Elastolin - Heer Soldat mit Schiffchen links liegend - 12 Stück in der originalen Verpackung
Elastolin-Soldatenfiguren: Spielzeug und historisches Dokument der Zwischenkriegszeit
Die vorliegende Sammlung von zwölf Elastolin-Heersoldaten in liegender Position repräsentiert ein faszinierendes Kapitel deutscher Spielzeuggeschichte und militärischer Alltagskultur. Die Firma O. & M. Hausser aus Neustadt bei Coburg entwickelte ab 1926 das Material Elastolin, eine innovative Masse aus Kasein, Kreide, Glyzerin und anderen Bestandteilen, die härter und wetterbeständiger als die traditionellen Bleifiguren war.
Die Figuren zeigen einen deutschen Wehrmachtssoldaten in charakteristischer Felduniform mit Schiffchen (Feldmütze) in links liegender Schützenposition. Diese Pose entspricht den taktischen Ausbildungsvorschriften der 1930er und 1940er Jahre, bei denen Soldaten im Gefecht aus verschiedenen Positionen das Feuer eröffnen sollten. Das Schiffchen war die typische Kopfbedeckung deutscher Soldaten außerhalb des direkten Kampfeinsatzes und wurde gemäß der Heeresdienstvorschrift (HDv) getragen.
Die Produktionsnummer 0/550/4 auf dem originalen Etikett deutet auf das Produktionssystem der Firma Hausser hin. In den 1930er Jahren expandierte das Unternehmen erheblich und produzierte Millionen von Figuren für den deutschen und internationalen Markt. Die Bezeichnung “1 Dz.” (ein Dutzend) zeigt, dass diese Figuren im Großhandel verkauft wurden, üblicherweise an Spielwarengeschäfte.
Die 7,5-cm-Serie war das Standardformat der Elastolin-Figuren und ermöglichte detaillierte Darstellungen bei gleichzeitig erschwinglichen Produktionskosten. Die Figuren wurden in mehreren Arbeitsschritten gefertigt: Zunächst wurde die Elastolin-Masse in Metallformen gepresst, dann auf Drahtgestelle montiert und schließlich von Hand bemalt. Die Bemalung folgte den offiziellen Uniformvorschriften der Wehrmacht, wobei die typische feldgraue Uniform und die korrekten Abzeichen dargestellt wurden.
Historisch betrachtet erfüllten solche Spielzeugfiguren in der Zeit zwischen den Weltkriegen und während des Zweiten Weltkriegs mehrere Funktionen. Einerseits dienten sie der kindlichen Unterhaltung, andererseits spiegelten sie die zunehmende Militarisierung der deutschen Gesellschaft wider. Die Firma Hausser produzierte ab 1933 verstärkt militärische Figuren, die den verschiedenen Waffengattungen der Wehrmacht entsprachen.
Die Erhaltung in Originalverpackung ist besonders bemerkenswert, da die meisten Elastolin-Figuren als Spielzeug verwendet und dabei beschädigt oder die Verpackungen entsorgt wurden. Das Etikett mit der genauen Produktbezeichnung ist ein wertvolles Zeitdokument, das Einblick in die kommerzielle Organisation und Vertriebsstruktur der Spielzeugindustrie jener Epoche gibt.
Nach 1945 stellte die Firma Hausser ihre Produktion auf friedliche Themen um, wobei Cowboys, Indianer und Zirkusfiguren die militärischen Serien ersetzten. Die Elastolin-Produktion wurde schließlich in den 1980er Jahren eingestellt. Heute sind diese Figuren begehrte Sammlerobjekte, die sowohl die handwerkliche Qualität deutscher Spielzeugherstellung als auch die problematische Geschichte der Militarisierung dokumentieren.
Der Zustand 2 (sehr gut) deutet auf minimale Gebrauchsspuren hin, was bei Figuren dieses Alters außergewöhnlich ist. Dies unterstreicht den historischen und sammlerischen Wert dieser Gruppe. Für Militärhistoriker sind solche Objekte wichtige Quellen zum Verständnis der materiellen Kultur und der gesellschaftlichen Normalisierung militärischer Symbolik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.