtet und fanden möglicherweise Verwendung in Publikationen zur Förderung kolonialer Unternehmungen.
Die Kolonialperiode war von gewaltsamen Konflikten geprägt, einschließlich der Völkermorde an den Herero und Nama (1904-1908). Die Fotografie spielte eine bedeutende Rolle in der kolonialen Dokumentation, Kontrolle und Propaganda. Bilder wurden von afrikanischen Wanderfotografen, weißen Siedlern und Institutionen des Kolonialstaates produziert. Das visuelle Archiv des deutschen Kolonialismus in Südwestafrika betonte die koloniale Fotografie als wesentliches Instrument der Herrschaftsausübung.
Nach 1919 wurde das Territorium als Südwestafrika unter südafrikanischer Kontrolle als Völkerbundmandat verwaltet. Es wurde 1990 als Namibia unabhängig. Fotografien aus der Ära von Deutsch-Südwestafrika werden heute in verschiedenen Archiven in Deutschland, Namibia und Südafrika aufbewahrt. Sie dienen als historische Dokumente zur Erforschung des Kolonialismus, der Ethnographie und des an den Herero und Nama verübten Völkermords. Solche Fotografien werden von Sammlern militärischer Memorabilien, Historikern und Institutionen gesammelt, die die deutsche Kolonialgeschichte erforschen. Die Fotografien bleiben aufgrund ihrer Verbindung zu kolonialer Gewalt und Ausbeutung kontrovers und fordern eine kritische Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte.